Viktoria Köln: Interview mit Roland Koch – Teil 2

"Das Element Freude sollte überwiegend die Antriebsfeder allen Tuns sein."

Roland Koch im Training.

Roland Koch gibt seinen Erfahrungsschatz an die Jugendtrainer von Viktoria Köln weiter. ©imago images/Eduard Bopp

Seit rund zwei Jahren ist Roland Koch als Leiter der Nachwuchsabteilung bei Viktoria Köln tätig. Im ersten Teil des Interviews sprach er mit Liga-Drei.de über die Strategie des Klubs bei der Talentförderung, im zweiten Teil geht es um die U-Mannschaften und die Anforderungen an Trainer im Jugendbereich.

Herr Koch, Sie sprachen z.B. mangelnde Freiräume bei der Jugendförderung an. Was wollen Sie im NLZ anders machen?
Roland Koch: „Wir bilden aus im Grundlagenbereich (U7-U11), im Aufbaubereich (U12-U15) und im Leistungsbereich (U16-U19). Wir haben festgestellt, dass es in den Ausbildungsstufen von der U7 bis zur U15 eine viel zu frühe Ergebnisorientierung gibt. Gerade in diesen Altersbereichen muss die Prozess-/Entwicklungsorientierung im Vordergrund stehen.

Hier gilt es kreatives, variables, selbstbewusstes, mutiges, überraschendes Verhalten zu verstärken und ab der U16 rückt dann der Focus mehr und mehr auf das Ergebnis, das Gewinnen hin. Im Leistungsbereich muss die Ergebnisorientierung im Vordergrund stehen. Denn Profifussball ist und bleibt ein Ergebnissport.

Wir versuchen sowohl bei Spielern als auch bei Trainern nicht zu früh Druck aufzubauen. Das Element Freude sollte überwiegend die Antriebsfeder allen Tuns sein. Erst im Leistungsbereich erlernen wir den Umgang mit Drucksituationen. In diesem Altersbereich akzeptieren wir nicht nur Druck, nein, wir suchen ihn sogar.

Weiterhin wird im heutigen Profifussball oft ein Mangel an Führungsspielern, an Spielerpersönlichkeiten beklagt. Unsere Trainer sind angehalten, im Trainingsprozess Bedingungen zu schaffen, die die Entwicklung von Führungsspielern bzw. Unterschiedsspielern fördern, z.B. durch das Schaffen einer Bolzplatzatmosphäre. Gerade diese sogenannten Freiraum-Bedingungen haben in den letzten Jahrzehnten eine große Menge an außergewöhnlichen deutschen Nationalspielern hervorgebracht.

Darüberhinaus müssen die Spieler selbst die Möglichkeit haben, eigenverantwortlich Trainingsabläufe mit zu gestalten und Lösungen zu erarbeiten. All unsere Maßnahmen zielen darauf ab, schnellere Lernfortschritte zu erzielen.“

Im Aufbaubereich folgt dann das Judotraining. (über das sportliche Konzept)

Die U13, U15 und U19 sind jeweils Meister geworden, die U19 spielt damit nächste Saison in der A- Junioren- Bundesliga. Erntet der Club bereits die Früchte der Arbeit?
Koch: „Meisterschaften sind auch im Nachwuchsbereich immer motivierend und geben allen Beteiligten einfach ein überwältigendes positives Gefühl. Für den Leistungsbereich ist es wichtig, in den höchsten Ligen zu spielen, damit sich unsere Spieler mit den besten Spielern Deutschlands messen können.

Aber noch viel wichtiger für gute Nachwuchsarbeit ist die Tatsache, dass unsere Jugendspieler es zum Profispieler geschafft haben. So haben wir insofern die Früchte unserer Arbeit geerntet , als dass in dieser Saison zwei Nachwuchsspieler aus unserer U19 einen Profivertrag für die erste Mannschaft erhalten haben.“

Welche Verbesserungen in den unteren Altersklassen müssen Ihrer Meinung nach geschehen?
Koch: „Unser sportliches Konzept ist schon in sich schlüssig aufgebaut. z.B. beginnen wir mit unseren Kleinsten im Grundlagenbereich neben dem Fussballspielen auch mit dem Turnunterricht zur frühen Verbesserung ihrer Gewandtheit. Im Aufbaubereich folgt dann das Judotraining, im Leistungsbereich folgen Maßnahmen, die mehr Mut erfordern bzw. die Körperlichkeit herausfordern.

Aber in den unteren Altersklassen müssen wir besonders die Beeinflussung der Kinder durch ihre Eltern am Spielfeldrand eindämmen. Dafür führen wir unter anderem Aufklärungselternabende durch.“

Natürlich müssen sie Experten auf ihrem Gebiet sein. (über das Anforderungsprofil an Jugendtrainer)

Welche Anforderungen haben Sie an die Trainer im Jugendbereich?
Koch: „Meine Trainer müssen leidenschaftlich, selbstbewusst, lernbegierig, innovativ, kommunikativ und teamfähig sein. Sie müssen auch zulassen können, vor allem im Gedankenaustausch. Und natürlich müssen sie Experten auf ihrem Gebiet sein. Wir haben eine sehr gute Mischung an Trainern, die an der Deutschen Sporthochschule ausgebildet wurden und Trainern, die ehemalige Profispieler waren wie z.B. Jürgen Kohler.

Er war damals mein Spieler als ich Profitrainer beim 1. FC Köln war. Jürgen verkörpert all die Tugenden, die den Deutschen Fußball groß gemacht haben und kann als Welt- und Europameister und CL- Sieger unseren U19-Spielern zum Abschluss ihrer Jugendzeit noch all das vermitteln, was einen erfolgreichen Profispieler ausmacht, bevor sie in den Seniorenbereich wechseln.“

Ich bin natürlich mehr darauf aus, positive Dinge zu entdecken. (über die Zusammenarbeit mit einem Trainer)

Wie helfen Sie mit Ihrer Erfahrung den eigenen Trainern?
Koch: „Als Leiter eines Nachwuchsleistungszentrums ist es wichtig, zuerst im gesamten Mitarbeiterstab einen Traum zu wecken. In den Mitarbeitern ein Feuer zu entfachen für ein Ziel, an das sie nie vorher gedacht hatten. Das geht nur , wenn man selbst mit großer Leidenschaft an die Aufgabe herangeht, d.h. wenn in einem selbst ein Feuer brennt, denn nur dann kann ich es bei anderen auch entfachen.

Darüberhinaus ist es wichtig, nicht als Besserwisser aufzutreten, sondern sich so zu verhalten , dass meine Trainer mich als Begleiter, als Mentor ihrer Karriere verstehen. In meiner Funktion kann ich mir Trainingseinheiten meiner Spieler unbelastet und ohne irgendwelchen Stress ansehen und erkenne dann zum Beispiel, dass die Redezeit meines Trainers und damit die Standzeit unserer Spieler viel zu lang ist. Der methodische Aufbau der Trainingseinheit nicht effektiv genug ist. Der Faktor Freude viel zu kurz kommt usw. Aber ich bin natürlich mehr darauf aus, positive Dinge zu entdecken, die ich dann später verstärken kann.

Besonders durch meine langjährige Tätigkeit als Trainer bei Spitzenmannschaften im In- und Ausland, verbunden mit dem Erreichen von Meisterschaften, habe ich erfahren, was letztendlich einen Profispieler auf höchstem Niveau , also einen CL-Spieler ausmacht. Diese Erfahrungen habe ich natürlich in unser sportliches Konzept einfließen lassen und achte darauf, dass die Erkenntnisse von meinen Trainern in der täglichen Trainingsarbeit berücksichtigt werden.

Als scheinbar Unbeteiligter in der Kabine bei Spielbesprechungen oder in der Halbzeitpause fallen mir auch kleine Details auf, die ich dann zum richtigen Zeitpunkt und mit sehr viel Fingerspitzengefühl an meine Trainer weitergebe. Das nennt sich dann Bündelung der Kräfte und ist intelligentes Verhalten aller Beteiligten. Und macht letztendlich den Meister aus. Christoph Daum und ich waren da ein kongeniales Duo. Meine Motivation selbst ziehe ich dann daraus, wenn die Trainer kommen und fragen, ‚Roland, was hast Du gesehen oder was kann ich noch verbessern‘?“

Ein Trainer bräuchte unbedingt einen Mentor. (über Hilfestellungen für Übungsleiter)

Müssten sich mehr Trainer von außen neutral beobachten lassen?
Koch: „Da ich jetzt nahezu 30 Jahre als Trainer, sowohl als Assistenztrainer als auch Cheftrainer bzw. Sportdirektor im obersten Bereich und jetzt als Nachwuchschef gearbeitet habe, muss ich eindeutig sagen, dass ein Trainer unbedingt einen Mentor bräuchte. Einen Mentor, der die Mosaiksteinchen für Erfolg genau kennt, der dem Trainer wichtige Hinweise bzgl. seines Verhaltens, im Hinblick auf Mannschaftsführung, Trainingssteuerung, Coaching, Umgang mit Vorstand, Geschäftsführung, Presse, Fans, Öffentlichkeit gibt.

Der dem Trainer vor allem das Gefühl gibt, dass er durch ihn stärker wird. Heutzutage sind alle Trainer im obersten Bereich gut ausgebildet, aber die letzten 5%, die letztendlich den Meister ausmachen, werden oft durch intelligente Maßnahmen entschieden. Die Grundvoraussetzung für eine derartige erfolgsorientierte Entscheidung hängt allerdings vom Selbstbewusstsein des jeweiligen Trainers ab. Er muss eine wesentliche Stärke mitbringen, er muss ‚Zulassen Können‘.“

In Kürze kommt der dritte Teil des Interviews, in dem Roland Koch über seine Hospitanz beim FC Liverpool spricht.

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