VfL Osnabrück: Interview mit David Blacha

"Das ist etwas ganz Neues für mich."

David Blacha vom VfL Osnabrück

David Blacha saß in Wiesbaden oft auf der Bank, in Osnabrück ist er unverzichtbar. ©Imago/pmk

David Blacha stand in dieser Saison in jeder Partie des VfL Osnabrück zum Anpfiff auf dem Platz. Der 28-Jährige ist das Herzstück der Lila-Weißen geworden, seit er im Sommer aus Wehen Wiesbaden an die Bremer Brücke kam. Am Samstag fehlt er seinem Team wegen einer Gelb-Sperre. Wie sich das anfühlt, warum es in diesem Jahr so gut läuft beim VfL und was er vom Spiel der Kollegen gegen Halle erwartet, erzählt er im Gespräch mit Liga-Drei.de.

Herr Blacha, Osnabrück beendete die vergangene Saison auf dem ersten Nichtabstiegsplatz. Hätte man Ihnen im Sommer gesagt, dass der VfL um den Aufstieg mitspielen wird, was hätten Sie geantwortet?
David Blacha: „Dass alles möglich ist, es aber nicht die höchste Wahrscheinlichkeit hat, auch zuzutreffen. Vor allem in der aktuellen Besetzung der Liga. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass relativ häufig Mannschaften in einer Saison unten stehen, die im nächsten Jahr dann besondere Kraft geschöpft haben und oben mitspielen. Wenn es in einer Liga möglich ist, dann in dieser 3. Liga.“

Welche Entwicklung hat die Mannschaft bislang genommen?
Blacha: „Eine sehr gute. Wir haben uns von Anfang an fest vorgenommen, als Team gut zusammenzuwachsen, um in dieser Liga zu bestehen. Charakterlich, in sportlichen Abläufen und taktischen Maßnahmen wollen wir an einem Strang ziehen.

Da haben wir uns sehr schnell gefunden, schon in der Vorbereitung hatten wir ordentliche Ergebnisse. In den ersten Spielen haben wir uns dann Selbstvertrauen geholt, das uns in dieser Arbeit bestätigt hat. Jetzt wissen wir, was uns auszeichnet und worauf wir uns verlassen können.“

Großaspach hat es gnadenlos ausgenutzt. (über den Ausrutscher beim Dorfklub)

Wie wird innerhalb der Mannschaft mit dem Thema Aufstieg umgegangen?
Blacha: „Ich weiß jetzt nicht, ob es irgendwie besonders ist. Wir wissen um unsere Chance, mit der aktuellen Punktzahl haben wir eine gute Ausgangsposition. Trotzdem wissen wir aber auch um die Schwere der nächsten 14 Spiele.

Wenn man Floskeln nutzt, bekommt man die zwar häufig um die Ohren gehauen, aber es ist tatsächlich so, dass wir versuchen müssen, jedes Spiel zu gewinnen. Wir sind gut damit beraten, uns nur darauf zu konzentrieren. Je weniger Spiele es dann werden, desto klarer werden wir sehen, wohin es uns am Ende bringt.“

Zuletzt holte Osnabrück aus den Spielen gegen Großaspach und Münster nur einen Punkt. Woran lag das?
Blacha: „Wir haben kein Tor geschossen. Damit ist es ganz schnell erklärt. Gegen Großaspach haben wir nicht unser qualitativ bestes Spiel gemacht, wir haben ein paar Fehler im Aufbau- und Passspiel gemacht. Trotzdem waren wir die überlegene Mannschaft, haben es aber nicht in Tore umgemünzt. Großaspach hat es gnadenlos effektiv ausgenutzt.

In Münster war es ähnlich. Wir haben wie in den vergangenen Spielen wenig zugelassen, vorne haben wir drei, vier gute Chancen leider nicht genutzt. Wäre das Großaspach-Spiel nicht gewesen, wären wohl die meisten mit einem Punkt im Derby zufrieden gewesen. Die Art und Weise, wie wir gespielt haben, stimmt mich aber positiv für die nächsten Spiele.“

Wir wissen, wie man die Schwächen des Gegners durch eigene Umstellungen ausnutzen kann. (über die Flexibilität des VfL)

Sie haben unter einigen Trainern mit großer Drittliga-Erfahrung gespielt, z.B. Rüdiger Rehm, Peter Vollmann oder Gerd Dais. Gibt es gravierende Unterschiede zu Daniel Thioune?
Blacha: „Wir gehen sehr stark in den taktischen Bereich und werden sehr gut auf einzelne Gegner eingestellt. Wir sind sehr variabel und halten uns nicht nur an ein System, sondern können schnell zwischen verschiedenen Formationen switchen. Dazu kommen viele verschiedene Spielertypen, was auch ein Verdienst der sportlichen Leitung in der Kaderzusammenstellung ist. Das ist ein gravierender Unterschied.

In der Vergangenheit war es oft so, dass man dem Gegner das berühmte ‚eigene Spiel‘ aufzwingen wollte. Das wollen wir zwar auch, vor allem zu Hause, wissen aber auch, wie man die Schwächen des Gegners durch eigene Umstellungen ausnutzen kann.“

Gegen Münster sahen sie erstmals in Ihrer Karriere die fünfte gelbe Karte. Hat Daniel Thioune Sie zum Raubein umgeschult?
Blacha: „Nein, glaube ich nicht (lacht). Es liegt wahrscheinlich daran, dass ich 24 Spiele am Stück auf der Sechser-Position gespielt habe und dann eben auch mal ein taktisches Foul ziehen oder anders zur Sache gehen muss. In der Vergangenheit wurde ich auch flexibel in der Offensive eingesetzt, da kommt man nicht so oft in die defensiven Zweikämpfe und daher auch seltener zum Foul.

Es stimmt, das ist jetzt meine erste Sperre und daher was ganz Neues für mich. Ich glaube, ich habe nach 16 oder 17 Spielen die vierte gelbe Karte gesehen, da war es dann leider zu erwarten, dass es irgendwann passiert.“

Ich werde mich zurückhalten müssen. (über seinen Tribünenplatz am Samstag)

Wie werden Sie das Spiel gegen Halle verfolgen?
Blacha: „Im Stadion natürlich. Wahrscheinlich werde ich gut mitgehen und mich zurückhalten müssen, nicht auf den Platz zu gehen. Alle im Kader sind heiß und wollen helfen, wollen unbedingt gute Ergebnisse einfahren, da werde ich mich auf der Tribüne wohl zurückhalten müssen.“

Wie gehen Sie damit um, nicht eingreifen zu können?
Blacha: „Eine normale Vorbereitungswoche ist es nicht. Ich weiß, dass ich mich voll auf die anderen Jungs verlassen kann, die jetzt für die Gesperrten oder Verletzten reinrutschen, darum bin ich auf gar keinen Fall nervös. Aber es fühlt sich schon anders an, die Abläufe zum Ende der Woche hin werden natürlich anders.

In meinem Fall werde ich vielleicht die Standards nicht in der Art und Weise üben, wie in der Vergangenheit. Und natürlich sind die Abläufe am Spieltag anders, ich werde mich irgendwann ins Auto setzen und zum Stadion fahren.“

Das Hinspiel endete 1:1. Was muss Osnabrück tun, um diesmal drei Punkte zu holen?
Blacha: „Im Hinspiel hatten wir Probleme, Torchancen zu kreieren. Da war Halle optisch die überlegenere Mannschaft. Sie hatten, glaube ich, mehr Ballbesitz, kamen aber auch nicht zu riesigen Gelegenheiten. Sie haben uns trotzdem vor Probleme gestellt. Im Vergleich zum Hinspiel sind wir aber deutlich gereifter und haben mehr Selbstbewusstsein.

Wir müssen einfach so weitermachen wie in den letzten Wochen: Wieder stabil stehen und nach vorne unsere Nadelstiche setzen. Wenn wir dann auch wieder die Hütte treffen, mache ich mir keine Sorgen, dass ein gutes Ergebnis rausspringt.“

Ein 1:0 wäre nicht wirklich unwahrscheinlich. (über das Spiel gegen Halle)

Der VfL ist seit zwei Spielen torlos, Halle gar seit drei. Könnte also schon ein Treffer ausreichen?
Blacha: „Absolut. Wenn man keinen fängt, dann reicht ein Treffer natürlich. Wir hatten viele enge Spiele in der Vergangenheit, haben einige mit nur einem Tor Unterschied gewonnen. Ein 1:0 wäre nicht wirklich unwahrscheinlich.“

Nach Halle ist vor Karlsruhe: Fällt in diesen beiden Spielen eine Vorentscheidung im Aufstiegsrennen?
Blacha: „Man kann seine Ausgangssituation verbessern, aber eine Vorentscheidung kann meiner Meinung nach noch nicht fallen. Selbst wenn wir beide Spiele gewinnen sollten: Mit 54 Punkten ist noch keine Mannschaft aufgestiegen. Und in dieser Liga ist so viel möglich. Plötzlich gewinnen viele Teams von unten, die oben lassen Punkte liegen. Da kann man nicht planen und vorrausschauen.“

Herr Blacha, vielen Dank für das Gespräch!

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