Carl Zeiss Jena vs Hansa Rostock: Interview mit Perry Bräutigam

"Das Spiel wird sehr zweikampfbetont"

Perry Bräutigam im Jena-Trikot (links) sowie im Hansa Rostock Dress.

Erst in Jena (l.), dann in Rostock aktiv: Torwart-Idol Perry Bräutigam. ©Imago/Ferdi Hartung/Camera4

Er stand in 327 Spielen für den FC Carl Zeiss Jena zwischen den Pfosten und erfüllte sich in über 100 Partien bei Hansa Rostock seinen Bundesliga-Traum. Im Interview mit Liga-Drei.de spricht Ex-Torhüter Perry Bräutigam über Jenaer Zeiten im Europapokal, Respekt für Janis Blaswich und verrät seinen Tipp für das anstehende Duell seiner ehemaligen Vereine.

Herr Bräutigam, Sie sind eine ostdeutsche Torwart-Ikone. Wie oft werden Sie heute noch auf der Straße auf vergangene Glanzzeiten angesprochen?
Perry Bräutigam: „Sehr oft. Da ich immer noch bei den deutschen Fußball-Legenden im Einsatz bin und unsere Spiele auch im Fernsehen übertragen werden, bleibt man in Erinnerung. Daher werde ich schon noch des Öfteren auf die guten alten Zeiten angesprochen.“

Mit Abstand am meisten Spiele machten Sie für den FC Carl Zeiss Jena. Welches ist Ihnen noch besonders in Erinnerung?
Bräutigam: „Das Europapokalspiel vor heimischem Publikum gegen Sampdoria Genua. Das Stadion war ausverkauft, es herrschte eine tolle Atmosphäre. Wir haben lange geführt, kurz vor Schluss hat der Vialli aber noch einen Elfmeter reingehauen, dann ging´s 1:1 aus. Sampdoria war zu dieser Zeit sensationell besetzt, für uns als Außenseiter war das Ergebnis und das Spiel sehr gut.“

Schaue sehr viel nach Jena und nach Rostock (über die dritte Liga)

Die Stimmung in Jena war stets sehr speziell. Wie sehr fehlt Ihnen diese Atmosphäre und der Kontakt mit den Fans in der Kurve heutzutage?
Bräutigam: „Früher war die Nähe zwischen Spielern und Fans größer. Damals war die Medienpräsenz jedoch auch noch nicht so hoch. Heute müssen die Spieler unmittelbar nach Spielschluss ans Mikrofon. Bei uns gab es das nicht, wir konnten zu den Fans oder in die Kabine gehen.“

Verfolgen Sie die Spiele Ihres Ex-Vereins und die dritte Liga im Allgemeinen?
Bräutigam: „Ich schaue sehr viel nach Jena und auch nach Rostock. Ich war zwölf Jahre in Jena, habe dort Europapokal gespielt und wurde zum Nationalspieler. In Rostock hatte ich in der Bundesliga eine wahnsinnig schöne Zeit.

Mit Jena verbindet mich also die DRR-Zeit und der Ost-Fußball, mit Hansa die Bundesliga. Wenn man so lange in einem Verein tätig war, schaut man automatisch noch auf die Ex-Vereine.“

Welcher Torhüter in der dritten Liga imponiert Ihnen denn am meisten?
Bräutigam: „Von Spieltag zu Spieltag gibt es immer einen, der heraussticht. Alle haben ein gutes Niveau, mir fällt aber auf Anhieb keiner ein, der über Wochen hinweg in guter Form ist. Der Kolke von Wehen Wiesbaden macht seine Sache jedoch immer sehr gut.“

Zimmermann hat die Qual der Wahl (über die Nummer eins im FCC-Tor)

Wie bewerten Sie Janis Blaswich vom FCH?
Blaswich: „Zunächst muss ich ihm Respekt zollen. Er wurde erst kurz vor der Saison verpflichtet und hatte nur wenig Zeit, mit der Mannschaft zu trainieren. Dafür hat er sich sehr gut eingefunden. Ein guter Torwart zeichnet sich jedoch durch Konstanz aus. Die Saison ist jedoch noch zu jung, um ihn abschließend zu bewerten.

Auf Jenaer Seite hat Mark Zimmermann jetzt die Qual der Wahl. Coppens hat im Pokal sehr gut gehalten, Koczor ist der Aufstiegstorwart. Wer am Ende zwischen Pfosten steht, kann nur Zimmermann entscheiden.“

Am Samstag kommt es nun zum direkten Aufeinandertreffen zwischen Jena und Rostock. Wie lautet Ihr Tipp?
Bräutigam: „Ich denke, das Spiel wird sehr zweikampfbetont, außerdem erwarte ich von beiden Teams einen hohen läuferischen Aufwand. Weil ich beide Vereine mag, tippe ich auf ein Unentschieden.“

Zum FCH gingen Sie 1995 – und spielten endlich Bundesliga. Angebote gab es jedoch schon vorher aus Nürnberg und Gladbach mit hohen Ablösesummen. Was können Sie darüber berichten?
Bräutigam: „Kurz nach der Wende war ich im Kader der deutschen Nationalmannschaft. Sepp Maier riet mir zu einem Wechsel in die Bundesliga. Ich hatte jedoch einen langfristigen Vertrag, sodass ich nur gegen eine Ablösesumme wechseln konnte.

Damals traf ich mich mit Vertretern aus Kaiserslautern, Gladbach und Köln. Die von Jena aufgerufene Ablösesumme von 1,2 Millionen Mark war jedoch viel zu hoch. Damals waren 400.000 DM für einen Torwart schon viel. Jena betrachtete mich als Lebensversicherung und wollte mich daher nicht gehen lassen.“

Pavel Dotchev ist ein richtig guter Griff (über die Situation beim FCH)

Am Ende der ersten Saison mit Rostock stand ein sechster Platz zu Buche. Wieso war die Mannschaft damals so erfolgreich?
Bräutigam: „Wir hatten mit Frank Pagelsdorf einen hervorragenden Trainer, der uns alles abverlangt hat. Unser Spielsystem war für viele Gegner nicht zu durchschauen. Außerdem hatten wir sehr gute Fußballer in unseren Reihen, die sich immer weiterentwickelt haben, wie einen Paule Beinlich, Steffen Baumgart, Hilmar Weilandt oder Martin Groth.

Der Zusammenhalt in der Truppe war Wahnsinn. Wenn es mal nicht so lief, haben wir uns auch mal deutlich die Meinung gesagt und keiner war dem anderen danach böse. Wir haben uns als Mannschaft immer zusammengerauft.“

Was muss bei Hansa passieren, um auf lange Sicht zumindest wieder in die zweite Liga aufsteigen zu können?
Bräutigam: „Mit Pavel Dotchev haben sie jetzt einen richtig guten Griff gemacht. Ich hoffe, dass sie ihm Zeit geben. Fachlich und vom Typ her könnte er dem Verein sehr guttun. Das Wichtigste ist, dass Ruhe in den Verein kommt und es keine Reibereien im Vorstand gibt.

Alle müssen an einem Strang ziehen. Das war das Hansas Erfolgsgeheimnis in den 90er-Jahren und Anfang der 2000er, wo wir mit relativ wenig wirtschaftlichen Möglichkeiten viel gemacht haben.“

Zweimal spielten Sie mit Rostock gegen den heutigen FCC-Coach Mark Zimmermann (damals bei Unterhaching). Können Sie sich noch an die Aufeinandertreffen erinnern?
Bräutigam: „Ja, sehr gut sogar. Der Mark wollte mir immer einen einschenken, hat´s aber nicht geschafft (lacht). Zu meiner Jenaer Zeit war er noch Jugendspieler, in fünf Partien standen wir aber gemeinsam für den FCC auf dem Feld.“

Herr Bräutigam, vielen Dank für das Interview!

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