Jürgen Rische vor FCK gegen Braunschweig

"Die Fans hatten großen Anteil an unserem Erfolg"

Jürgen Rische bei Eintracht Braunschweig

Jürgen Rische bejubelte 32 Tore für die Eintracht. ©Imago images/Contrast

Jürgen Rische kennt die Höhen und Tiefen des Fußballs gut, erlebte sie sowohl mit Eintracht Braunschweig als auch mit dem 1. FC Kaiserslautern. Mit den „Roten Teufeln“ stieg er 1996 aus der Bundesliga ab, nahm aber noch den DFB-Pokal mit und wurde zwei Jahre später als Aufsteiger sensationell Meister.

Bei der Eintracht feierte er den Aufstieg in die 2. Bundesliga als Spieler und musste als Mitglied des Trainerteams den bitteren Gang in die 3. Liga mitmachen. Im Interview mit Liga-Drei.de spricht der frühere Stürmer über seine Verbundenheit zu beiden Klubs, die Stimmung auf dem Betzenberg und seinen alten Trainer Peter Vollmann.

Herr Rische, wo haben Sie am Samstag Fußball geschaut?
Jürgen Rische: „Zu Hause am Fernseher. Das ist am besten, um viele Spiele und viele Tore zu sehen.“

Der FCK warf Mainz 05 aus dem Pokal. Was hatten Sie dem Ex-Klub zugetraut?
Rische: „Dadurch, dass die Erstligisten ihr erstes Pflichtspiel haben und nicht so genau wissen, wo sie stehen, traut man eigentlich dem Gegner in der ersten Runde immer eine Überraschung zu. Die Mainzer wussten noch nicht, wie gut sie schon eingespielt sind – scheinbar noch nicht so gut – und der FCK hat super dagegengehalten. Letztlich hat er verdient gewonnen.“

1996 stiegen Sie mit dem FCK ab, gewannen aber den Pokal. Wurden Erinnerungen wach?
Rische: „Am Samstag noch nicht. Sie sind auf dem richtigen Weg, aber es sind noch vier Spiele durchzustehen, bis man den Pokal in den Händen hält (lacht). Ich wünsche es ihnen. Als Spieler so ein Erlebnis zu haben, ist genial.“

Die Fans haben an unserem Erfolg großen Anteil gehabt. (über die Anhänger des FCK)

Die Kulisse machte den Betzenberg Samstag nochmal zum Hexenkessel. Was machte die Atmosphäre früher so besonders?
Rische: „Die Fans standen immer hinter dir. Du musstest als Mannschaft aber auch ein Angebot machen, rennen, kämpfen. In dem Moment hattest du die ganzen Leute hinter dir. Zu der Zeit war das Stadion eigentlich immer ausverkauft. Dann ist es für keine Mannschaft einfach, dort die Punkte zu holen. Die Fans haben an unserem Erfolg damals einen großen Anteil gehabt.“

Wie kann das Fritz-Walter-Stadion wieder dauerhaft eine Festung werden?
Rische: „Indem du nur so spielst, wie am Samstag (lacht). Es ist so: Nichts geht über den Erfolg. Sie müssen sehen, dass sie in der Liga wieder angreifen, rauskommen in die zweite Liga. Das wird nicht von heute auf morgen gehen, aber peu-à-peu müssen sie weiterkommen. Sie haben jetzt neue Gesichter in der Mannschaft, das muss sich alles einspielen, das muss wachsen. Dass es geht und dass die Leute in der Pfalz fußballverrückt sind, hat man ja damals gesehen. Die Leute sind auch jetzt noch nicht weg.“

Am Sonntag geht es gegen Eintracht Braunschweig. Welchem Verein fühlen Sie sich noch mehr verbunden?
Rische: „Ich habe ja noch fünf Jahre bei der Eintracht gespielt, nachdem ich vom VfL Wolfsburg weg bin. Dann hatte ich fast zwei Jahre Pause, bevor ich für neun Jahre zum Trainerteam von Torsten Lieberknecht kam. Das war eine prägende Zeit. Klar hatte ich die größeren sportlichen Erfolge beim FCK, aber wir wohnen noch in der Nähe von Braunschweig. Da hat man schon das Auge etwas mehr auf der Eintracht.“

Ich hatte ein gutes Gefühl. (über die Anstelllung von Peter Vollmann als Sportdirektor)

Zweitliga-Aufstieg mit der Eintracht oder Pokalsieg und Meisterschaft mit dem FCK, was war die größere Leistung?
Rische: „Gute Frage. Wir sind ja Pokalsieger geworden, nachdem wir schon abgestiegen waren. Das war mental eine Riesenleistung. Dass man Meister wird als Aufsteiger, wird auch nicht mehr passieren. Das hat am Ende doch den Vorrang vor dem Aufstieg mit Eintracht Braunschweig. Deutscher Meister sind nicht viele geworden, aufgestiegen sind ein paar mehr.“

Jürgen Rische beim FCK

Sensation: Jürgen Rische wurde 1998 beim FCK als Aufsteiger Deutscher Meister. ©Imago images/Kicker/Liedel

Sie spielten bei der Eintracht auch unter Peter Vollmann, der jetzt Sportdirektor ist. Welchen Effekt hat das aus Ihrer Sicht auf den Verein?
Rische: „Ich hatte ein gutes Gefühl, als sie Peter Vollmann als Sportdirektor geholt haben. Er kennt die 3. Liga in- und auswendig. Ich schätze ihn als ruhigen und besonnenen Typen ein. Das ist genau das, was die Eintracht nach dieser Zeit braucht. Mit ihm kommt nach dem Katastrophenjahr ein ruhiges Arbeiten zu Stande.“

Es ist normal, dass ein junger Trainer auch mal Fehler macht (über Christian Flüthmann)

Wie glauben Sie beeinflusst er auch die sportliche Leistung?
Rische: „Mit dem jungen, aufstrebenden Trainer (Christian Flüthmann, Anm. d. Red.) passt es ganz gut. Es ist normal, dass ein junger Trainer auch mal Fehler macht. Dann ist es wichtig, dass im Verein Ruhe bewahrt wird und keine Hektik ausbricht. Dass man mal gegen Duisburg 0:3 verliert, das passiert.

Daraus muss man seine Schlüsse ziehen und den Weg weitergehen. Mit Peter Vollmann als Sportlichem Leiter wird da kein unnötiger Druck aufgebaut. Sie sind ja letztlich gut gestartet. Jetzt haben sie einmal ein Ding gekriegt. Man wird sehen, wie die Reaktion gegen Kaiserslautern ist.“

Beide müssten mindestens in die 2. Bundesliga. (über die Ansprüche seiner Ex-Klubs)

Nicht nur Braunschweig, sondern auch der FCK kassierte zuletzt die erste Niederlage. Wer ist Favorit am Sonntag?
Rische: „Man hat das 0:3 der Eintracht gegen Duisburg im Kopf, auf der anderen Seite das 2:0 des FCK gegen Mainz nach der Niederlage in Münster. Es wird ein 50-50-Spiel. So richtig kann man nicht von einem Favoriten sprechen. Braunschweig ist gut gestartet, kann mit den Punkten im Rücken nach Kaiserslautern fahren. Der FCK ist in der Euphorie. Auf dem Betze geht sicherlich einiges mit den Fans im Rücken. Es wird ein interessantes Spiel.“

Die Eintracht hat personell stark nachgelegt, genau wie der FCK, beide wollten schon letzte Saison wieder aufstiegen. Wie lange können sich beide noch die 3. Liga erlauben?
Rische: „Das wissen nur die Finanzexperten in den Vereinen. Beide gehören sicher nicht dorthin, beide müssten mindestens in die zweite Liga. Ich denke, Braunschweig hat sich mit seinen Zugängen noch mehr verstärkt, als der FCK. Gerade in der Offensive wurde bei der Eintracht viel investiert in Leute, die in der Vergangenheit viele Tore geschossen haben.

Der echte Goalgetter fehlt dem FCK ein wenig oder zumindest hat er es noch nicht gezeigt. Da hat Braunschweig mit Ademi, Proschwitz und Kobylanski, der mit vorne spielen kann, mehr Auswahl. Da haben sie schon ein ganz schönes Potenzial. Außerdem haben sie schon im Winter eingekauft, anders als der FCK. Sie mussten ja einkaufen, sonst wären sie abgestiegen. Wer am Ende länger durchhält, weiß ich nicht. Ich hoffe, sie steigen beide auf. Es sind ja zwei Plätze frei.“

Ich strecke so langsam die Fühler aus. (über die berufliche Zukunft)

Sie waren bis vor einem guten Jahr noch bei der Eintracht im Trainerstab tätig. Was haben Sie seither gemacht?
Rische: „Seither habe ich Fußball beobachtet und viele Sachen gemacht, für die ich nie Zeit hatte. Ich habe mehr mit der Familie gemacht, eben alles, was in den vergangenen Jahren zu kurz kam.“

Was planen Sie für die Zukunft?
Rische: „Ich strecke so langsam die Fühler aus. Die Frage ist, ob ich im Fußball in diesem tagtäglichen Bereich, wo man die ganze Woche unterwegs ist, arbeiten will. Es hängt aber immer davon ab, wen man trifft, mit wem man gut kann. Ich habe noch kein genaues Ziel vor Augen.“

Herr Rische, vielen Dank für das Interview!

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