Chapeau, Sascha Mölders

Die besondere Leistung des 17. Spieltags

Sascha Mölders (v.) gegen Unterhachings Paul Grauschopf.

Nicht zu stoppen: Sascha Mölders (v.) im Derby gegen Unterhaching. ©imago images/Sven Simon

Als Adriano Grimaldi noch gemeinsam mit Sascha Mölders für die Sechziger auf Torejagd ging, wurde er in einem Fernsehinterview gefragt, was er gern von seinem Sturmkollegen übernehmen würde. Seine Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: „Seinen linken Fuß!“

Als Liga-Drei.de von Uwe Erkenbrecher, einem der vielen ehemaligen Trainer des nunmehr 34 Jahre alten Vollblut-Angreifers, wissen wollte, was Sascha Mölders schon einst im Fußball-Westen so unverwechselbar machte, antwortete der postwendend: „Sein genialer linker Fuß.“

Und immer dann, wenn die so ambitionierten Hachinger Kicker in ihrem jüngsten Match glaubten, die Löwen eingefangen zu haben, war Sascha Mölders im Stile eines Topstürmers zur Stelle und erzielte zwei wundervolle Treffer zum Triumph in zweiten Münchner Fußball-Derby. Wie er das machte, versteht sich von selbst: Mit seinem brillanten linken Fuß.

Auf Abschiedstour

Sascha Mölders hat kürzlich verkündet, zum Ende dieser Spielzeit seine Karriere als Profifußballer beenden zu wollen. Wäre er kein Kicker, sondern eine Ikone der Rockmusik, würde diese Tor-Gala im Hachinger Sportpark quasi als unvergesslicher Auftritt einer Abschiedstour in die Musikgeschichte eingehen.

So wie KISS oder Elton John aktuell unter diesem Motto in aller Welt unterwegs sind. Auf jeden Fall hat sich auch Mölders bei dieser Gelegenheit schon einmal begeistert feiern lassen wie ein Weltstar. Denn die Anhängerschar der Löwen wollte dies so.

Mit 21 Jahren noch weit weg vom Profifußball

Im Kohlenpott, wo er in Essen aufwuchs, dauerte es recht lange bis Mölders in jene Aktionsfelder vorstieß, wo er sicher sein konnte, dass er mit seinen Toren die entsprechende Anerkennung erhalten würde. Statt in seiner Heimatstadt Essen in der Hafenstraße als Nachfolger der Torjäger-Helden Horst Hrubesch und Frank Mill bei den vor lauter Fußballtradition strotzenden Rot-Weißen anzuheuern, tingelte Mölders noch mit 21 Jahren durch die Essener Stadtteile. Tore allerdings erzielte er dort im Übermaß.

Damals war Erkenbrecher mit dem VfB Lübeck gerade auf Zweitligakurs und einen so wuchtigen, draufgängerischen und treffsicheren Stürmer wie Mölders hätte er gern in den Norden gelockt. „Doch plötzlich ist man auch beim MSV Duisburg aufgewacht und hat Mölders für die Oberligamannschaft geholt“, erinnert sich Erkenbrecher, der sich seither vornahm, Mölders nicht mehr aus den Augen zu lassen. Da Mölders beim MSV noch nicht das große Los gezogen hatte, waren dann doch auch die Entscheider von RW Essen dahintergekommen, dass hier vor der Haustür genau der richtige Angreifer für RWE zu gewinnen wäre.

Trainer und Wunschstürmer in Essen vereint

Thomas Strunz, der ehemalige Nationalspieler mit FC-Bayern-Präsenz, war damals Sportchef bei RWE und in dieser Rolle hatte er sich vorgenommen, in diesem Traditionsverein die große Kluft zwischen der glorreichen Vergangenheit und der tristen Gegenwart endlich zu beseitigen.

So holte er erst Mölders, der war inzwischen 23, für das Angriffszentrum und auch Uwe Erkenbrecher als Trainer. Der frühere Werder-Profi hatte zuvor den VfL Wolfsburg in die 2. Bundesliga gesteuert und Greuther Fürth in der Spitzengruppe dieser Liga platzieren können. So waren sie endlich vereint: Der Trainer und sein Wunschstürmer.

Sascha ist pure Ruhrpott-Mentalität (Sein Ex-Trainer Uwe Erkenbrecher)

„Sascha ist pure Ruhrpott-Mentalität: Charakterlich gerade heraus, rotzfrech, mit einer liebenswürdigen Kodderschnauze. Auf dem Spielfeld ein Gute-Laune-Fußballer, den ein Trainer so lassen muss, wie er ist. Mölders braucht seine Freiheiten, dann ist er mit seinen Instinkten und seiner Bauernschläue ein großartiger Torjäger und so ein Gewinn für jede Mannschaft“, beschreibt Erkenbrecher seine Erlebnisse mit Mölders. Auch heute haben diese Einschätzungen volle Gültigkeit.

Uwe Erkenbrecher auf der RWE-Bank.

In zwölf Spielen unter Uwe Erkenbrecher traf Sascha Mölders zwölf Mal. ©imago images/Team 2

So war Rot-Weiß Essen das wohl bedeutendste Karrieresprungbrett für Mölders. Mit 42 Treffern in 52 Spielen im Gepäck übersprang er die 3. Liga und landete als Winterverstärkung beim FSV Frankfurt. Der war damals noch ein etablierter Vertreter der 2. Bundesliga und so auch bereit, die Ablösemodalitäten zu realisieren. Und auch am Bornheimer Hang tat Mölders das, wofür ihn die dortigen Fußballplaner geholt hatten, recht verlässlich. So wartete schon der nächste Karrieresprung.

Zwei Tore für Augsburg zum Start in die Bundesliga

Der FC Augsburg war gerade in die 1. Bundesliga aufgestiegen und hatte auf dem Weg dorthin so manches Mölders-Tor einstecken müssen. Augsburgs erfolgreiches Gespann, Andreas Rettig und Jos Luhukay, erinnerte sich daran und vertraute ihm auch in Augsburg die entsprechende Position an. Mit überwältigendem Erfolg: Im ersten Match in der Augsburger Bundesliga-Geschichte kam es zu einem 2:2 gegen den SC Freiburg.

Wer traf da wohl? Ja, Sascha Mölders erzielte sogleich die ersten beiden Treffer des FC Augsburg in der Eliteliga, der sie bis heute angehören. Was Mölders viele Wegbegleiter wohl niemals zugetraut haben, wurde Wirklichkeit: Mölders war drei Spielzeiten lang eine feste Größe des Augsburger Angriffsfußballs mit 92 Bundesliga-Einsätzen und 18 Treffern.

Der Sprung von Augsburg zu den Löwen nach München war nur 75 Kilometer lang, doch die Wirklichkeit vor Ort war dann viel komplizierter für Mölders. Er kam zunächst als Leihspieler zu Sechzig. In einer Zeit, in als es in der 2.Bundesliga für den Verein in vielerlei Hinsicht immer brenzliger wurde. Lizenzentzug und Regionalliga Bayern gerieten zum Tiefpunkt.

Sascha hat seine Karriere wirklich noch großartig hinbekommen (Uwe Erkenbrecher)

Doch als es galt, die Regionalliga Bayern schnellstmöglich wieder zu verlassen, ist Mölders geblieben, um zu knipsen. Mit zahlreichen Treffern von Mölders zogen sich Löwen inzwischen heraus aus dem gröbsten Schlamassel.

Rücktritt vom Rücktritt?

Jetzt also ist er auf seiner Final-Tour, dieser Mölders, dieses bärtige, breitschultrige Tormonster von der Grünwalder Straße.

Mölders-Kenner Erkenbrecher zieht vorsorglich ein Fazit unter dessen Karriere, das Mölders gefallen wird: „Ich finde, Sascha hat seine Karriere wirklich noch großartig hinbekommen. Denn er erlebte nicht die Ausbildung eines großen Klubs. Sascha kam aus der zweiten Reihe und hat es dann noch so lange Zeit zu einem anerkannten Profi gebracht. Als sein ehemaliger Trainer möchte ich dafür ausdrücklich loben. So gehört Mölders zu den besten Stürmern, die ich je trainiert habe: In meinem Ranking folgt er direkt auf Siggi Reich in Wolfsburg.“

Doch freilich lebt auch in Erkenbrecher die stille Hoffnung, dass er es sich nochmals überlegen möge mit dem Abschied. Ein Abschied vom Abschied – dieses Phänomen kennt die Welt der Rockmusik zur Genüge. Und es funktioniert dort allemal.

Warum nicht auch bei Mölders und diesem so brillanten und treffsicheren linken Fuß…

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