FC Bayern U23: Teamcheck

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Christoph Volk Veröffentlicht: Freitag, 11.09.2020 | 07:30
Malik Tillmann gegen Waldhof Mannheim.

Malik Tillmann soll den abgewanderten Otschi Wriedt im Sturmzentrum ersetzen. ©imago images/Jan Huebner

Für die FC Bayern U23 lautete das Ziel vor rund einem Jahr schlichtweg Klassenerhalt. Zu behaupten, dieses wurde erreicht, wäre eine maßlose Untertreibung: In der Rückrunde verlor das Team nur noch zwei Spiele und marschierte so von Platz 15 bis an die Tabellenspitze, wo es auch zum Abschluss stand und somit die Meisterschaft einfuhr. Wie sich die zahlreichen Abgänge auf das Mannschaftsgefüge ausgewirkt haben und wo wir die „kleinen Bayern“ nach der Saison 2020/21 erwarten, verraten wir in unserem Teamcheck.

Kader & Transfers

Auf Seiten der Abgänge hat sich einiges getan. Einschneidend ist definitiv der Weggang von Otschi Wriedt. Mit 24 Treffern der erfolgreichste Torjäger der Vorsaison und in der Offensive Dreh- und Angelpunkt, wird der Stürmer künftig für Willem II in den Niederlanden auf Torejagd gehen. Dort spielt er erneut mit Derrik Köhn zusammen, der als offensivstarker Linksverteidiger (zwei Tore, acht Vorlagen) auf sich aufmerksam machte. Ebenfalls in die Eredivisie ging es für OLiver Batista Meier (Heerenveen), der allerdings im Gegensatz zum Duo nur verliehen wurde.

Den Sprung in die 2. Bundesliga haben unterdessen mehrere Spieler geschafft. Lars Lukas Mai konnte sich an der Seite des erfahrenen Kapitäns Nicolas Feldhahn weiterentwickeln und soll das in der kommenden Spielzeit auf Leihbasis in Darmstadt tun.

Auch Christian Früchtl und Sarpreet Singh verfolgen ähnliche Karrierewege. Das Duo wurde an den 1. FC Nürnberg verliehen und soll eine Etage weiter oben den nächsten Entwicklungsschritt nehmen. Singh durfte zwar in der Vorsaison auch schon bei den Profis reinschnuppern und kam so nur auf 22 Einsätze, deutete dabei mit sieben Treffern und ebenso vielen Vorlagen sein Potential mehr als nur an.

Naturgemäß wurde im Gegenzug Talent verpflichtet, da die drei Ü23-Kaderplätze mit Kapitän Nicolas Feldhahn, Maximilian Welzmüller und Timo Kern belegt sind. Frische Kräfte kamen überwiegend aus der hauseigenen U19, die nun erste Schritte im Herrenbereich gehen.

Einzig echter Neuzugang ist Lenn Jastremski, der aus Wolfsburg an die Isar wechselte. Der Mittelstürmer glänzte bei den Niedersachsen in der U19 und traf in den letzten beiden Bundesliga-Spielzeiten insgesamt 27-Mal. Fix ist unterdessen die Verpflichtung von Nicolas Kühn, der bereits in der Rückrunde von der Ajax-Reserve ausgeliehen war und nun dauerhaft für die FCB U23 aufläuft.

Die aktuelle Form

Während andere Drittligisten in der Vorbereitung ein gewaltiges Pensum an Testspielen bestreiten, ließen es die „kleinen Bayern“ in dieser Hinsicht gemütlich angehen. Nur ein Testkick stand bisher auf dem Plan, der ging mit 0:3 gegen Erzgebirge Aue verloren. Dabei wusste der amtierende Meister aber speziell vor der Pause zu überzeugen und machte seine Sache gegen den Zweitligisten durchaus ordentlich.

Stärken & Schwächen

Naturgemäß muss eine U23-Mannschaft auf viele unerfahrene Spieler zurückgreifen, von denen manche auch körperlich noch nicht auf Augenhöhe mit gestandenen Akteuren der 3. Liga sind. Im Vorjahr bewies die FC Bayern U23 aber eindrucksvoll, dass fehlende Erfahrung nicht unbedingt ein Manko sein muss. Körperliche Defizite wurden zudem spielerisch aufgefangen, die dafür nötige Technik bringen die NLZ-Absolventen von heute ohnehin mit.

Speziell die Neuzugänge aus der klubeigenen U19 dürften vor einer ähnlichen Erfahrung stehen, für die Umstellung von Jugend- auf Herrenfußball bedarf es etwas Geduld. Das war den Verantwortlichen im Vorjahr klar, weswegen auch nach einer sportlich durchwachsenen Hinrunde die Ruhe bewahrt wurde. Gleichsam verlor während des Leistungsanstiegs in der Rückrunde kein Akteur die Bodenhaftung.

Die Erwartungshaltung durch den überraschenden Titelgewinn dürfte ohnehin weiterhin überschaubar sein. Ein Aufstieg wird bekanntlich durch die Statuten verhindert, im Vordergrund steht somit neben dem Klassenerhalt die Weiterentwicklung der Spieler.

Holger Seitz im Relegationsspiel gegen Wolfsburg II.

Nach einem Jahr steht Holger Seitz wieder an der Seitenlinie der kleinen Bayern. ©imago images/Joachim Sielski

Der Trainer

Für diese Weiterentwicklung ist erneut Holger Seitz hauptverantwortlich. Bereits in der Spielzeit 2018/19 betreute er die Mannschaft, schaffte damals den lange anvisierten Sprung aus der Regional- in die 3. Liga. Den machte er dann allerdings nicht mit sondern übernahm als stellvertretender Leiter der Nachwuchsabteilung.

Nach dem Abschied von Sebastian Hoeneß übernimmt Seitz für die kommende Spielzeit wieder die U23. Bereits zuvor war er als Nachwuchs-Trainer am Bayern Campus tätig und bewies dort ein Händchen dafür, Talente auf ihrem weiteren Karriereweg fördern und fordern zu können.

Die mögliche Startelf

Mögliche Startelf der FC Bayern U23 Mögliche Startelf der FC Bayern U23

Fazit & Prognose

Die überraschende Meisterschaft der Vorsaison ließe sich zwar als Ausgangspunkt für eine aggressive Prognose nutzen, einen weiteren Titel erwarten wir für 2020/21 allerdings nicht. Sollten die Gegner im Vorjahr die FC Bayern U23 unterschätzt haben, sollte sich die Seitz-Elf nicht darauf verlassen, dass das auch weiterhin passiert.

Zumal einige wichtige Säulen weggebrochen sind. Diese zu ersetzen wird Zeit benötigen. Die individuelle Qualität ist trotzdem hoch, darum gehen wir von einer Saison im Mittelfeld der Liga aus, Platz zehn bis zwölf halten wir für realistisch.

Wer wird Nachfolger der FCB U23 als Meister? Hier geht’s zu allen bisher veröffentlichten Teamchecks.