MSV vs KFC: Steffen traut beiden Klubs den Aufstieg zu

Ex-Kicker spricht über Effenberg, Ponomarev & Mickels

Horst Steffen (r.) gegen Hannovers Günter Hermann.

Für den KFC und dessen Vorgänger Bayer 05 Uerdingen bestritt Horst Steffen (r.) 199 Pflichtspiele. ©imago images/Rust

Mit dem KFC Uerdingen war Horst Steffen da, wo der ambitionierte Klub wieder hinmöchte: In der Bundesliga. Doch auch den nächsten Gegner Duisburg kennt der einstige Mittelfeldspieler bestens, sieben Jahre lief der heute 50-Jährige für die Zebras auf.

Vor dem Duell seiner Ex-Klubs spricht Steffen im Interview mit Liga-Drei.de über die Entwicklung beider Vereine, weshalb er mit dem Schrei nach Identifikationsfiguren wenig anfangen kann und warum er Uerdingen im Aufstiegsrennen noch nicht abschreiben möchte.

Herr Steffen, Sie sind gebürtiger Krefelder, spielten mit dem KFC Uerdingen früher in der Bundesliga. Wie groß ist Ihre Verbundenheit zum Verein heute?
Horst Steffen: „Heute bin ich nur stiller Beobachter. In der Regionalliga war ich in der Grotenburg und habe mir das eine oder andere Spiel angeschaut, da war Stefan Krämer noch Trainer. Das war der letzte Berührungspunkt mit Uerdingen.

Natürlich habe ich die Zeit als Kind genossen, in der Jugend für Uerdingen zu spielen und die Profizeit war für mich ein super Einstieg. Es ist mein Heimatklub, daher habe ich eine große Verbundenheit, wobei ich eben nicht mehr persönlich vor Ort bin.“

Die Trendwende ist unter Stefan Reisinger schon erfolgt. (über den Aufschwung des KFC)

Nach mauem Start fuhr der KFC zuletzt drei Siege in vier Spielen ein. Welche Gründe können Sie für den Aufschwung ausmachen?
Steffen: „Das ist aus der Ferne schwer zu beurteilen. Ich denke, dass der Trainerwechsel schon gewirkt hat, als Stefan Reisinger übernommen hat. Seitdem gibt es eine Veränderung in den Ergebnissen, das ist meistens darauf zurückzuführen, dass jetzt andere Spieler spielen, vielleicht auch im Training eine andere Intensität herrscht. Insofern hat der Trainerwechsel da für Uerdingen auch was gebracht.“

Also liegt der Aufschwung Ihrer Meinung nach mehr an Teamchef Stefan Reisinger als an Trainer Daniel Steuernagel?
Steffen: „Ich denke, es hat mit Stefan schon angefangen. Inwieweit Daniel da schon Einfluss hatte, weiß ich nicht. Die Trendwende ist aber unter Stefan schon erfolgt.“

Das tut einem Klub nicht gut. (über die vielen Trainerwechsel beim KFC)

Der KFC wird oft für seine Strukturen mit Mikhail Ponomarev an der Spitze kritisiert. Wie nehmen Sie das aus der Ferne wahr?
Steffen: „Die Strukturen kann ich nicht beurteilen, auch das ist aus der Ferne recht schwierig. Ich glaube, wir sollten uns als Außenstehende zurückhalten mit so vielen Urteilen, ohne wirklich Einblick in die Details zu haben. Natürlich gab es eine Menge Trainerwechsel, das ist schon ungewöhnlich für einen Klub.

Auch damals Michael Wiesinger zu entlassen war ungewöhnlich, Stefan Krämer zu entlassen war ungewöhnlich. Das ist aber das einzige, das ich registriert habe, dass es viele Trainerwechsel gab und dementsprechend eine hohe Fluktuation in der sportlichen Leitung herrschte. Das tut einem Klub nicht gut.“

Den neuen Manager Stefan Effenberg kennen Sie noch aus den Anfängen Ihrer Spieler-Karriere, haben mit ihm in der U21 Nationalmannschaft gespielt. Wieso ist er der richtige Mann für Uerdingen?
Steffen: „Stefan wird sicherlich unter Beweis stellen wollen, dass er der richtige Mann ist. Er wirkt schon auf einige Leute. Als Spieler ist er hervorragend in Erscheinung getreten, hat tolle Leistungen gebracht und blieb immer hartnäckig.

So eine Karriere als Spieler hinzulegen spricht natürlich für den Charakter Stefan Effenberg, der sich wahrscheinlich so einbringen will, dass die Dinge in Uerdingen auch wieder vorangehen.“

Horst Steffen (r.) zieht an Bayern Marcel Witeczek vorbei.

In Duisburg war Horst Steffen (m.) erst als Spieler, später als Trainer der U23 und der U19 tätig. ©imago images/Claus Bergmann

Sie selbst standen in 127 Spielen in der dritten Liga an der Seitenlinie, kennen die Spielklasse also ganz genau: Kann Uerdingen in dieser Saison den geplanten Aufstieg schaffen?
Steffen: „Ich glaube, das wird nicht so einfach. Die Konkurrenz ist einfach ganz gut unterwegs, die Uerdinger müssten eine riesige Serie starten. Es ist möglich, das habe ich immer wieder erlebt, man sollte nicht zu früh Dinge abhaken. Zumal sechs Punkte Rückstand eben auch nicht so viel sind.

Aber es sind halt doch einige Mannschaften vor dem KFC, die müssen sie erstmal überholen, sie müssen ihren Lauf beibehalten. Wenn das gelingt und auch der Zusammenhalt im ganzen Verein da ist, dann ist es möglich, ja.“

Diesen Schrei nach Identifikationsfiguren finde ich immer ganz amüsant. (über die Eigengewächse des MSV)

Ein Klub mit Ambitionen ist auch der MSV Duisburg, für den Sie in Ihrer Karriere über 80 Spiele bestritten haben. Welche Unterschiede konnten Sie denn generell zwischen den Zebras und dem KFC Uerdingen ausmachen?
Steffen: „Uerdingen war damals in erster Linie dieser Werksklub, mit Bayer im Rücken. Wir hatten ein tolles Trainingsgelände und riesige Möglichkeiten. Uns fehlte nicht viel, das muss man ganz klar sagen. In Duisburg waren die Bedingungen etwas bescheidener, aber trotzdem noch sehr, sehr professionell.

Der Verein hat natürlich eine große Tradition und eine große Fangemeinde, was im Vergleich zu Uerdingen noch deutlich mehr war. In Duisburg fiel mir die direkte Art der Menschen auf, wo der Ruhrpott klar rauskam, aber auch eine große Herzlichkeit herrschte.“

Im Augenblick setzt der MSV sehr auf den Faktor Identifikation, baut auf die Eigengewächse. Der richtige Weg, um Duisburg wieder nach oben zu führen?
Steffen: „Du musst gute Spieler haben. Wenn sie aus der eigenen Jugend kommen und Fuß fassen, dann ist es möglich. Diesen Schrei nach Identifikationsfiguren finde ich immer ganz amüsant. Wenn die Ergebnisse ausbleiben, dann interessiert den Fan nicht mehr, ob ein Spieler das Tor verursacht hat, der aus Duisburg kommt oder aus Uerdingen oder sonst woher. Es gibt gute Möglichkeiten, eine Mannschaft über Transfers nach oben zu bringen, es gibt eine Möglichkeit, das über eine gute Jugendarbeit zu schaffen.“

Dass er jetzt in Duisburg Fuß fasst, gönne ich ihm von Herzen. (über Leroy-Jacques Mickels)

Generell ist der Duisburger Kader breit aufgestellt, der MSV dadurch in der Lage, auf Verletzungen wie im Moment zu reagieren. Kann das am Ende den Ausschlag geben, wenn es für den ganz großen Wurf, sprich den Aufstieg, reichen soll?
Steffen: „In erster Linie geht es um die Qualität im Kader und um die Ruhe im Verein. Wenn das zusammenkommt, ist es gut. Qualität bedeutet dann eben auch Qualität auf den Kaderplätzen zwölf bis 18 oder 20. Wenn der MSV das abrufen kann, dass immer wieder Impulse von der Bank kommen, dass dieser Zusammenhalt in der Mannschaft da ist, dann schafft Duisburg den Aufstieg.“

Der MSV hat den besten Angriff der Liga, einen großen Anteil daran hat Leroy-Jacques Mickels, den Sie früher in der U19 von Borussia Mönchengladbach betreuten. Welche Talente waren damals bereits bei ihm zu sehen?
Steffen: „Der Leroy war schon ein toller Fußballer. Er hat noch zwei Brüder, die Zwillinge und ein Jahr älter sind als er, alle drei hatte ich zusammen in der A-Jugend von Gladbach. Im Verein hieß es immer, dass Leroy das meiste Potential hat. Ich fand die Zwillinge Lance und Slayd aber auch ganz gut.

Leroy konnte sehr elegant mit dem Ball umgehen und hat Pässe gefunden, die andere nicht gesehen haben. Er hat immer wieder ein gutes Auge für die Offensive bewiesen und konnte sich aus engen Situationen mit seinen Dribblings immer wieder lösen.

Von daher war immer die Hoffnung da, dass sich der Junge da durchsetzt. Ich habe das aus der Ferne beobachtet, er war dann doch lange Zeit in der Oberliga, dass er jetzt in Duisburg Fuß fasst, gönne ich ihm von Herzen.“

Ich glaube, dass der MSV gewinnen wird. (über das Spiel am Montag)

Der beste Sturm der Liga trifft nun auf die formstärkste Defensive. Welche Spielphilosophie setzt sich durch?
Steffen: „Das weiß ich nicht (lacht). Ich bin immer für offensiven Fußball und immer froh, wenn es nach vorne geht und die Zuschauer Torszenen zu sehen bekommen. Es gibt ja die Philosophie, dass die Abwehr Meisterschaften gewinnt, das müsste man mal statistisch auswerten.

Ich glaube, dass eine gute Defensive ein Fundament bringen sollte an Sicherheit und Vertrauen. Trotzdem darf man darüber hinaus das Offensivspiel auch fördern.“

Zum Abschluss Ihr Tipp: Wie geht das Spiel aus?
Steffen: „Ich glaube, dass der MSV gewinnen wird. Die Zusammenstellung und Harmonie im Verein und speziell in der Mannschaft sind einfach da.“

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Steffen!

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