MSV Duisburg: Interview mit Michael Ratajczak

Der Ex-Keeper über seine aktuelle Situation und Pläne

Michael Ratajczak im Trikot des MSV Duisburg.

Michael Ratajczak ist seit dem Sommer auf der Suche nach einem neuen Verein. ©Imago

Herr Ratajczak, Sie sind momentan vereinslos. Wenn morgen ein Klub anruft und Sie verpflichten möchte – wären Sie fit genug, um schon am Wochenende zwischen den Pfosten zu stehen?
Michael Ratajczak: „Selbstredend! Ich bin schon seit einigen Wochen bei Borussia Dortmund im Training. Dort halte ich mich nicht nur fit, sondern bin komplett in den Trainingsbetrieb eingebunden – sowohl bei den Profis als auch bei der U23.“

Sie trainieren also voll mit Roman Bürki und Roman Weidenfeller mit?
Ratajczak: „Genau. Es gab schon einige Trainingseinheiten, bei denen ich mitgemacht habe – zum Beispiel während der Länderspielpausen oder wenn noch ein zusätzlicher Torwart gebraucht wurde. Ansonsten bin ich vollwertiges Mitglied bei der U23 und kann da alle Annehmlichkeiten nutzen, die auch den anderen Spielern zur Verfügung stehen.“

Aktuell mehr Trainingseinheiten als je zuvor. (über seinen Tagesablauf)

Wie sieht Ihr momentaner Tagesablauf aus?
Ratajczak: „Genauso, als wenn ich ganz normal bei einem Verein unter Vertrag stehen würde. Aktuell trainiere ich sogar ein wenig intensiver und bin auch mehr gefordert, weil es vorkommt, dass ich noch zusätzliche Einheiten mache – zum Beispiel als Aushilfe bei den Torhütern der A-Jugend. Eigentlich mache ich in Dortmund jetzt mehr Trainingseinheiten als je zuvor in meiner Karriere.“ 

Ist es für einen Torhüter leichter, sich fit zu halten als für einen vertragslosen Feldspieler?
Ratajczak: „Nein, das glaube ich nicht. Es ist schon wichtig, dass man nicht nur die konditionellen Grundlagen hat, sondern auch das spezielle Torwarttraining. Das wiederum reicht alleine aber auch nicht, denn man sollte auch immer im Mannschaftstraining und -verbund sein. Das ist bei mir momentan gegeben.“

Ich schaue lieber nach vorne. (über seine bisherige Karriere)

2013 sind Sie nach Duisburg gekommen, waren seither immer Stammkeeper der „Zebras“. 2015 schafften Sie sogar den Aufstieg in die 2. Bundesliga, die Fans dichteten ein Lied für Sie. War es die schönste Zeit Ihrer Karriere?
Ratajczak: „Ich habe schon einige schöne Zeiten erlebt. Ich bin in Dortmund groß geworden, war in der Meistersaison 2002 dritter Keeper und saß während einiger Champions-League- und UEFA-Cup-Spiele auf der Bank. Auch die Zeit in Düsseldorf war super, damals bin ich ja auch in die 2. Liga aufgestiegen und habe die Relegationsspiele in die Bundesliga (2012 gegen Hertha BSC, Anm. d. Red.) bestritten. Aber Duisburg war auch sehr schön. Das sind tolle Erinnerungen, aber ich bin jemand, der sich nicht darauf ausruht, sondern immer lieber nach vorne schaut.“

Der MSV macht in der 3. Liga einen richtig guten Eindruck, ist aktuell Tabellenführer. Verfolgen Sie den Weg der Duisburger noch?
Ratajczak: „Ich achte natürlich auf die Ergebnisse und schaue auf die Tabelle. Aber im Stadion habe ich seit meinem Abschied noch kein Spiel gesehen.“

Regionalliga? Warum nicht Bundesliga? (über mögliche Angebote)

Sie sind jetzt 34 Jahre alt, haben vor allem in der 2. und 3. Liga reichlich Erfahrung gesammelt. Hoffen Sie nach wie vor auf attraktive Angebote aus einer dieser Spielklassen oder würden Sie auch in eine niedrigere Liga gehen?
Ratajczak: „Warum sollte ich nicht in die Bundesliga gehen? Als kleiner Junge war ich immer auf dem Bolzplatz und habe nebenbei die Bundesliga im Radio verfolgt – da war es immer mein Traum, dort zu spielen. Und meine Karriere ist noch nicht beendet, warum sollte ich also nicht noch das große Ziel erreichen, einmal in der 1. Liga zu spielen?!“

Ohne Details hinsichtlich der Vereine zu nennen: Gab es in den vergangenen Wochen interessante Angebote oder was nichts Ansprechendes dabei?
Ratajczak: „Es gab Optionen, über die ich mir ernsthafte Gedanken gemacht habe: Anfragen von hiesigen Zweit- und Drittligisten, aber auch Erstligisten aus dem Ausland. Bisher war es aber so, dass entweder der Zeitpunkt nicht gepasst hat, weil ich mich kurz vor Saisonende 2015/16 am Syndesmoseband verletzt hatte, sodass ich nicht sofort hätte helfen können. Oder es war so, dass das Gesamtpaket nicht gestimmt hat.“

Ich möchte wieder auf den Platz. (auf die Frage nach dem möglichen Karriereende)

Haben Sie sich selbst eine Deadline gesetzt, nach dem Motto: Okay, wenn bis zu diesem Tag kein passendes Angebot dabei war, dann wird die Profi-Karriere an den Nagel gehängt?
Ratajczak: „Das ist momentan gar kein Thema. Dafür fühle ich mich noch zu sehr als Profi und habe noch viel zu viel Spaß an der Sache. Ich merke jeden Tag im Training, dass ich wieder auf den Platz möchte. Deshalb werde ich alles daran setzen, meine Karriere weiterhin fortzuführen.“

Gibt es dennoch schon einen Plan für die Zeit nach der aktiven Karriere?
Ratajczak: „Ich habe mir als Ziel gesetzt, dass ich noch mit 40 Jahren auf dem Platz stehen und aktiv sein möchte. Da habe ich also noch ein paar Jahre Zeit. Nichtsdestotrotz: Ich habe praktisch mein ganzes Leben im Tor gestanden und denke, dass das auch nach der Karriere mein Weg sein wird. Ich kann mir schon vorstellen, mein Wissen und meine Erfahrungen an andere Torhüter weiter zu geben und mich dahingehend zu schulen, um Torwarttrainer zu werden.“