Chapeau, Pavel Dotchev

Die besondere Leistung des 9. Spieltags

Seit dem Sommer hat Pavel Dotchev bei Viktoria Köln das Sagen und führte den Aufsteiger bislang auf Platz vier. ©imago images/MaBoSport

Das Zusammenwirken der Kräfte funktioniert zweifellos perfekt. Hier der Klub, der FC Viktoria Köln: Jungfräulich aufgestiegen, angetrieben und aufgebrochen in diese mittlerweile so prominente 3. Liga. Dies ist ein Aufbruch voller Fragezeichen. Denn für die Meisten hier ist dies ein neues, unbekanntes und obendrein aufregendes Aktionsfeld.

Doch dort der Trainer, Pavel Dotchev: So etwas wie der König unter den Trainern dieser Spielklasse. Diese Liga, die für den Verein und seine Fußballmannschaft noch so neu ist, ist dem 53-Jährigen so vertraut wie sein Wohnzimmer im heimischen Paderborn.

Für mich ist das hier bei der Viktoria wie eine sportliche Wiedergeburt. (Pavel Dotchev)

Denn er kommt mit dem Ruhepuls aus dreizehn Spielzeiten im drittklassigen Fußball, mit zwei Aufstiegen in die 2. Bundesliga und einem ganz persönlichen Revival: „Für mich ist das hier bei der Viktoria wie eine sportliche Wiedergeburt“, sagt Dotchev und blickt weit zurück in die Anfänge seiner Karriere. „Das letzte Mal, als es so viel zu tun gab, noch so viel unbearbeitet und unberücksichtigt war und ich so viele Freiräume antraf und dabei soviel Glück empfand, trainierte ich den SC Paderborn.“

Was Dotchev so begeistert beschreibt, begann am 1. März 2003 und endete im Sommer 2005. Paderborn war damals Fußballprovinz. Kein eigenes Stadion. Immer nur Gast im benachbarten Schloss-Neuhaus. Die Atmosphäre verschlafen, rundherum Ackerland und wenig Inspiration für ein Kräftemessen im Profifußball. Und dennoch steuerte Dotchev im Sommer 2005 eben diesen SC Paderborn zum ersten Male in die 2.Bundesliga.

In Köln ist Platz für drei Vereine

So ist Viktoria Köln für Dotchev nun eine Art Renaissance. Ohne jeden Vorwurf, ohne jedes Gefühl des Mangels. Lange, viel zu lange hat sich der Klub in der heute viertklassigen Regionalliga aufgerieben und vergeblich um Akzeptanz gekämpft. Zur Viktoria, dem Verein vom Höhenberg auf der Schäl Sick, geht man nur, wenn man gezwungen wird, frotzelt man in der riesigen Kölner Fußballgemeinde bisher gern.

Und nun, so scheint es, passiert es peu á peu, dass tatsächlich Platz ist für alle drei Vereine im Fußballherzen der Kölner: Für die des großen FC in Müngersdorf, die der nunmehr abgestürzten Südstadt-Fortuna und eben für Dotchevs FC Viktoria, der das Kölner Fußballpublikum gerade so sehr überrascht. Und so steht auch schon die neue Botschaft: „Wer nicht kommt, verpasst viel“, sagt Pavel Dotchev, und ist dabei so glücklich, dass er Liga-Drei.de einige Einblicke in seine persönliche Gefühlslage gewährt.

Erfolg entsteht nur dort, wo Glück ist (Dotchev über sein Erfolgsrezept)

Denn in dieser, seiner 16. Spielzeit als Cheftrainer ist er auch bei seinem siebten Verein angekommen. Wieder angekommen, um erhört zu werden, um zu entwickeln, zu gestalten, zu verändern, zu verbessern, Wünsche und Ideen zu platzieren. Und um am Ende des Tages seinen Fußball zu realisieren, um mit seinem Team erfolgreich zu sein. vor allem aber, um glücklich zu sein. „Denn nur ein glücklicher Fußball-Trainer“, sagt Dotchev, „kann sein Team überzeugen, ihm zu folgen. Und so entsteht Erfolg nur dort, wo Glück ist.“

Pavel Dotchev beherrscht die Kunst des Glücklichseins. Diese Kunst beginnt, zu wissen, wo man hingehört. Wo die Arbeit nicht Fron sondern Freude ist, wo sie gebraucht und geschätzt wird und vor allem wo sie spielerisch bleibt. Hier ist gemeint: die 3. Liga.

Es ist das Aktionsfeld, in dem sich Dotchev sicher fühlt. Hat hier erlebt hat, wie ihm vieles leicht von der Hand geht und wie sattelfest sich er hier zu bewegen vermag.

Pavel ist in dieser Spielklasse als Macher und Gestalter des Fußballs überqualifiziert (Uwe Erkenbrecher über Pavel Dotchev)

Damals in Paderborn wurde Dotchev von heute auf morgen Trainer, weil Uwe Erkenbrecher zum FC Bayern des Iran, zu Esteghlal Teheran wechselte. Als letzter Trainer in Dotchevs Spielerkarriere und vielleicht auch aus dem Blickwinkel des Sportwissenschaftlers, sagt Erkenbrecher über Dotchev Interessantes: „Der Pavel ist in dieser Spielklasse als Macher und Gestalter des Fußballs überqualifiziert. So empfindet er keinen Stress. Hat immer eine Lösung. Mehr noch: Er fühlt sich – dank seiner Erfahrungen – überlegen.“

Als aktiver Spieler agierte Dotchev eine Zeitlang erstklassig: Im Nationalteam seiner Heimat Bulgarien und beim Hamburger SV. Doch als Trainer braucht er diesen Topstatus nicht. Er braucht ihn nicht, weil er ihm nicht genügend Luft ließe. Dotchev meint die Luft, um kreativ zu sein, um eigene Ideen zu verwirklichen, um genau so Trainer zu sein, wie er Trainer sein möchte.

Ich bin hier glücklich, weil ich hier viel bewegen kann. (Dotchev über Viktoria Köln)

Und nicht wie er Trainer sein muss. Freilich hat er auch dies erlebt im Fußballmarathon der 3. Liga: „Vor allem dort, wo eigene Traditionen als bedeutender bewertet werden als neue Entwicklungen“, sagt Dotchev

Doch nun also entdeckt er endlich wieder pures Glück am Arbeitsplatz. Es ist das Glück, Viktoria Köln in dieser Liga etablieren zu können. „Ich bin hier glücklich, weil ich hier viel bewegen kann“, sagt Dotchev. Was er nicht sagt, doch zweifellos meint, ist dies: Weil er dort viel bewegen kann, ist er wohl so erfolgreich.

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