Hansa Rostock: Interview mit Timo Lange

"Auf jeden Fall hätte man demütiger rangehen sollen."

Timo Lange (r.) jubelt mit Magnus Arvidsson.

Timo Lange (r.) erzielte 34 Tore für Hansa, hier bejubelt er seinen Führungstreffer gegen den HSV in der Saison 1999/2000. ©Imago/Camera 4

Bei Hansa Rostock ist Timo Lange eine Legende. Elf Jahre lang trug er das Trikot der „Kogge“, ehe er in der Saison 2003/04 seine Karriere in der zweiten Mannschaft ausklingen ließ. In 290 Pflichtspielen pflügte er die rechte Seite hoch und runter, 165 Mal davon in der 1. Bundesliga.

Auch nach seiner Zeit aktiver ging es nicht ohne Hansa: Von 2005 an war er rund drei Jahre unter Frank Pagelsdorf als Co-Trainer tätig. Im Interview mit Liga-Drei.de spricht der 51-Jährige über die Ambitionen von Hansa, wie er die Entwicklung des Klubs sieht und das nächste Spiel gegen den Halleschen FC, für den er selbst ein Jahr spielte.

Herr Lange, Sie sind Rekord-Bundesliga-Spieler des FC Hansa. Wie gut ist Ihre Beziehung zum Verein noch?
Timo Lange: „Ich gucke mir gelegentlich das eine oder andere Hansa-Heimspiel live an. Aus dem Fußballgeschäft bin ich aber komplett raus, habe mich selbständig gemacht. Ich betreibe zwei Drogerie-Märkte, einen in Rostock, einen in Warin. In diesen beiden Drogerie-Märkten habe ich auch eine Vorverkaufsstelle für die Hansa-Heimspiele und habe natürlich durch meine Beziehung zu Hansa Rostock auch Fanartikel.

Dadurch habe ich zum Verein noch hin und wieder Kontakt, zum Beispiel zum Merchandising-Chef. Die Fanartikel laufen natürlich meistens ganz gut, wenn Hansa erfolgreich ist (lacht). So ist das ja überall im Fußballgeschäft, sobald der Erfolg da ist, kommen auch immer mehr Leute. Nichtsdestotrotz hat Hansa aber immer einen super Zuschauerschnitt in der dritten Liga.“

Mal freut man sich, mal denkt man: 'Das gibt's doch gar nicht'. (über die Auftritte Rostocks)

Die Leistungen Rostocks sind hingegen momentan eher Ligadurchschnitt. Wie gefallen Ihnen die Leistungen des FCH?
Lange: „In den vergangenen Jahren war es bei Hansa Rostock wie eine Berg- und Talfahrt, es ging immer hoch und runter. Unter Pavel Dotchev war ein System zu erkennen, es hat eigentlich alles gepasst, die Spieler haben sich auf dem Platz zerrissen. Der Fußball war technisch versiert. Auch unter Dotchev war Hansa am Ende aber nicht mehr so erfolgreich. Das meine ich eben mit der Berg- und Talfahrt. Mit Martin Pieckenhagen und Jens Härtel sind jetzt zwei Neue am Ruder.

Im Moment sieht es so aus, als ob es genauso weiter geht. Mal freut man sich, mal denkt man: ‚Das gibt’s doch gar nicht‘. Zum Beispiel das Heimspiel gegen Meppen. Bei der Partie war ich auch im Stadion. Da sagt man sich: ‚Meppen ist schlagbar‘. Dann fängst du gut an, hast Torchancen, machst sie nicht rein, bekommst zwei Dinger und am Ende gewinnt Meppen das Spiel. Aber so ist Fußball und speziell bei Hansa ist ja immer was los.“

Auf jeden Fall hätte man demütiger rangehen sollen. (über das im Sommer ausgegebene Ziel Aufstieg)

Im Sommer wurde der Aufstieg klar und deutlich als Ziel tituliert. Die richtige Herangehensweise oder wäre etwas mehr Demut sinnvoller gewesen?
Lange: „Auf jeden Fall hätte man demütiger rangehen sollen. Mit dem Slogan ‚Gemeinsam nach oben‘ hat man die Mannschaft schon sehr unter Druck gesetzt. Klar, soll man immer ehrgeizige Ziele formulieren. Aber in der heutigen Gesellschaft ist es doch sinnvoller, von Spiel zu Spiel zu gucken. Die jungen Spieler wären dadurch nicht so unter Druck gesetzt worden.

Man muss auch sehen: Zu einer Mannschaft gehören nicht nur elf Spieler. Du musst alle zufrieden stellen. Dass keiner rummault, ist die Kunst. Das Klima in der Mannschaft muss passen, damit ein Zusammenhalt da ist. Dafür war die Herangehensweise vor der Saison etwas zu hochgegriffen.“

Sie bekommen viel an der Basis mit: Muss Hansa im Sommer einen Umbruch wie in den letzten Jahren vermeiden oder ist ein erneuter Umbruch mit vielen Abgängen und vielen Neuzugängen unumgänglich, wenn das Ziel Aufstieg realisiert werden soll?
Lange: „Das Thema beschäftigt jeden Hansa-Fan. Es gibt ein Zauberwort und das lautet Kontinuität. Dieses Zauberwort ist bei Hansa nicht vorhanden. Wannenwetsch ist mittlerweile einer der Spieler, der am längsten da ist – zweieinhalb Jahre. Wir haben damals sechs bis zehn Jahre die Knochen für einen Verein hingehalten. Darum geht es: Ein Korsett aufzubauen, das es dem Trainerteam ermöglicht, ruhig zu arbeiten. Hansa Rostock hat in den letzten Jahren aber immer die Leistungsträger verloren.

Oliver Hüsing ist zum Beispiel so ein Führungsspieler. Die Frage ist, kann man ihn halten und zwei, drei Spieler gleichen Kalibers dazu holen. Natürlich muss man dann noch ein bisschen austauschen, aber vielleicht nur fünf, sechs Spieler. Dann kriegt man diese Kontinuität rein und kann diesen Weg gehen, mit Mannschaft und Trainer länger zu arbeiten. Dann kann auch der Erfolg kommen.“

Timo Lange (r.) bei seiner Vorstellung in Halle.

Zur Saison 1991/92 wechselte Timo Lange (r.) zum HFC. ©Imago/WEREK

Erfolg hat momentan Ihr anderer Ex-Verein, der Hallesche FC. Was hatten Sie vor der Saison vom HFC erwartet?
Lange: „Ich war ja nur ein Jahr in Halle, das war aber eine schöne Zeit. Wir hatten Spieler dabei, die alle ihren Weg gegangen sind, zum Beispiel Dariusz Wosz oder René Tretschok. Momentan überrascht der HFC, der Relegationsplatz ist nichtsdestotrotz absolut verdient. Ich denke, dass ihn der HFC halten kann. Osnabrück und der KSC werden hochgehen, Wehen Wiesbaden liegt jetzt schon einige Punkte zurück. Ziegner hat eine gute Mannschaft zusammengestellt. In der Saison gibt es immer ein Überraschungsteam, das aufsteigen kann. Das ist in dieser Saison der HFC.“

Medial und im Umfeld herrscht scheinbar kaum Begeisterung über den HFC. Wie war das zu Ihrer Zeit?
Lange: „Die Zuschauerzahlen kann man natürlich nicht mit denen von Dynamo Dresden, Magdeburg oder Rostock vergleichen. Wenn man die anderen Ost-Vereine sieht: Jena, Cottbus, Chemnitz zu Drittliga-Zeiten, die haben alle ungefähr die gleiche Zuschauerzahl wie Halle. Bei uns war das damals ähnlich. Generell ist es ja immer schön, wenn die Ost-Vereine wieder präsenter in den ersten drei Ligen sind. Momentan sieht es für einige in der dritten Liga ja nicht so gut aus. Es sind aber auch noch ein paar Spiele zu spielen.“

Der HFC ist in einer vernünftigen Form, Hansa tut sich zuhause oft schwer. (über das Duell am Montag)

Genau, der nächste Spieltag läuft am Wochenende. Ihre beiden Ex-Klubs Hansa und Halle treffen aufeinander. Sind Sie im Stadion?
Lange: „Höchstwahrscheinlich ja. Mit Halle kommt natürlich ein interessanter Gegner.“

Wo sind Sie denn anzutreffen?
Lange: „Im Stadion, wo ist ja egal (lacht). Es gibt vier Tribünen, auf einer werde ich sitzen. Auf der Südtribüne jetzt nicht, aber es gibt ja noch andere Möglichkeiten.“

Wer gewinnt am Ende?
Lange: „Der HFC ist in einer vernünftigen Form, Hansa tut sich zuhause oft schwer. Deswegen tippe ich auf ein 2:2-Unentschieden.“

Herr Lange, vielen Dank für das Gespräch!

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