1.FC Magdeburg vs Carl Zeiss Jena: Interview mit Jens Gerlach

Magdeburg ist reif für den Aufstieg

Jens Gerlach im Trikot des FCC und des 1. FC Magdeburg.

Sowohl für Jena (l.) als auch für seine Heimatstadt Magdeburg am Ball: Jens Gerlach. ©Imago/Kruczinyski/Rust

Der gebürtige Magdeburger Jens Gerlach bestritt in seiner Karriere 58 Spiele für den FCM und lief 175 Mal für Carl Zeiss Jena auf. Vor dem anstehenden direkten Vergleich seiner Ex-Teams spricht der heute 47-Jährige über vergangene Ost-Duelle, die Situation beim FCC und verrät, für wen er immer noch auf dem Platz steht.

Herr Gerlach, Sie stammen aus der Magdeburger Jugend, die meisten Spiele bestritten Sie allerdings für den FCC. Fühlen Sie sich eher als Magdeburger oder doch als Jenaer?
Gerlach: „Ich hatte bei beiden Klubs schöne Zeiten und verfolge auch heute noch was dort passiert. Allerdings bin ich gebürtiger Magdeburger, daher fühle ich mich natürlich als Magdeburger.“

Am Sonntag kommt es zum direkten Duell Ihrer Ex-Klubs. Wo verfolgen Sie die Partie?
Gerlach: „Das wird schwierig, denn wir fahren mit unserer Altherren-Mannschaft von Dillingen nach Neuss. Normalerweise gucke ich aber alle Spiele der Magdeburger, die im Fernsehen gezeigt werden.“

Der FCM sind stark in die Saison gestartet. Warum reicht es in dieser Spielzeit für den Aufstieg?
Gerlach: „Im letzten Jahr hatten sie Pech, verloren kurz vor Schluss noch gegen Mainz. In dieser Saison ist Magdeburg reif. Sie haben es auch verdient,  in der zweiten Liga zu spielen. Sie wirken bislang gefestigt und ich wünsche es ihnen, dass sie aufsteigen.“

Die FCC-Auswärtsspiele waren immer geil (über seine Zeit in Jena)

Die Stimmung in Magdeburg ist bereits jetzt zweitligareif. Welche Rolle spielt der 12. Mann im Laufe einer langen Saison?
Gerlach: „Uns haben damals in der Oberliga schon 5.000 Fans begleitet. Bei Jena war es genauso, die FCC-Auswärtsspiele waren immer geil. Magdeburg hat ein größeres Fan-Potential. Ich war leider erst zweimal im neuen Stadion, aber wenn sie da das Magdeburger Lied singen, das ist Gänsehaut pur.“

Jena ist auf dem Papier beim heimstarken FCM chancenlos. Warum kann der FCC trotzdem etwas Zählbares mitnehmen?
Gerlach: „Das ist schwer zu sagen. Ich verfolge Jena auch, habe letztens das 2:2 zuhause gegen Meppen gesehen. Sie haben eine junge Mannschaft und ich denke, dass sie in diesem Jahr den Klassenerhalt schaffen. Gegen Magdeburg würde ich mir eine Punkteteilung wünschen. Vielleicht ein schönes 3:3 für die Zuschauer.“

Mit Jenas Coach Mark Zimmermann standen Sie in 67 Partien gemeinsam auf dem Feld. Welche Eigenschaften zeichneten ihn damals aus, die er auch heute als Trainer an den Tag legt?
Gerlach: „Zimmer war sehr zielstrebig und selbstbewusst. Er ist ein guter Typ und sehr kommunikativ. Was ich so mitbekomme, macht er seine Sache in Jena sehr gut.“

In Jena und Magdeburg herrschen gute Voraussetzungen (über die Nachwuchsarbeit seiner Ex-Klubs)

Die Innenverteidigung Jenas hat nur wenig Drittliga-Erfahrung. Inwiefern ist dies ein Grund für das bisher mäßige Abschneiden des FCC?
Gerlach: „Jena fördert den Nachwuchs und will aus der eigenen Jugend Spieler herausbringen. Auch weil das Geld einfach nicht da ist, um Spieler zu verpflichten. In Jena wie auch in Magdeburg herrschen von den Trainingsanlagen her gute Voraussetzungen, zudem haben sie gute Trainer. Die jungen Spieler lernen dann immer mehr dazu

Aus meiner Erfahrung geht es aber nicht nur mit jungen Spielern. Wir hatten damals in Jena auch erfahrene Leute dabei. Die Mischung muss stimmen.“

In der Oberliga-Saison 1990/91 spielten Sie das letzte Mal mit Magdeburg gegen Jena, das Spiel endete mit 0:2 für den FCC. Wie haben Sie das Spiel in Erinnerung?
Gerlach: „Wenn ich mich richtig entsinne, habe ich mich nach dem Spiel mit Jenas Manager Ernst Schmidt getroffen, weil es abzusehen war, dass wir mit Magdeburg nicht aufsteigen. Der Böger (Anm. d. Redaktion: Stefan Böger) ging dann weg aus Jena und dafür wollten sie mich holen. Am Ende der Saison bin ich dann auf die Geschäftsstelle nach Jena gefahren und habe unterschrieben.“

Die Ost-Duelle waren früher ohnehin speziell. Wie sehr vermissen Sie diese besondere Atmosphäre?
Gerlach: „Das war immer eine geile Zeit. Wenn 5.000 bis 6.000 Magdeburger oder Jenenser auswärts mitgekommen sind, war das genial. Einfach Gänsehaut pur.“

Das war Thorsten Gütschow (angesprochen auf seinen härtesten Gegenspieler)

Sie bearbeiteten in Ihrer Karriere außerdem viele Stürmer. Welcher war denn der beste Gegenspieler?
Gerlach: „Das war Torsten Gütschow, mit dem habe ich aber selbst in Jena zusammengespielt. An einen besonders guten Gegenspieler kann ich mich nicht erinnern.“

Was machen Sie momentan?
Gerlach: „Ich trainiere seit eineinhalb Jahren die D-Jugend des VfB Dillingen. Mit den Jungs macht es Riesen-Spaß. Leider gibt es immer weniger Spieler im Nachwuchsbereich. In der heutigen Zeit gibt es eben nicht nur Fußball und Handball, so wie es früher war. Heute heißt es nicht mehr wie damals bei uns: Schule, Fußball, Schule und wieder Fußball.“

Stehen Sie auch selbst noch auf dem Platz?
Gerlach: „Ja, ich spiele in der AH, lasse die Karriere also quasi zart ausklingen. Wir haben aber eine gute Mannschaft und vielleicht qualifizieren wir ins im nächsten Jahr sogar für die deutsche Meisterschaft.“

Herr Gerlach, vielen Dank für das Gespräch!

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