SV Wehen Wiesbaden: Interview mit Maximilian Dittgen

„Es geht nicht darum, irgendwas abzusichern."

Maximilian Dittgen am Ball für den SV Wehen Wiesbaden

Auf Wehen Wiesbadens linker Seite festgespielt: Maximilian Dittgen. ©Imago/foto2press

Maximilian Dittgen ist von der linken Defensivseite des SV Wehen Wiesbaden nicht mehr wegzudenken. Nach seiner Verletzung zu Anfang der Saison kämpfte sich der 24-Jährige zurück und füllt seit der Partie gegen Aalen die Linksverteidigerposition mit viel Esprit und Laufbereitschaft.

Im Interview mit Liga-Drei.de spricht der gelernte Offensivmann über seine Umschulung, Förderer Rüdiger Rehm und verrät, wie der SVWW das Restprogramm im Aufstiegsrennen angeht.

Herr Dittgen, in Ihrem zweiten Jahr beim SV Wehen Wiesbaden sind Sie zum Linksverteidiger umgeschult worden. Wie sind Sie mit Ihrer Entwicklung auf der neuen Position zufrieden?
Maximilian Dittgen: „Eigentlich bin ich relativ zufrieden mit meiner Entwicklung, weil eine neue Position auch immer eine Herausforderung ist. Aber bei unserem Spiel ist die Position relativ ähnlich zu der im linken Mittelfeld.

Zumindest, was das Verteidigen und das Anlaufen angeht. Ich muss aber noch viel dazulernen, auch wenn ich sie nicht zum ersten Mal gespielt habe – es gehört schon ein bisschen mehr dazu als zehn Spiele auf dieser Position zu machen.“

Wie dürfen wir uns so eine Umschulung vorstellen? Kam Rüdiger Rehm eines Tages auf dem Trainingsplatz zu Ihnen und sagte „Max, ab jetzt verteidigst Du hinten links“?
Dittgen: „Ich habe in der vergangenen Saison am letzten Spieltag gegen Aalen bereits als Linksverteidiger gespielt, weil wir da einen Engpass hatten auf der Position. Der Trainer hat sich vorher schon Gedanken gemacht, ob mir die Position liegen könnte. Grundsätzlich habe ich alle Anlagen dafür.

Jetzt wurde es im Winter-Trainingslager angesprochen, was ich denn davon halten würde und ob ich mich damit identifizieren könnte. Dem habe ich sofort zugestimmt, und seitdem ging es darum, mich in die Position reinzufuchsen. Da gilt es, dranzubleiben.“

Ich kann unheimlich viel von ihm lernen. (über Alf Mintzel)

Mit Alf Mintzel haben Sie ein Urgestein der 3. Liga von seinem Stammplatz verdrängt. Was können Sie vom „ewigen Alf“ noch lernen?
Dittgen: „Wir haben einen ganz, ganz ausgeglichenen Kader und 18, 20 Leute, die eigentlich in der ersten Elf stehen können und auch diesen Anspruch haben. Ich weiß nicht, ob ich Alf von seiner Stammposition verdrängt habe, aber ich kann unheimlich viel von ihm lernen. Was er an Erfahrung hat, das kann man nicht lernen, sondern muss es sich mit der Zeit aneignen. Es ist überragend, dass ich so jemandem im Team habe, an dem ich mich orientieren kann.“

Der SVWW stellt die stärkste Offensive der Liga. Da muss es Sie als gelernten Flügelstürmer doch in den Füßen jucken, ebenfalls nach vorne zu stürmen.
Dittgen: „Ja, aber das ist auch gefragt bei uns. Wenn man das sieht im letzten Spiel (2:0 gegen Münster, Anm. d. Red.), was auch Moritz Kuhn wieder für einen offensiven Drang hatte, ich selbst hatte fast eine Vorbereitung, bei der ich quasi mit ‚Mo‘ zusammen am gegnerischen 16er war. Das ist aber auch absolut unser Spiel, dass wir Spieler aus der Verteidigung mit angreifen und der Angriff mit verteidigt. Wir machen alles zusammen als Mannschaft.“

Fokussierter als jetzt kann man nicht sein. (über die anstehenden Partien)

Rüdiger Rehm war auch schon in Großaspach Ihr Trainer. Welche Rolle spielt er für Ihre persönliche Entwicklung?
Dittgen: „Eine riesige Rolle. Er war damals auch der ausschlaggebende Grund für den Wechsel. Er ist ein Riesen-Benefit, den ich habe und er bringt mich enorm weiter. Er spricht mich auch immer an, wenn ihm etwas nicht passt. Es ist ein sehr, sehr guter Austausch mit ihm und ich bin sehr froh, dass ich unter ihm arbeiten kann.“

Themawechsel: Im Aufstiegsrennen sind mit Halle und Karlsruhe die nächsten beiden Gegner direkte Tabellennachbarn. In der Hinrunde holte der SVWW sechs Punkte aus diesen Partien. Mit welcher Ausbeute wären Sie diesmal zufrieden?
Dittgen: „Mit sechs Punkten natürlich. Man kann Rückrundenspiele meistens nicht mit den Hinrundenspielen vergleichen, besonders wenn es auf das Ende der Runde zugeht. Fokussierter als jetzt kann man nicht sein. Halle wird es uns sicherlich nicht leicht machen, dort zu gewinnen. Karlsruhe erst recht nicht, da sie das Hinspiel (5:2 für Wehen Wiesbaden, Anm. d. Red.) sicherlich nicht auf sich sitzen lassen wollen. Wir sind jetzt an der Reihe, diesen Sieg zu bestätigen.“

Rechenspiele machen keinen Sinn. (über die anstehenden Partien)

Liegt die Priorität darauf, den Relegationsplatz zu sichern? Bei fünf Punkten Rückstand auf Platz zwei und neun ausstehenden Partien kann auch noch in Richtung direkter Aufstieg was gehen.
Dittgen: „Es geht jetzt nicht darum, irgendwas abzusichern. Wir gehen in jedem Spiel auf den Platz, um es zu gewinnen. Auf dieser Basis wollen wir am Ende der Saison das Optimale herausholen.“

Am Samstag geht’s nach Halle, mit einem Sieg beträgt der Vorsprung drei Punkte. Hat man diese Konstellation im Hinterkopf?
Dittgen: „Natürlich kuckt man als Spieler auch mal auf die Tabelle und weiß, dass man im Spiel gegen einen direkten Konkurrenten ihm die Punkte klauen kann. Wir wollen aber wirklich nur das Spiel gewinnen und danach schauen wir weiter. Es macht keinen Sinn, dass wir uns da verrückt machen und Rechenspiele anstellen.“

Der HFC stellt die zweitbeste Defensive der Liga. Wie können Sie die knacken?
Dittgen: „Wir werden uns sicherlich einen guten Plan zurechtlegen und den dann in die Tat umsetzen. Dann werden wir sehen, ob er aufgeht. Natürlich ist es eine schwierige Aufgabe, aber wir stellen die beste Offensive und ich denke, dass wir da eine Lösung finden werden.“

Lassen Sie uns zum Abschluss in die Zukunft schauen: Was machen Sie am 24. und 28. Mai? Spielen Sie da Relegation oder erholen Sie sich von der Aufstiegsfeier?
Dittgen: „Das ist eine interessante Frage (lacht). Beides sind attraktive Ziele. Letztes Jahr haben wir die Relegation ganz, ganz knapp verpasst. Aber: Es kommen noch einige harte Brocken, die wir dafür aus dem Weg räumen müssen.“

Herr Dittgen, vielen Dank für das Gespräch!

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