Rot-Weiß Erfurt: Interview mit Christoph Menz

"Der Verein ist im Schwebezustand "

Christoph Menz im Trikot von Rot Weiß Erfurt

Wie viele ratlos, wie es mit RWE weitergeht: Christoph Menz ©Imago/Karina Hessland

Christoph Menz geht seit über drei Jahren als Führungsspieler in Erfurt voran und hat anfängliche Höhen sowie aktuelle Tiefen bei RWE erlebt. Im Interview mit Liga-Drei.de spricht der 28-Jährige über die kommende Partie gegen Meppen, die unsichere wirtschaftliche Situation des Vereins und einen möglichen Winter-Wechsel.

Herr Menz, seit Juli 2014 kicken Sie in Erfurt, momentan erlebt der Verein seine schwierigste Phase. Was stimmt Sie dennoch optimistisch?
Christoph Menz: „Momentan ist es schwer, etwas Positives zu finden, das muss man ganz ehrlich so sagen. Die Ergebnisse stimmen einfach noch nicht und die Unruhe, die von extern kommt, spielt natürlich auch mit rein.

Nichtsdestotrotz ist die dritte Liga dafür bekannt, dass du in jedem Spiel die Chance hast, zu gewinnen, egal auf welchem Tabellenplatz der Gegner steht.“

Welchen Einfluss hatten die Trainerwechsel auf die Leistungen der Mannschaft?
Menz: „Es waren von der Herangehensweise und vom Typ her drei unterschiedliche Trainer. Jeder hatte seinen eigenen Ansatz, was die Spielweise betrifft. Aber jeder Wechsel braucht seine Zeit. Wir hoffen, dass wir jetzt einen guten Weg gehen können.“

Legt sehr viel Wert auf eine gute Grundordnung (über den neuen Coach Stefan Emmerling)

Was macht der neue Coach Stefan Emmerling bislang anders als seine Vorgänger?
Menz: „Er bringt einfach eine andere Philosophie mit und legt dabei sehr viel Wert auf eine gute Grundordnung gegen den Ball, um erstmal eine gewisse Sicherheit herzustellen. Von da aus sollen Aktionen nach vorne gestartet werden, einzelne Nadelstiche sozusagen. Aber dass das unser großes Manko ist, sieht man ja an unseren geschossenen Toren. Das ist jetzt kein neues Problem.“

Gibt es schon einen genauen Plan, wie Erfurt mehr Zug zum Tor entwickeln will?
Menz: „Auf der Taktiktafel schon. Die Umsetzung ist aber nochmal etwas ganz anderes. Durch einen Trainerwechsel funktioniert nicht alles von heute auf morgen perfekt, sondern das braucht Zeit. Diese Zeit hat man in diesem Geschäft einfach oft nicht.

Deswegen müssen wir einfach mal in Führung gehen, in dieser Liga ist das ja fast schon die halbe Miete. Das würde uns guttun, dann könnten wir den Gegner einfach mal kommen lassen.“

Trotz des Tabellenplatzes haben wir eine gute Teamchemie (über den Zusammenhalt bei RWE)

Sie haben bereits 124 Spiele für RWE bestritten, die meisten davon an der Seite von Carsten Kammlott. Wie versuchen Sie beide als Führungsspieler, die Mannschaft wieder in die Spur zu bringen?
Menz: „In erster Linie durch Gespräche. Trotz des Tabellenplatzes haben wir eine gute Teamchemie. Letztendlich zählen aber nur Erfolge und die schweißen eine Mannschaft dann noch mehr zusammen. Wenn diese Siege ausbleiben, kannst du reden soviel du willst, letztlich fehlt einfach ein Erfolgserlebnis.“

In der kommenden Partie kommt der unangenehme Aufsteiger Meppen ins Steigerwaldstadion. Sie sind gesperrt. Wie können Sie dennoch auf die Mannschaft einwirken?
Menz: „Ich werde vor dem Spiel wie immer an der Mannschaftssitzung teilnehmen, aber großartig was sagen werde ich nicht. Wenn ich über ein paar Spieler etwas Besonderes weiß, dann werde ich das demjenigen sagen, aber ich will da nicht zu viel reinquatschen.“

Die werden schon sehr wahrgenommen (über die Querelen in der Führungsetage)

Auf wen muss RWE denn bei Meppen aufpassen?
Menz: „Das ist eine gute, eingespielte Mannschaft, die noch von der Aufstiegseuphorie zehrt. Sie haben ein gutes Offensivspiel, wollen viele Situationen spielerisch lösen. Vorne haben sie drei richtig gute Spieler. Benny Girth kenne ich selbst noch aus Magdeburger Zeiten. Mit seinem Torriecher ist er absolut gefährlich.“

Unruhig war es in den letzten Wochen in der Führungsetage. Wie sehr werden die Querelen im Vorstand innerhalb der Mannschaft wahrgenommen?
Menz: „Die werden schon sehr wahrgenommen. RWE ist unser Arbeitgeber und es ist unsere Pflicht zu wissen, wie es um die Zukunft des Vereins steht. In den 90 Minuten auf dem Platz ist das jedoch überhaupt kein Thema.

Das ist jetzt nicht nur so dahergesagt, es zählt dann wirklich nur das Spiel. Dass man unter der Woche allerdings etwas darüber liest, miteinander spricht und dadurch verarbeitet, das ist aus meiner Sicht ganz legitim.“

Bis zum Winter identifiziere ich mich zu 100 Prozent mit dem Verein (über seine Zukunft)

Gab es Erklärungen von der Vereinsspitze gegenüber der Mannschaft bezüglich der unklaren wirtschaftlichen Situation?
Menz: „Der alte sowie der neue Präsident waren da. Beide haben etwas zur Lage gesagt, aber auch danach standen, wie für so viele im Verein, noch offene Fragen im Raum. Die werden hoffentlich zeitnah geklärt.“

Sie verlängerten Ihren Vertrag im Sommer vorzeitig bis 2020. Wie sehr identifizieren Sie sich mit RWE, auch möglicherweise in Liga vier?
Menz: „Bis zum Winter identifiziere ich mich zu 100 Prozent mit dem Verein. Alles was darüber hinaus passiert, kann ich nicht beurteilen. Es ist vieles möglich. Man fragt immer nach beim Verein, wie es weitergeht, aber wie eben bereits erwähnt, konnten keine abschließenden Antworten gegeben werden. Je nachdem werde ich mich dann entscheiden.“

Das einzige was momentan konstant ist in Erfurt, ist der Zuschauerzuspruch. Wie sehr hilft die Unterstützung der Fans momentan?
Menz: „Die Unterstützung der Fans ist uns enorm wichtig, gerade in den Heimspielen. Wobei man auch sagen muss, dass wir unsere Zuschauer nicht gerade verwöhnt haben. Die Fans sehen ja auch auf die Tabelle, dementsprechend ist die Stimmung im Moment eher geknickt. Auch sie haben viele Sorgen, wie es mit dem Verein weitergeht.

Der Verein ist im Schwebezustand und wie das ausgeht, ist ungewiss. Wir können nur gemeinsam mit den Fans bestehen und sind in der Pflicht unser Bestmögliches zu geben. Ist das der Fall, werden die Fans das auch entsprechend honorieren und dann können wir hoffentlich auch wieder positive Schlagzeilen über RWE lesen.“

Herr Menz, vielen Dank für das Interview!

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