René Eckardt: „Darum wollte ich nicht in die Bundesliga“

Interview mit dem FCC-Kapitän

Rene Eckardt vom FC Carl Zeiss Jena beim Spiel gegen Fortuna Köln

Anführer. Der Jenenser René Eckardt ist aus dem Spiel des FCC nicht wegzudenken. ©Imago/Revierfoto

René Eckardt ist ein Paradebeispiel für Vereinstreue. Der Kapitän vom FC Carl Zeiss Jena schloss sich mit acht Jahren dem Verein an und hat diesen bis heute nie verlassen. 20 Jahre bei einem Club – eine absolute Seltenheit im Profifußball. Im Interview spricht der 28-Jährige über Vereinstreue, Angebote aus der Bundesliga und das Potential vom FC Carl Zeiss Jena.

Herr Eckardt, Ihre Mannschaft ist mit zwei Siegen stark in die Saison gestartet, wartet nun aber bereits seit fünf Spielen auf einen Sieg. Wie fällt nach dem 10. Spieltag Ihr Zwischenfazit aus?
René Eckardt: „Die beiden Auftaktsiege hatten natürlich für eine gewisse Euphorie gesorgt. Leider haben wir es in den Wochen danach verpasst, die guten Leistungen in gute Ergebnisse umzuwandeln. Wir haben zu viele Punkte liegengelassen. Dennoch würde ich von einem soliden Saisonstart sprechen.“  

Am Samstag steht nun das Auswärtsspiel bei KFC Uerdingen an, die als Aufsteiger auf dem dritten Tabellenplatz stehen. Wie schätzen Sie den Gegner ein?
Eckardt: „KFC Uerdingen hat viele bekannte Spieler und verfügt somit über viel individuelle Klasse und Erfahrung. Wir müssen als Team dagegenhalten, um endlich wieder einmal auswärts Punkte zu holen.“   

Jena war immer meine große Jugendliebe (über seine Verbindung zum FCC)

Der VfL Osnabrück führt die Tabelle an, Eintracht Braunschweig steht am Tabellenende, selbst der 1. FC Kaiserslautern tat sich lange schwer. Spielt die 3. Liga gerade verrückt?
Eckardt: „Was heißt verrückt? Die Liga ist einfach sehr ausgeglichen. In keinem Spiel gibt es einen echten Favoriten. Vereine mit höheren Ambitionen schnuppern in die Liga erst einmal hinein. Alles ist eng beieinander. Mit zwei, drei Siegen klettert man in der Tabelle weit nach oben. Genauso schnell geht es aber auch wieder bergab.“

Ist der Klassenerhalt in dieser Saison vielleicht noch schwieriger als in der vergangenen Saison, weil es eben vier Absteiger gibt und die Regionalliga-Aufsteiger sehr stark sind?
Eckardt: „Natürlich. Alleine die Tatsache, dass es vier Absteiger gibt, macht es sehr spannend. Man braucht diese Saison wohl mehr Punkte für den Klassenerhalt als sonst. Umso wichtiger ist es, möglichst früh viele Punkte zu sammeln.“  

Sie spielen für den FC Carl Zeiss Jena, seitdem Sie acht Jahre alt sind. War ein Vereinswechsel für Sie nie denkbar?
Eckardt: „Doch, es hätte durchaus zu einem Wechsel kommen können. Aber ich bin keinesfalls traurig darüber, immer bei diesem Verein gespielt zu haben. Auch in schwierigen Phasen standen die Verantwortlichen immer hinter mir. Zudem bin ich froh, hier so viel spielen zu können. Jena war immer meine große Jugendliebe.“

Zu welchen Vereinen stand ein Wechsel im Raume?
Eckardt: „Das ist schon einige Jahre her. Nach meinem ersten Jahr bei den Profis waren einige Bundesligisten an mir interessiert, Hannover und Schalke. Aber ich habe damals die Entscheidung getroffen, in Jena zu bleiben und Spielpraxis zu sammeln.

Zumal ich hier mein privates Umfeld und die Schule hatte. Damals hatte Jena als Zweitliga-Absteiger auch noch höhere Ziele. Wir wollten unbedingt wieder hoch. Auch wenn das nicht geklappt hat, bin ich immer gerne hiergeblieben – auch wegen meines Studiums.“

Zweikampf zwischen Maik Wagefeld und Rene Eckardt

Lang ist’s her. Im Oktober 2008 feierte Rene Eckardt (r.) für den FCC beim 0:0 gegen Dynamo sein Profi-Debüt. ©Imago/Picture Point

Haben Sie es nie bereut, nicht Ihr Glück in der Bundesliga versucht zu haben?
Eckardt: „Natürlich fragt man sich, wie es dort gewesen wäre. Letztendlich kann mir aber niemand versichern, dass es in Hannover oder auf Schalke besser gelaufen wäre – gerade auch mit meinen Verletzungen. Von daher blicke ich nicht nach hinten, sondern lieber nach vorne.“  

Das lebe ich hier im Verein vor (über Identifikation)

Fällt es Ihnen schwer zu akzeptieren, wenn andere Fußballspieler sich überhaupt nicht mit ihrem Verein identifizieren und stattdessen immer nach dem nächstbesten Angebot schauen?
Eckardt: „Für mich ist es eine Grundvoraussetzung, dass man sich mit seinem Verein identifiziert und alles gibt. Das lebe ich hier im Verein auch vor, gehe vorneweg und ziehe meine Mitspieler mit. Würde mir als Kapitän auffallen, dass sich jemand nicht mit seinem Wappen identifiziert, würde ich das sofort ansprechen. Aber das war bislang nicht nötig. Wir sind eine junge und hungrige Mannschaft und wollen uns weiterentwickeln.“

FC Carl Zeiss Jena hat als dreifacher DDR-Meister und ehemaliger Zweitligist eine große Vergangenheit. Welches Potential steckt in diesem Verein, wenn man einige Jahre in die Zukunft blickt?
Eckardt: „Als Traditionsverein hat Jena großes Potential. Das spürt man vor allem, wenn größere Spiele wie im DFB-Pokal oder Aufstiegsspiele anstehen. Dafür lassen sich viele Zuschauer mobilisieren.

Sicherlich trauern viele Menschen hier noch den alten erfolgreichen Zeiten hinterher. Ich glaube aber, dass der Verein mit einem neuen Stadion in den nächsten Jahren den nächsten Schritt machen kann.“  

Die Stadt Jena hat 110.000 Einwohner. Der Verein hat Geschichte, und es gibt keinen anderen Profiverein in der nahen Umgebung. Trotzdem ist der Zuschauerschnitt mit 6.361 nur Liga-Mittelmaß. Sind die Menschen in Jena schwer zu begeistern?
Eckardt: „Wenn man sich die Zahlen anschaut, kann dieser Eindruck entstehen. Andererseits aber müssen wir zugeben, dass unser Stadion schwierige äußere Bedingungen hat. Es gibt zum Beispiel nur eine überdachte Tribüne. Das spielt alles mit hinein. Wenn wir ein neues Stadion haben und auch die sportliche Leistung stimmt, ist hier einiges möglich.“  

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Eckardt!

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