Karlsruher SC: Interview mit Martin Stoll

"Das Ergebnis sieht doch ganz gut aus."

Martin Stoll vom Karlsruhr SC

Karlsruher Identifikationsfigur: Martin Stoll kickte schon in der Jugend beim KSC. ©Imago/Sportfoto Rudel

Martin Stoll hat in seiner Karriere schon einiges erlebt. Nach Stationen in der Schweiz, in Dresden und Rostock kehrte der heute 34-jährige 2012 zu dem Verein zurück, bei dem er seine ersten Schritte als Profi machte.

Insgesamt bringt es das KSC-Urgestein nun bereits auf 170 Einsätze für die Karlsruher, momentan ist er unter Alois Schwartz allerdings nur Reservist. Wie er der Mannschaft trotzdem hilft, was der Coach im Training anders macht und was er nach der Karriere plant, verrät er im Gespräch mit Liga-Drei.de.

Herr Stoll, der KSC spielt Samstag im Verfolgerduell gegen Fortuna Köln, Fortuna gewann das Hinspiel 4:0. Wie sehr ist das noch in den Köpfen?
Martin Stoll: „Uns Spielern ist durchaus bewusst, dass das damals keine gute Leistung war. Die Situation damals ist aber auch kaum vergleichbar mit unserer jetzigen und der spielerischen Stärke, die wir im Moment haben. Wir haben uns in den letzten Monaten gefunden und ich denke, dass es jetzt ein ganz anderes Spiel wird.“

Was muss der KSC diesmal besser machen?
Stoll: „Was wir schon die letzten Spiele gezeigt haben: Wir standen in der Defensive stabil, haben wenig zugelassen, hatten dann nach vorne immer wieder gute Aktionen und daraus auch Tore gemacht. Das wird wieder die Grundlage sein für das Wochenende.“  

Nach dem Spiel kam mit Alois Schwartz ein neuer Trainer. Seitdem gab es nur noch zwei Niederlagen. Für Sie war es der bisher letzte Einsatz von Beginn an. Frech gefragt: Hat Alois Schwartz alles richtiggemacht?
Stoll: „Ja, natürlich spricht die Statistik für ihn. Ich selbst hatte ein bisschen Pech, hatte mich im Training leicht muskulär verletzt und war dann nicht unbedingt spielbereit, als der neue Trainer kam. Aber die Konstellation zeigt, dass die Mannschaft funktioniert, und das ist das Wichtigste.“

Die Konstellation zeigt, dass die Mannschaft funktioniert. (über seine Reservistenrolle)

Wie helfen Sie der Mannschaft trotz geringer Einsatzzeiten im Aufstiegsrennen?
Stoll: „So wie ich es auch in der Vergangenheit des Öfteren mal getan habe: indem ich im Training Vollgas gebe, mich voll reinhänge, damit man ein gutes Trainingsniveau hat. Man muss positiv sein. Auch wenn man gerade persönlich eine Talsohle erlebt, kann man für die anderen da sein und sie pushen, damit man am Wochenende eine konzentrierte Leistung abliefern kann.“  

Unter Alois Schwartz tritt die Mannschaft mehr als Einheit auf, es werden kaum Tore kassiert. Wie arbeitet Schwartz im Training an der Defensive?
Stoll: „Er legt einen großen Fokus darauf, dass wir gemeinsam als Team verteidigen, dass die Offensivspieler auch diese Marschroute einhalten und mit nach hinten arbeiten. Umso mehr Mitspieler das tun, umso stärker wirkt sich das aus und gibt der ganzen Mannschaft Sicherheit. Das war ein Schwerpunkt in seinen anfänglichen Trainingseinheiten und er hat es konsequent durchgezogen. Das Ergebnis sieht doch ganz gut aus.“

Sie haben auch Auslandserfahrung. In Aarau spielten Sie z.B. unter dem jetzigen Bielefeld-Trainer Jeff Saibene. Wie haben Sie ihn als Trainer erlebt?
Stoll: „Ich habe ihn als sehr guten Trainer erlebt. Leider hatten wir keine so tolle sportliche Zeit, die Ergebnisse haben nicht ganz so gestimmt. Aber es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Er ist ein sehr offener Trainer, der klare Strukturen hat und mit dem man gut reden kann. Er lässt sich auf die Spieler ein und hat ein offenes Ohr. Er zeigt ja gerade in Bielefeld, dass er ein guter Trainer ist.“

Ich möchte dem Fußball schon treu bleiben. (über seine Zukunftspläne)

Sie haben unter vielen unterschiedlichen Trainertypen gespielt. Von wem haben Sie am meisten mitgenommen?
Stoll: „Ich habe immer wieder ein Stück von jedem mitgenommen. Der eine Trainer war eher pragmatisch, relativ einfach, dann gab es Trainer, die waren eher akribisch und haben viel Wert auf taktische Dinge gelegt. Ich habe versucht, immer eine Mischung mitzunehmen, nie in die Extreme zu gehen.“

Ihr Vertrag läuft aus. Wann wird es Gespräche mit dem Verein geben?
Stoll: „Ich hatte schon ein Gespräch mit dem Verein. Jetzt müssen wir erstmal sehen, was die nächsten Wochen bringen. Die Transferperiode ist jetzt vorbei, die den Verein beschäftigt hat. Ich hoffe, dass wir uns in den nächsten Tagen oder Wochen zusammensetzen können. Es wäre schön, wenn dabei noch ein schönes gemeinsames Ergebnis herauskäme.“     

Ehemalige Kollegen wie Carsten Rothenbach oder Maik Franz arbeiten inzwischen im Bereich Vereinsführung, Christian Eichner ist Co-Trainer. Dexter Langen ist Kindergärtner. Welche Pläne haben Sie für die Zeit nach der Karriere?
Stoll: „Ich möchte dem Fußball schon treu bleiben. Es gilt jetzt noch zu erkunden, in welchem Bereich genau, ob als Trainer oder im organisatorischen Bereich. Das will ich in der nächsten Zeit genauer herausfinden. Ich hoffe, dass ich dann einen konkreten Weg für die nächsten Jahre finde.“

Die Tradition ist durch den ganzen Verein bewahrt. (über das Wildpark Stadion)

In Karlsruhe ist ja ein Stadionneubau geplant. Der KSC ohne den alten Wildpark, geht das überhaupt?
Stoll: „Das geht auf jeden Fall. Ich denke die Tradition ist durch den ganzen Verein bewahrt, das sollte man nicht unbedingt an einem altehrwürdigen, aber letztlich maroden Stadion festmachen.

Es gibt immer Veränderungen und ich denke, dass viele Leute gerade im Stadionbereich eine Veränderung herbeisehnen. Wir müssen da einen Schritt vorankommen, um die Voraussetzungen für die nächsten Jahre zu schaffen.“

Was macht die Atmosphäre im Wildpark aus?
Stoll: „Das ganze Erscheinungsbild des weitläufigen Stadions macht die Atmosphäre aus. Es ist sehr groß und hat natürlich eine gewisse Ausstrahlungskraft. Aber ich denke, dass die Leute nichts dagegen haben, wenn das Stadion etwas enger wird und dadurch vielleicht noch bessere Stimmung zu Stande kommt.“ 

Vielen Dank für das Interview, Herr Stoll!