Sportfreunde Lotte: Interview mit Michael Hohnstedt

"Wir fahren nach Rostock, um drei Punkte zu holen"

Michael Hohnstedt im Duell mit Elias Huth.

Voller Einsatz: Michael Hohnstedt (l.) gibt sich bei den SFL kämpferisch ©Imago/Karina Hessland

Michael Hohnstedt trägt seit Juli wieder das Trikot der Sportfreunde Lotte, für die er bereits zwischen 2011 und 2013 auf dem Feld seinen Mann stand. Im Interview mit Liga-Drei.de spricht der gebürtige Ostercappelner über die vielen Trainerwechsel bei den SFL, die Herangehensweise in Rostock sowie seine Karriereplanung.

Herr Hohnstedt, Sie waren vor Ihrem Wechsel nach Lotte ein gestandener Drittliga-Spieler, durften bislang trotzdem erst viermal ran. Warum sind Ihre Qualitäten nicht gefragt?
Michael Hohnstedt: „Mit meiner Erfahrung und meinen Qualitäten war es von Anfang an mein Ziel, Stammspieler zu werden. Das hat nicht so gut geklappt, auch weil Nico Neidhart als Linksverteidiger sehr gut gespielt hat.

Wer mich kennt, weiß allerdings, dass ich nicht aufgebe. Auch unter Herrn Fascher, der meine Art zu spielen vielleicht nicht so mochte, habe ich mich nicht hängen lassen. Unter dem neuen Trainer spüre ich jetzt wieder das Vertrauen.“

Was macht Andreas Golombek denn anders?
Hohnstedt: „Er hat mich in den ersten Partien gleich spielen lassen und ich habe das Vertrauen mit Leistung zurückgezahlt. Zuletzt saß ich wieder draußen, aber das hat der Trainer mir gegenüber ehrlich begründet.

Wenn man zufrieden ist, wenn man nicht spielt, ist man natürlich fehl am Platz. Aber ich habe das so akzeptiert und werde weiterhin meine Leistung bringen. Ich sehe positiv in die Zukunft und denke, dass ich in der Rückrunde mehr Spielzeit bekomme.“

So viele Trainerwechsel gehen nicht so einfach an einem Spieler vorbei. (über die Hinrunde)

Trainer Ismail Atalan hat Sie im Sommer geholt, ist dann aber recht früh nach Bochum gegangen. Gab es für Sie in dem Moment Zweifel, ob die Rückkehr nach Lotte doch richtig war?
Hohnstedt: „Nein. Ich bin auch schon ein bisschen länger im Geschäft, kurzfristige Trainerwechsel können immer passieren. Gezweifelt habe ich deswegen nie.“

In vier Jahren Osnabrück hatten Sie zwei Trainer, in fünf Monaten Lotte nun schon vier. Wie schwierig ist es, sich jeweils auf einen neuen Trainertypen einzustellen?
Hohnstedt: „Was in der Hinrunde passiert ist, war schon extrem. So viele Trainerwechsel gehen nicht so einfach an einem Spieler vorbei. Jeder Coach bringt ja seine eigenen Vorstellungen mit. Mit Andreas Golombek und Jo Laumann ist der Stil, den wir in Lotte in den letzten Jahren gesehen haben, wieder Priorität Nummer eins. Damit meine ich vor allem das Offensivspiel oder das frühe Pressing. Das kommt dieser Mannschaft auch entgegen.“

Am Samstag geht es nach Rostock, wo Sie mit Osnabrück nie verloren haben. Würden Sie diesmal auch ein Unentschieden unterschreiben?
Hohnstedt: „Wir fahren nach Rostock, um drei Punkte zu holen. Das Spiel ist am Ende des Jahres nochmal ein schönes Highlight für uns. Wir erwarten ein volles Stadion und heiße Rostocker.

Ich habe vor vier, fünf Jahren mal ein Fallrückziehertor gegen Rostock gemacht und letztes Jahr den Siegtreffer in der Nachspielzeit geschossen. Mir kommt diese Mannschaft anscheinend sehr entgegen. In Rostock spiele ich außerdem wegen des Publikums und des tollen Stadions immer sehr gerne.“

In Rostock spiele ich wegen des Publikums und des tollen Stadions immer sehr gerne. (über den nächsten Gegner)

Rostock schwebt mit vier Siegen in Folge auf einer Euphoriewolke. Wie wollen Sie Hansas Lauf stoppen?
Hohnstedt: „Ich glaube, wir tun gut daran, wenn wir auf uns und nicht so sehr auf den Gegner gucken. Wir müssen hinten sicher stehen und die Zweikämpfe gewinnen. Eben zeigen, dass wir nicht nur die Hurra-Fußballmannschaft sind, sondern auch diesen Drittliga-Fußball annehmen wollen.

Wir haben in der Mannschaft so viel Qualität, dass wir auch mal über einen Konter 1:0 in Führung gehen können. In Rostock zählen außerdem die Grundtugendenden laufen, beißen, kämpfen noch ein Stück mehr.“

Mit Ausnahme des schon etwas abgeschlagenen Schlusslichts Erfurt geht es im Tabellenkeller sehr eng zu. Warum gehören die Sportfreunde Lotte am Saisonende nicht zu den drei schlechtesten Teams?
Hohnstedt: „Ich spiele jetzt schon länger in dieser Liga und kann das Level der Mannschaft ganz gut einschätzen. Wir haben dieses Jahr eine gute Qualität im Team. Auch die Mentalität stimmt.

Wenn wir einen Lauf bekommen, dann können wir uns da hinten auch ganz schnell befreien. Im Moment müssen wir aber einfach diesen Kampf annehmen und uns das berüchtigte Quäntchen Glück erarbeiten.“

Das Angebot von Lotte im Sommer war für mich wie ein Sechser im Lotto (über seine Rückkehr)

Kommen wir noch etwas auf Ihre Karriere zu sprechen. Mit Ausnahme der Station beim VfB Lübeck waren Sie bislang immer im Umkreis von Osnabrück (Bielefeld, Lotte) aktiv. Reizen Sie andere Regionen nicht?
Hohnstedt: „Ich bin ein sehr familiärer Typ. Aus der Region wollte ich daher auch nie wirklich weg. Mit 20 habe ich damals den Wechsel nach Lübeck gewagt, das hat mir für meine persönliche Entwicklung sehr geholfen. Der Wechsel nach Lotte war für mich fußballerisch ein großer Schritt.

Wer hier aus der Gegend kommt und dann ein Angebot vom VfL Osnabrück erhält, sagt nicht nein. Für mich war es ein Traum, an der Bremer Brücke zu spielen.

Das Angebot von Lotte im Sommer war dann für mich wie ein Sechser im Lotto. Ich habe mich sehr gefreut, wieder zurückzukehren. Ansonsten gibt es sicherlich auch sehr schöne Ecken im Süden oder Osten, ich fühle mich hier aber einfach pudelwohl.“

Mit 29 Jahren dürften Sie noch einige Fußball-Jahre vor sich haben, werden als Drittliga-Spieler aber auch keine Reichtümer verdienen. Haben Sie einen Plan B, wenn die aktive Karriere vorbei ist?
Hohnstedt: „Ich studiere nebenbei und mache meinen Bachelor of Sportsbusiness. Ich könnte mir nach meiner Karriere sehr gut vorstellen, als Trainer oder Sportdirektor zu arbeiten. Bis dahin möchte ich allerdings noch ein paar Jahre spielen.“

Nicht jeder Profi sorgt mit Weiterbildung für sich selbst vor. Sind aus Ihrer Sicht auch die Vereine – gerade in der 3. Liga – gefordert, die Spieler abseits des Fußballs mehr zu unterstützen?
Hohnstedt: „In den Nachwuchsleistungszentren baut man ja schon länger darauf und das ist auch verdammt wichtig. Natürlich ist es förderlich, wenn ein Verein gerade junge Spieler anspricht und darauf aufmerksam macht, dass ein Drittligaspieler mit 35 oder 36 Jahren noch nicht ausgesorgt hat. Grundsätzlich ist aber jeder Spieler selbst für sich verantwortlich, dann auch etwas daraus zu machen.“

Herr Hohnstedt, vielen Dank für das Gespräch!

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