Timo Staffeldt: Wichtig, dass der KSC die Ruhe behält

Interview vor der Partie seiner Ex-Klubs

Timo Staffeldt zieht ab.

Fast 250 Pflichtspiele absolvierte Timo Staffeldt für die erste und zweite Mannschaft des KSC. ©imago/Contrast

Unweigerlich denkt man bei Timo Staffeldt an den Karlsruher SC. Immerhin verbrachte der gebürtige Heidelberger 16 Jahre bei diesem Verein. Doch dann stand für ihn der Wechsel zum VfL Osnabrück an, wo er zwar direkt zum Führungsspieler wurde, aber dennoch schon nach einem Jahr wieder ging.

Im Vorfeld der anstehenden Partie dieser beiden Teams sprach Liga-Drei.de mit dem Ex-Profi über eben jene Zeit, seine Meinung zu den aktuellen Teams und sein Wunschergebnis.

Herr Staffeldt, im Mai 2017 haben sie Ihre Profikarriere beendet. Was machen Sie seitdem?
Timo Staffeldt: „Aktuell haben Sie mich im Urlaub in Portugal erwischt. Üblicherweise arbeite ich aber seit Oktober 2017 als Finanzberater bei der MLP Finanzberatung in Heidelberg. Und fühle mich sehr wohl in diesem Job.“

Schnüren Sie denn auch noch ab und zu mal Ihre Fußballschuhe?
Staffeldt: „Ja. So ganz aufhören konnte ich dann doch nicht, weil ich das Spiel an sich zu sehr Liebe. Ich kicke noch in der Landesliga beim ASV Eppelheim.“

Die längste Zeit Ihrer fußballerischen Karriere haben Sie Beim Karlsruher SC verbracht. Was ist Ihre grundlegende Erinnerung an diese lange Zeit?
Staffeldt: „Höhen und Tiefen. In diesen 16 Jahren habe ich viel erlebt. Ich habe ja schon in der Jugend dort angefangen. Im Seniorenbereich gab es später den großen Erfolg Bundesligaaufstieg, dann aber auch die späteren Abstiege in Liga zwei und Liga drei. Es ging bergauf und bergab. Es war alles mit dabei.“

Ein Tapetenwechsel war genau das Richtige für mich. (über den Wechsel zum VfL)

2012 haben Sie den KSC verlassen und sind zum VfL nach Osnabrück gegangen. Wieso dieser Schritt?
Staffeldt: „Die eben angesprochenen Höhen und Tiefen machten es für den KSC erforderlich, in der 3. Liga auf einen Neuanfang zu setzen. Und ich habe mich meinerseits entschlossen, dass ein Tapetenwechsel für mich genau das Richtige ist, damit ich nach 16 Jahren auch mal etwas Neues erlebe. So kam es zum Kontakt mit „Pele“ Wollitz (damaliger Trainer des VfL Osnabrück, Anm. d. Red.).“

Geblieben sind Sie dort allerdings nur ein Jahr. Hat es beim VfL für Sie nicht gepasst?
Staffeldt: „Kurze Zeit nach meiner Ankunft in Osnabrück gab es ein neues Präsidium.  Leider gab es dadurch interne Querelen im Verein, die auch nicht der Mannschaft verborgen blieben. Zum Winter hin hatten wir noch fünf Punkte Vorsprung auf Platz zwei. Den haben wir komplett verspielt, konnten aber zum Glück noch die Relegation erreichen. Doch die haben wir gegen Dynamo Dresden nicht gepackt.

Anschließend erhielt ich ein Angebot von Viktoria Köln, die zu dieser Zeit wieder durch „Pele“ Wollitz trainiert wurden. Rein sportlich betrachtet, war das im Nachhinein nicht die beste Entscheidung von mir in die Regionalliga zu wechseln.“

Sie werden auf lange Sicht wieder vorne dabei sein. (über die Saisonambitionen des KSC)

Aktuell läuft es auch bei Ihrem erstgenannten Ex-Klub nicht so gut. Verfolgen Sie das alles, was beim KSC zurzeit so los ist?
Staffeldt: „Klar! Alle meine ehemaligen Vereine verfolge ich. Natürlich schaue ich da auch genau auf den KSC. Der Verein hat Ambitionen, will aufsteigen. Dementsprechend ist der Kader dort zusammengestellt. Allein dadurch ist dann schon Druck von außen und auch innerhalb des Vereins da. Und wenn man nicht von Anfang an vorne dabei ist, kommt einfach schnell diese Unruhe auf. Das ist in diesem Fußballbusiness ja ganz normal.“

Sie haben eben gesagt, der KSC möchte aufsteigen. Wie schätzen Sie grundsätzlich das Potenzial der Karlsruher und auch des VfL Osnabrück ein?
Staffeldt: „Die Voraussetzungen lassen sich nicht so ganz miteinander vergleichen. Die Ansprüche in Osnabrück sind mit Sicherheit nicht so hoch wie die beim KSC.  Karlsruhe hat letztes Jahr schon oben mitgespielt – in der Relegation hat es leider nicht geklappt.

Der VfL hingegen hat eine nicht so tolle Saison gespielt. Und dafür sind sie etwas unerwartet sehr stark in diese Saison gestartet. Daniel Thioune hat da richtig gute Arbeit geleistet. Nun hinkt aber der KSC seinen Ansprüchen hinterher. Doch rein von der Qualität des Kaders bin ich der Meinung, dass sie auf lange Distanz diese Saison wieder vorne mit dabei sein werden. Aber selbstverständlich spielen da auch noch andere Vereine eine gewisse Rolle und wollen oben mitreden.“

Glauben Sie also nicht, dass dem KSC die erneut missglückte Relegation wieder Probleme bereiten wird?
Staffeldt: „Nein, das glaube ich wirklich nicht. Auch letzte Saison ist man in Karlsruhe nicht so toll in die Saison gestartet und später hat man sich mit mehreren Spielen infolge, die man ungeschlagen blieb, nach vorne gekämpft und war am Ende eben Dritter. Die Saison ist noch lang – das gilt für alle Vereine. Da muss noch niemand die Geduld verlieren. Es ist wichtig, dass der KSC die Ruhe behält. Dafür sind nun die Leute verantwortlich, die dort am Ruder stehen.“

Ein schönes 3:3. (über seinen Spieltipp.)

Am Samstag treffen Ihre beiden Ex-Vereine aus Karlsruhe und Osnabrück aufeinander. Wer entscheidet dieses Duell für sich?
Staffeldt: „Das ist jetzt eine ganz fiese Frage. (lacht) Ich denke, es gibt ein gerechtes Unentschieden. Viel Offensivspektakel würde ich mir wünschen, denn das macht immer am meisten Spaß – egal ob als Spieler oder als Zuschauer. Ein schönes 3:3, sodass alle ein tolles Spiel gesehen haben. Mich für eine Seite zu entscheiden, kann ich einfach nicht.“

Aber hält man da nicht eher zu dem Verein, bei dem man anderthalb Jahrzehnte verbracht hat, anstatt zu dem, für den man lediglich ein Jahr spielte?
Staffeldt: „Das war aber ein extrem tolles Jahr in Osnabrück. Ich habe dort viele Freunde kennengelernt, habe zum Beispiel immer noch regen Kontakt zum Zeugwart Mario Richter. Auch sportlich gesehen war das eine super Zeit dort. Ich Nachhinein würde ich sagen, dass ich dort besser geblieben wäre. Das war eine falsche Entscheidung. Das gebe ich auch zu. Aber im Nachhinein kann ich es eben auch nicht mehr ändern. Selbst wenn es so unterschiedlich lange Zeiten gewesen sind, bleibe ich bei meinem Wunsch, dass es ein 3:3 wird. (lacht)“

Das akzeptieren wir natürlich. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Staffeldt!

Schon Mitglied beim offiziellen 3.Liga-Sponsor bwin? Jetzt anmelden & bis zu 100€ Willkommensbonus kassieren!