Marco Engelhardt: „Ein oder zwei Szenen werden das Spiel entscheiden“

Interview mit dem Ex-Profi des KSC und Halle

Marco Engelhardt beim KSC und beim Halleschen FC

Absolvierte drei Länderspiele für Deutschland: Marco Engelhardt. ©Imago/Christoph Reichwein/foto2press

138 Mal lief Marco Engelhardt für den Karlsruher SC auf, in 69 Partien trug er den Dress des Hallescher FC. Im Interview mit Liga-Drei.de spricht der 38-Jährige über das direkte Aufeinandertreffen seiner beiden Ex-Klubs am kommenden Spieltag, ihre Trainer Alois Schwartz und Torsten Ziegner, und er verrät, wem er die Daumen am Samstag ein wenig fester drückt.

Herr Engelhardt, bis zum Sommer spielten Sie in der U23 von Hoffenheim. Wie geht es mit Ihrer Karriere momentan weiter?
Marco Engelhardt: „Durch dauerhaft auftretende Probleme und Schmerzen am linken Knie war eine Fortsetzung der Karriere leider nicht möglich. Ich hätte im Sommer sehr gern noch weiter gemacht und selbst entschieden, wann die aktive Laufbahn endet. Diese Entscheidung wurde mir nun abgenommen. Nach gut 20 Jahren Profifußball meldet sich der Körper, dennoch blicke ich demütig auf eine sehr schöne und privilegierte Zeit als Spieler zurück.“

Sie haben die ersten Trainerscheine schon gemacht. Ist das eine Richtung, die Sie verfolgen weiterverfolgen werden?
Engelhardt: „Die DFB-Elite-Jugend-Lizenz habe ich absolviert und auch vor, 2019 die A-Lizenz zu erwerben. Zum einen um mich für die Zukunft breit aufzustellen und zum anderen um auch die andere Seite als Trainer verstehen zu lernen. Grundsätzlich ist dieser Bereich sehr interessant und vielfältig.

Die letzten Monate waren wichtig für mich, um Abstand vom Sport zu gewinnen und für die spannende Zeit nach dem aktiven Fußball aufzustellen. Aktuell bin ich als Scout eines Bundesligisten tätig, was mir wieder komplett andere Einblicke in das Fußballbusiness vermittelt und auch möglicherweise dauerhaft viel Freude bereiten könnte.“

Tore nach Standards sind ein auffälliges Merkmal. (über die Mannschaften von Alois Schwartz)

Einer Ihrer Trainer war Alois Schwartz, der mit Ihnen in Erfurt arbeitete. Was würden Sie sich als Trainer von ihm abschauen?
Engelhardt: „Die enorme Disziplin, das Zweikampfverhalten und das Arbeiten im Kollektiv gegen den Ball zeichnet alle seine Stationen aus. Tore nach Standards sind ebenso ein auffälliges Merkmal bei seinen Mannschaften.“

Was von seiner Handschrift erkennen Sie beim heutigen KSC?
Engelhardt: „Einiges. Letztes Jahr war es ähnlich. Der KSC hat nicht immer fußballerisch geglänzt, aber die Null stand. Da waren Standards ein probates Mittel zum Erfolg. Diese Saison lief es zwischenzeitlich etwas holprig, jetzt setzen sie aber auch spielerisch Akzente. Die Ergebnisse der letzten fünf Spiele sprechen für sich.“

Die individuelle Qualität im Kader ist unbestritten. (über das Personal des KSC)

Wie hat es die Mannschaft geschafft, nach der sehr defensiven Spielweise im letzten Jahr nun eine der besten Angriffsreihen der Liga zu haben?
Engelhardt: „Die individuelle Qualität im Kader, auch spielerische Akzente setzen zu können, ist unbestritten. Über gute Ergebnisse hat der KSC es geschafft, das Selbstvertrauen zu steigern und die Fans hinter sich zu bringen. Das spiegelt sich nun auch in der Spielweise wieder.“

Mit Martin Stoll und Anton Fink sind zwei alte Kollegen noch, bzw. wieder beim KSC aktiv. Wie oft sprechen Sie noch?
Engelhardt: „Toni habe ich noch nicht gesehen in Karlsruhe. Mit Stolli habe ich vor Kurzem erst gesprochen. Ansonsten hat sich seit meiner Zeit beim KSC personell sehr viel verändert, so dass nicht mehr viel Kontakt besteht.“

Der KSC ist langfristig kein Drittligist, sondern gehört mindestens in die zweite Liga. (über einen Aufstieg des KSC)

Beim KSC spielten Sie insgesamt über fünf Jahre in der 1. und 2. Liga. Wie wichtig wäre eine Rückkehr in die 2. Bundesliga für den Verein?
Engelhardt: „Im Hinblick auf den Stadionneubau, für die ganze Stadt und natürlich die Fans wäre eine schnelle Rückkehr wünschenswert. Der KSC ist langfristig kein Drittligist, sondern ein Verein, der mindestens in die zweite Liga gehört. Der KSC hat in Karlsruhe eine ganz besondere Bedeutung. Die Fans haben alle Höhen und Tiefen erlebt. Ich drücke die Daumen, dass am Ende der Saison wieder ein Hoch zu verzeichnen ist.“

Jetzt wird auch das Stadion umgebaut. Wie oft haben Sie sich in Ihrer Zeit im Wildpark ein neues Stadion gewünscht?
Engelhardt: „Meine Zeit liegt schon etwas länger zurück, daher hat es für mich keine große Rolle gespielt. Dass der KSC ein neues Stadion erhält, ist zwingend notwendig. Eine moderne Arena macht natürlich etwas her und ist auch wirtschaftlich imminent wichtig für den Verein, um in der 3. Liga konkurrenzfähig und interessant für mögliche Investoren, Sponsoren oder Partner zu sein.“ 

Er kann mit geringen Mitteln einen schlagkräftigen Kader zusammenstellen. (über Torsten Ziegner)

Einer der Konkurrenten um den Aufstieg ist etwas überraschend Ihr anderer Ex-Verein, der Hallesche FC. Was hätten Sie gesagt, wenn Ihnen 2016 bei Ihrem Abschied dort jemand gesagt hätte, der HFC spielt in zwei Jahren um den Aufstieg?
Engelhardt: „Wenn das in diesem Sommer noch jemand zu mir gesagt hätte, hätte ich das eigentlich nicht für möglich gehalten. Nach diesem extremen Umbruch im Kader war eigentlich nicht davon auszugehen, dass der HFC diese gute Rolle spielen kann. Aber die 3. Liga ist sehr schwierig zu spielen. Da tun sich andere Mannschaften – siehe Braunschweig und Kaiserslautern – extrem schwer, Fuß zu fassen.

Halle hat mit ‚Ziege‘ einen Trainer, der die Liga kennt und in Zwickau nachgewiesen hat, dass er mit geringen wirtschaftlichen Mitteln einen schlagkräftigen Kader zusammenstellen kann. Mit dem HFC konnte er frühzeitig planen, im Zusammenspiel mit dem Manager einen tollen Kader zusammenstellen und einzelne Jungs noch weiterentwickeln. Die Mannschaft ist eine richtig eingeschworene Truppe, sehr eklig zu bespielen. Aktuell macht es der HFC richtig gut.“

Die Mannschaft erinnert mit starker Defensive und effektiver Offensive ein wenig an den KSC der letzten Saison. Inwieweit sind auch die Trainer vergleichbar?
Engelhardt: „Grundsätzlich sind beide Trainer in Ihren Ansätzen schon vergleichbar. Für beide hat das Kollektiv und der Erfolg der Mannschaft Priorität. Ihre Mannschaften sind defensiv sehr stabil und zweikampfstark. Alois Schwartz ist um einiges länger im Trainergeschäft als Torsten Ziegner. ‚Alu‘ ist ein Fuchs, der seine Mannschaft immer optimal vorbereitet und top einstellt. ‚Ziege‘ bringt seine leidenschaftliche, akribische Note ein und die Jungs nehmen das super an.“

Als Karlsruher drücke ich dem KSC ein wenig mehr die Daumen. (über das Duell am Samstag)

Am Samstag geht es im Duell HFC gegen KSC um viel. Zwei Punkte trennen die Teams. Wer gewinnt am Ende?
Engelhardt: „Das ist sehr spannend. Tendenziell erwarte ich ein zurückhaltendes, von Zweikämpfen geprägtes, intensives Spiel, in dem beide Mannschaften nicht das letzte Risiko gehen werden. Ich denke, ein oder zwei Szenen werden das Spiel entscheiden, vielleicht sogar ein Standard. Der HFC und der KSC sind gefestigt und so gut drauf, dass ich mir ein sehr enges Spiel wünsche, in dem ich letztlich als Karlsruher dem KSC ein wenig mehr die Daumen drücke.“

Was erwarten Sie im weiteren Saisonverlauf von beiden Teams?
Engelhardt: „Vor allem der KSC hat gute Chancen, sich bis zum Ende der Saison oben festzusetzen. Individuell ist Karlsruhe ein Top-Team der Liga und muss den Anspruch haben aufzusteigen. Von daher schätze ich die Chancen des KSC etwas besser ein als die des HFC. Behält sich der HFC allerdings weiterhin die Kompaktheit, bleibt konstant und von Verletzungen wichtiger Spieler verschont, traue ich auch ihnen zu, bis zum Ende weit oben zu stehen.“

Herr Engelhardt, vielen Dank für das Gespräch!

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