1.FC Kaiserslautern: Interview mit Ex-Keeper Florian Fromlowitz

"Als Lauterer bin ich immer noch mit dem Herzen dabei"

Drückt dem FCK am Montag die Daumen: Ex-Keeper Florian Fromlowitz hat Kaiserslautern nach wie vor im Herzen. ©imago images/Sven Simon

Florian Fromlowitz wurde in Kaiserslautern geboren, verbrachte seine gesamte Fußball-Jugend beim FCK und schaffte 2005 den Sprung in die erste Mannschaft, die er 2008 Richtung Bundesligist Hannover 96 verließ. Nach weiteren Stationen im deutschen Profi-Fußball hat der Keeper seine Laufbahn vor knapp zwei Jahren verletzungsbedingt beenden müssen. Vor der Partie seines Heimatklubs Kaiserslautern am Montag in Wehen Wiesbaden, wo Fromlowitz in der Saison 2014/15 spielte, sprach der 32-Jährige mit Liga-Drei.de über die aktuelle Lage beim FCK und Erfahrungen aus seiner Profi-Karriere.

Herr Fromlowitz, Sie mussten Ihre Karriere mit 30 Jahren verletzungsbedingt beenden. Wie lief die Umstellung auf ein Leben ohne Profi-Fußball?
Florian Fromlowitz: „Die ist noch in vollem Gange. Vom Profi-Fußball nach über 13 Jahren komplett loszulassen fällt einem nicht leicht und es ist nicht einfach, das von heute auf morgen zu realisieren. Ich komme inzwischen aber gut zurecht, auch mit der Infektion im Knie weiß ich immer besser umzugehen. Zeit mit meiner Familie zu verbringen hilft mir dabei sehr. Beruflich bin ich noch in der Findungsphase und absolviere aktuell eine Ausbildung zum Sport- und Fitness-Kaufmann. So bin ich dem Sport noch verbunden.“

Was könnten Sie sich für Ihre Zukunft vorstellen?
Fromlowitz: „Da denke ich in viele Richtungen. Ich möchte jetzt erstmal viel Zeit mit meinen Kindern verbringen, solange sie noch in dem Alter sind, in dem sie nicht zur Schule gehen. Deshalb bleibe ich auf jeden Fall hier in der Heimat. Die Jugendarbeit interessiert mich. Momentan mache ich beim SV Steinwenden das Torwart-Training der Jugend und der ersten Mannschaft in der Verbandsliga, was mir sehr viel Spaß macht. Mit zwei Mal in der Woche ist das auch das Maximum, was neben der Ausbildung zeitlich möglich ist. Nach der Ausbildung schaue ich dann mal, in welche Richtung es mich verschlägt.“

Er hält sein Training seit Jahren auf Topniveau (über Gerry Ehrmann)

Wie erleben Sie Profi-Fußball heutzutage?
Fromlowitz: „Ich verfolge das Geschehen immer noch, auch wenn ich mit keiner Regelmäßigkeit Spiele schaue. Durch Freunde und Familie bekomme ich zum Beispiel viel mit, was den FCK betrifft. Als Lauterer bin ich immer noch mit dem Herzen dabei, was mich teilweise betrübt, wenn man sieht, was gerade los ist. Aber auch zu meinem Kumpel Jan Schlaudraff, der jetzt in Hannover in einer verantwortungsvollen Position ist, habe ich noch Kontakt. Das sind ja auch die beiden Vereine, die meine Karriere am meisten geprägt haben.“

Bei einem Torhüter, der beim FCK groß wurde, muss die Frage nach Gerry Ehrmann kommen: Was bringt er jungen Torhütern bei, was kein anderer kann?
Fromlowitz: „Die Frage ist absolut berechtigt. Wir werden ja alle mit ihm in Verbindung gebracht. Bei jedem Spiel werden alle Torhüter genannt, die Gerry Ehrmann ausgebildet hat: Tobias Sippel, Kevin Trapp, Roman Weidenfeller, Tim Wiese, Julian Pollersbeck.

Die Lobby hat sich Gerry über die Jahre erarbeitet, weil er jungen Torhütern die Grundtugenden mitgibt, ihnen hilft, die anfängliche Angst und Nervosität zu verlieren. Auch sein Training und seine Übungen hält er seit Jahren auf Topniveau. Das habe ich selbst erlebt und es hat mir gerade zu Beginn sehr geholfen. Deswegen hat Gerry den Namen, den er heute hat.“

Was wäre das Wichtigste, was Sie rückblickend einem jungen Profi mit auf den Weg geben würden?
Fromlowitz: „Mir wären die Tugenden abseits des Sports wichtig, das vermisse ich ein wenig. Die Jungs sind heute alle auf das Geschäft ausgerichtet, sie können das Leben – durch das Internet und Medien ständig beobachtet – nicht mehr so leben, wie es noch zu meiner Zeit möglich war.

Sie sollten selbst einen gewissen Charakter entwickeln und auch außerhalb des Sports selbständig im Leben stehen. Den Jugendlichen im NLZ wir heute viel abgenommen, da gibt es außer Fußball nichts anderes mehr. Ich will meinen Kindern mitgeben, dass sie auf die schulische Laufbahn achten sollen und im normalen Alltag zurechtkommen. Wenn die Chance da ist, Fußballprofi zu werden, sollte man sie ergreifen, aber sich auch parallel ein zweites Standbein aufbauen.“

Der Verein hat sich ein bisschen in einer Scheinwelt bewegt (über den Absturz des FCK)

Sie erlebten 2008 mit dem FCK auch den Fast-Abstieg in die 3. Liga, der inzwischen Realität wurde. Warum konnte der FCK sich nicht mehr in der 2. Liga behaupten?
Fromlowitz: „Es ist über Jahre wirtschaftlich und sportlich bergab gegangen. Der große Knall wäre vielleicht 2008 von Vorteil gewesen. So hat man das Problem, dass der FCK zwischendurch nochmal in der Bundesliga war und wieder abstieg. Dadurch hat man sich ein bisschen in einer Scheinwelt bewegt und geglaubt, der Verein kommt irgendwie wieder hoch.

Wenn die finanziellen Mittel aber wie im Moment limitiert sind, ist es schwer, das zu realisieren. Ich kann dem Verein nur alles Gute wünschen und hoffen, dass sie irgendwie die Kurve kriegen.

Ich sehe es aber sehr kritisch, weil zu viele Faktoren zusammenkommen. Die Lizenz, die sportliche Anpassung an die Liga, da müssen sie die Ansprüche runterschrauben. Aber die Zeit für das alles ist nicht mehr da, wie sie es vielleicht 2008 noch gewesen wäre.“

Florian Fromlowitz und Tobias Sippel beim Spiel Wehen Wiesbaden vs FCK

Mit dem SV Wehen Wiesbaden traf Florian Fromlowitz (l.) 2014 im DFB-Pokal auf seinen Heimatklub FCK. ©imago images/Hartenfelser

Die 3. Liga haben Sie dann selbst mit dem SV Wehen Wiesbaden kennen gelernt. Welche besonderen Anforderungen hat die Spielklasse im Gegensatz zu den ersten beiden Ligen?
Fromlowitz: „Man merkt jetzt, dass auch Mannschaften wie Osnabrück, die vor der Saison keiner auf dem berühmten Zettel hatte, richtig guten Fußball spielen können. Karlsruhe und Halle kommen mit Robustheit, sind nicht leicht zu bespielen. Die Liga ist so ausgeglichen, dass sich hinter Osnabrück keiner richtig absetzen kann.

Auch mein anderer Ex-Verein Wehen Wiesbaden hat die Chance aufzusteigen, muss aber zeigen, dass er zum Saisonende hin die notwendige Stabilität hat. In keinem Spiel gibt es einen klaren Favoriten. Das macht die Liga so gefährlich.“

Das Trainingsgelände in Wehen Taunusstein ist bereits erstligareif (über die Bedingungen beim SVWW)

Am Montag treffen Ihre beiden Ex-Klubs aufeinander. Der SVWW ist Aufstiegskandidat, der FCK braucht sogar noch Punkte für den sicheren Klassenerhalt. Wie sah Ihre Prognose vor der Saison aus?
Fromlowitz: „Wehen Wiesbaden hatte ich schon auf dem Zettel, sah den FCK aber auch weiter oben in der Tabelle. Jetzt müssen sie sogar noch aufpassen, dass nicht noch der absolute GAU passiert. Das macht das Spiel interessant. Das Hinspiel war eines der wenigen Spiele, welches ich live im Stadion miterlebt habe. Da war der FCK auch in einer ganz prekären Situation, Wehen Wiesbaden hätte eigentlich gewinnen müssen, es ging aber 0:0 aus. Es wird wieder ein enges Spiel, weil beide eben noch Punkte brauchen.“

Das Stadion in Wiesbaden wird ausnahmsweise einmal voll sein. Ein Nachteil für den SVWW, der kleinere Kulissen gewohnt ist?
Fromlowitz: „Die Jungs sind es schon gewöhnt. Ich habe dort ja selbst erlebt, dass Mannschaften mit großer Fan-Basis eben viele Zuschauer mitbringen. Es ist zwar ungewohnt, als Heimmannschaft mehr Auswärtsfans zu haben, aber die Spieler können das schon richtig einschätzen. Aber klar: Es ist ein Heimspiel für den FCK.“

Warum ist es so schwer, die Leute in und um Wiesbaden in die Brita-Arena zu locken, obwohl attraktiver Fußball geboten wird?
Fromlowitz: „In den letzten Jahren war es durch zahlreiche Erstligisten wie Darmstadt 98, Eintracht Frankfurt und Mainz 05 so, dass sich der Fußball in der Region eher auf diese Vereine konzentriert hat. Ich denke aber, wenn Wehen Wiesbaden wieder in die 2. Liga kommt, könnte es nochmal andere Dimensionen annehmen. Das Stadion wird ja ausgebaut, Pläne und Strukturen sind da. Das Trainingsgelände auf dem Halberg in Wehen Taunusstein ist bereits erstligareif.“

Wo schauen Sie sich die Partie am Montag an?
Fromlowitz: „Ich werde versuchen, mir das Spiel anzusehen. Da ich zum Zeitpunkt des Anpfiffes um 19:00 Uhr allerdings meistens noch damit beschäftigt bin, mich um meine Kinder zu kümmern, solange diese noch nicht im Bett sind, denke ich, dass ich nicht das komplette Spiel sehen werde.“

Trotzdem ein Tipp: Wer geht als Sieger vom Platz?
Fromlowitz: „Ich wünsche dem FCK die Punkte, die er noch braucht. Von daher bin ich beim FCK und sage ein enges 2:1 voraus.“

Vielen Dank für das Interview, Herr Fromlowitz!

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