1860 München: Phillipp Steinhart im Interview

"Es fehlt aber das letzte Quäntchen Konsequenz."

Linksverteidiger Phillipp Steinhart ist unter Daniel Bierofka gesetzt.

Ist mit acht Assists der erfolgreichste Vorlagengeber der Liga: Münchens Phillipp Steinhart. ©Imago/foto2press

Phillipp Steinhart ist durch und durch ein 1860er. Der Linksverteidiger kam mit zwölf Jahren zum Traditionsverein und hat, abgesehen von den kurzen Zwischenstationen FC Bayern München II und Sportfreunde Lotte, den Großteil seiner Karriere beim TSV 1860 München verbracht.

2017 kehrte er zu seinem Ausbildungsverein zurück und feierte ein Jahr später den Aufstieg in die 3. Liga. Mit Liga-Drei.de spricht der 26-Jährige über die aktuelle Situation, seine Identifikation mit dem Verein und Heimatverbundenheit.

Herr Steinhart, der TSV 1860 München ist seit vier Spielen ungeschlagen, gewann allerdings auch nur eines der letzten neun Spiele. Wie fühlt sich die Situation derzeit an?
Phillipp Steinhart: „Die Situation fühlt sich eher negativ an. Nur eines von neun Spielen zu gewinnen, ist zu wenig. Wir haben in vielen Partien guten Fußball gespielt und uns immer die Torchancen erarbeitet, es fehlt aber das letzte Quäntchen Konsequenz – sowohl vorne wie auch hinten.“ 

Trainer Daniel Bierofka hat angemerkt, die Standards müssen wieder zu einer gefährlichen Waffe werden. Wird in der Länderspielpause darauf ein Fokus gelegt?
Steinhart: „Gerade im letzten Spiel war auch ich nicht mit unseren Standards zufrieden. Von daher werden wir das in der Länderspielpause sicherlich verstärkt trainieren.“

Daniel Bierofka absolviert parallel zur Trainer-Tätigkeit den Lehrgang zum Fußball-Lehrer. Dadurch fehlt er häufig beim Training. Welche Auswirkungen hat seine Abwesenheit auf die Mannschaft?
Steinhart: „Das darf für die Mannschaft kein Grund sein, um irgendwelche Ausreden zu suchen. Ich habe selbiges bei den Sportfreunden Lotte erlebt. Diese Situation ist also gar nicht so ungewöhnlich. Wir kommen damit gut zurecht. Wenn Daniel Bierofka nicht da ist, übernehmen der Co-Trainer Oliver Beer und unser Sportlicher Leiter Günther Gorenzel-Simonitsch das Training. Die Handschrift ist immer die gleiche.“

Man sollte die Kirche im Dorf lassen. (über 1860 als Aufstiegskandidaten)

Nach der Länderspielpause steht das Spiel gegen den Karlsruher SC an, die auf dem 3. Tabellenplatz stehen. Wie schätzen Sie den Gegner ein?
Steinhart: „Karlsruhe hat einen guten Lauf und holt konstant Punkte. Sie haben eine gute und erfahrene Mannschaft. Aber wir haben ebenfalls eine gute Mannschaft und brauchen uns vor niemandem zu verstecken. Wir müssen wieder anfangen, Dreier zu sammeln.“

Der TSV 1860 München wird von einigen anderen Vereinen noch immer als Aufstiegskandidat gesehen…
Steinhart: „Man sollte die Kirche im Dorf lassen. Natürlich sind wir ein großer Verein. Aber dieser Verein hatte einen kompletten Umbruch und ist gerade erst aufgestiegen. Wir müssen erst einmal unsere Rolle in der Liga finden. Es wäre vermessen, gleich vom Aufstieg zu sprechen.“

Mittlerweile wird der Fokus auf Spieler gelegt, die mit der Region und dem Verein verwurzelt sind. (über den Neustart seit dem Abstieg)

Der TSV 1860 München hat einen Neustart in der Regionalliga vollzogen, spielt wieder an der Grünwalder Straße und ist somit praktisch zur Basis zurückgekehrt. Ist die Identifikation mit dem Verein, sowohl bei den Fans als auch unter den Spielern, heute eine andere als früher?
Steinhart: „Ja, das denke ich schon. Es hatte sich im Verein über die vergangenen Jahre so entwickelt, dass kaum noch einheimische Spieler in der Mannschaft waren. Mittlerweile wird der Fokus auf Spieler gelegt, die mit der Region und dem Verein verwurzelt sind.

Das ist für den Verein und die Mannschaft sehr wichtig. Wenn man aus der Gegend kommt und weiß, wie der Verein tickt und was für die Fans wichtig ist, ist die Identifikation eine völlig andere. Der Verein wächst einem ans Herz.“ 

Früher hatte 1860 München den Ruf des Chaos-Vereins und wurde in den Medien auch dementsprechend dargestellt. Hat sich auch das durch den Umbruch verändert?
Steinhart: „Ich denke schon, dass wir in den Medien positiver wahrgenommen werden. Wir wollen wieder durch sportliche Erfolge Schlagzeilen machen, nicht durch andere Themen. Das gelang uns zuletzt gut.“

Ich brauche die Nähe zu meiner Frau, zu meiner Familie und zu meiner Umgebung. (über seine Verbundenheit zu München)

Sie stammen aus der eigenen Jugend, sind aber 2014 zum FC Bayern München gewechselt. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre erste Profieinheit bei den Profis mit den ganzen Superstars wie Franck Ribery und Arjen Robben?
Steinhart: „Das war für einen jungen Spieler natürlich eine tolle Erfahrung. Aber das Thema ist Vergangenheit.“

Sie sind gebürtiger Bayer und haben praktisch Ihr ganzes Leben in dieser Region verbracht. Lediglich die Spielzeit 2016/17 bei den Sportfreunden Lotte war eine Ausnahme, ehe Sie dann wieder nach München zurückgekehrt sind. Sind Sie ein heimatverbundener Fußballer?
Steinhart: „Auf jeden Fall. Ich brauche die Nähe zu meiner Frau, zu meiner Familie und zu meiner Umgebung. Das gibt mir viel Kraft und wirkt sich positiv auf meine Leistungen aus. Ich habe hier noch einen langfristigen Vertrag und fühle mich rundum wohl.“

Herr Steinhart, vielen Dank für das Gespräch!

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