Magdeburg vs HFC: Derby voller Nervosität, Energie & Brisanz

Härtel, Bahn & Wolf erinnern sich

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Donnerstag, 17.09.2020 | 15:01
Denis Wolf beim Torjubel.

Zwölf Treffer bejubelte Denis Wolf im Trikot des 1. FC Magdeburg. ©imago images/Christian Schroedter

Rund 80 Kilometer liegen zwischen den Fußball-Standorten Magdeburg und Halle. Das braucht eine gute Autostunde. Doch wenn im Terminkalender der 3. Liga das Kräftemessen der beiden seit Urzeiten rivalisierenden Klubs dieser Nachbarstädte zur Austragung kommt, dann scheint so, als würde es sich um ein Stadtduell der Güte Union gegen Hertha, Pauli gegen HSV, Sechzig gegen Bayern handeln.

Der Spielplan will es so, dass bereits zum Start in die neue Spielzeit der 3. Liga im Fußball-Land Sachsen-Anhalt am Samstag das Spiel des Jahres ausgerufen wird. Die Spannung gewährt also keinen Aufschub. Für die verantwortlichen Fußball-Lehrer, Thomas Hoßmang und Florian Schnorrenberg, die ihren Mannschaften im Juli so gerade noch den Erhalt in der 3.Liga sichern konnten, geht es sofort in die Vollen.

Transfermarkt.de hat seit 1968 insgesamt 58 Derbys dieser beiden Vereine festgehalten. Liga-Drei.de reduziert seinen Blick auf die letzten 20 Aufeinandertreffen seit 2008 und dabei ist zuvorderst unübersehbar, dass die Endergebnisse höchst knapp gefallen sind und die Jagd auf ein Torfestival überhaupt nicht stattgefunden hat.

Der HFC konnte keines der letzten acht Derbys gewinnen

In nackten Zahlen ausgedrückt klingt das in letzten 10 Spielen nämlich punktgenau so: Zuletzt im Juni vor leeren Rängen 1:1 in Halle. Zuvor 1:0, 2:0, 1:0, 2:1 für den 1.FC Magdeburg. Davor 1:1 und zwei weitere Magdeburger Siege mit 3:1 und 1:0. Last but not Least: Der letzte Sieg des Halleschen FC stammt aus dem Jahre 2016, als im damaligen Landespokalfinale der Treffer des HFC-Eigengewächses Toni Lindenhahn zum 2:1-Triumph geführt hat.

Bentley Baxter Bahn war zwischen 2018 und 2020 eine feste Größe im Mittelfeldspiel des Halleschen FC. Er glaubt eine Erklärung dafür zu haben, warum diese Duelle aus fußballerischer Sicht eher unspektakulär verlaufen sind.

über Derbys gegen Magdeburg
„ Unruhig, zerfahren, hochemotional eben. ”
Ex-HFC-Kicker Bentley Baxter Bahn

„Die extreme Brisanz dieser Derbys schafft nicht die Basis für guten Fußball. Da ist viel Feuer im Spiel mit vielen Zweikämpfen und vielen Fouls auf dem Rasen. Taktisch geprägte Leckerbissen sind das eher nicht. Stattdessen läuft das Spielgeschehen sehr unruhig und zerfahren ab. Hochemotional eben“, beschreibt „Bax“, wie sie ihn auch in Halle riefen, seine Erinnerungen. Jetzt will Baxter Bahn das Spiel von Hansa Rostock antreiben und am Samstag gegen den MSV Duisburg wird er zum 165. Male in der 3. Liga an den Start gehen.

bentley Baxter Bahn beim Torjubel

Zwei Spielzeiten lief Bentley Baxter Bahn in Halle auf. ©imago images/VIADATA

Hinter der Siegesserie des 1.FC Magdeburg in der jüngeren Historie dieses Derbys des Fußball-Ostens steht Jens Härtel. Der Fußball-Lehrer war zwischen 2014 und 2018 für den Meistertitel der 3. Liga und zwei Ligaaufstiegen in Magdeburg verantwortlich. Als er von Liga-Drei.de ermuntert wird, in seinen Erinnerungen zu kramen, kreisen die indes um das dunkelste Ereignis in dieser Derbygeschichte.

Und so legt er an dieser Stelle Wert auf diesen Aufruf: „Ich habe eine Menge Erinnerungen an diese Derbys, doch seit dem Tod des Magdeburger Fans Hannes Schindler und den ungeklärten Umständen sind sie komplett überschattet. Ich werde nie aufhören zu mahnen, dass sportliche Rivalität allein auf dem Spielfeld stattfinden darf.“

Zwischen 2009 und 2012 war Denis Wolf die gefährlichste Offensivkraft des 1.FC Magdeburg. Zuvor war er bei Hannover 96, Fortuna Düsseldorf und RW Erfurt aktiv und kann somit kompetent einordnen, welche Besonderheiten ein Spieler als Teilnehmer dieses Sachsen-Anhalt-Derbys aushalten muss.

über Derbys gegen Halle
„ Zunächst nervöser, später länger belastbar. ”
Ex-FCM-Kicker Denis Wolf

„Selbstverständlich muss ein guter Profi immer mit derselben optimalen Einstellung in ein Match gehen. Doch ich gebe zu: In diesen aufgeheizten Derbys gegen den Erzrivalen konnte ich die besondere Spannung förmlich knistern hören und dachte nur: Meine Güte, was ist denn hier heute los? Das sorgt am Anfang für viel mehr Nervosität als sonst. Doch später setzt eine solche Atmosphäre tatsächlich zusätzliche Energie-Schübe frei, so dass die Belastbarkeit länger anhält“, bemerkt Denis Wolf im Gespräch mit Liga-Drei.de.

Als Wolf in Magdeburg stürmte und in 68 Auftritten 12 Treffer erzielte, erlebte er Steffen Baumgart in seiner ersten Trainerstation. Und obendrein schaffte er den Sprung in die Fußball-Nationalmannschaft der Philippinen, der Heimat seiner Mutter.

Um sich dort festzuspielen, wechselte er im Anschluss sogar in die dortige Profiliga. 15 Länderspiel-Einsätze dort gehören „zu den bedeutendsten Erfahrungen einer Karriere“, wie er gern berichtet.

Die Spannung wird wieder knistern

Doch den großen Durchbruch in die Bundesliga, der dank seiner rasanten Flügelläufe an der rechten Außenbahn durchaus realisierbar schien, bekam Denis Wolf nicht hin. „Zu viele Verletzungen kamen wiederholt in die Quere“, hadert Wolf. So hätten es viel mehr Länderspiele werden können. Und auch so manches Derby mit dem Halleschen FC konnte er nur von seinem Tribünenplatz aus verfolgen.

Bis zum Regionalliga-Aufstieg im vorigen Jahr war Denis Wolf Co-Trainer beim HSC Hannover. In dieser Spielklasse nun reicht die Freizeit nicht aus, um weiterhin als Trainer aktiv zu sein. Denn längst hat der inzwischen 37 Jahre Familienvater sein neues berufliches Aktionsfeld stabil in den Lebensmittelpunkt gerückt: Als Vertriebsspezialist in der Büromöbelbranche. „Das Derby am Sonntag“, stellt Denis Wolf freilich klar, „das schaue ich mir im Magenta-Stream garantiert an.“

Nun, 7500 Magdeburger Dauerkarten-Besitzer werden diesmal sogar im Stadion sein dürfen. Und so wird die Spannung in der Arena wieder richtig knistern. Zu sehen auf dem Spielfeld und zu hören auf den Rängen.

 

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