Almedin Civa: „Abdulkadir Beyazit ist ein Straßenfußballer“

Interview mit dem Babelsberger Trainer

Bislang wurde Abdulkadir Beyazit erst in fünf Partien eingewechselt.

Wartet noch auf seine erste Startelf-Nominierung: Cottbus‘ Abdulkadir Beyazit. ©Imago/Steffen Beyer

Fünf Einsätze absolvierte Abdulkadir Beyazit seit seinem Wechsel im Sommer vom SV Babelsberg erst für Energie Cottbus. Zu Saisonbeginn setzte ihn ein Muskelbündelriss außer Gefecht, der 22-Jährige kam bislang lediglich als Einwechselspieler zum Zug.

Mit seinem ehemaligen Trainer Almedin Civa sprachen wir über seine Torquote im Vorjahr, seine Entwicklung in Babelsberg und den gestiegenen Druck durch den Wechsel in die 3. Liga.

Herr Civa, Sie sind seit fast sechs Jahren als Verantwortlicher für den sportlichen Bereich beim SV Babelsberg 03. Wieso holten Sie 2016 Abdulkadir Beyazit zum Verein?
Almedin Civa: „Wir kannten ihn schon aus der Jugend von Viktoria Berlin, wo er mal Torschützenkönig wurde. Ich habe seinen Weg dann weiterverfolgt. Bei den Herren von Viktoria hat er kaum gespielt. Dann haben wir ihn zu uns geholt. Apo brachte seinen starken Torschuss und seine Kaltschnäuzigkeit bereits mit. Im zweiten Jahr hat es dann richtig gut funktioniert.“

Zwölf Tore und vier Vorlagen gelangen ihm in 24 Spielen der vergangenen Saison. Hat er etwas umgestellt, oder wieso lief es plötzlich so gut?
Civa: „Er hatte starke Stürmer wie Andis Shala vor sich und konnte sich zunächst nicht gegen die Konkurrenz durchsetzen. Im Herbst hat er dann seine Chance bekommen und sie genutzt. Er hat fast alles getroffen.

Selbst in den Spielen, in denen er nicht so gut war, weil er vor dem Tor eiskalt ist. Ab diesem Zeitpunkt war er aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Sein Weg führte ihn ja schließlich zu Energie Cottbus.“

Er hat eben diese Fähigkeit, aus kleinsten Chancen ein Tor zu machen. (über Beyazits Qualitäten)

Wie verfolgen Sie ihn dort?
Civa: „Ich verfolge alle meine Ex-Spieler oder ehemaligen Teamkameraden. Am Anfang hatte er ein bisschen Verletzungspech, dann kam er auf ein paar Einsätze, wenn auch nicht von Anfang an. Die Umstellung von der vierten auf die dritte Liga ist schon groß. Bei Energie hat Apo im Angriff außerdem starke Stürmer vor sich.“

Trotz des großen Konkurrenzkampfs im Sturm: Was kann er Cottbus geben, was Energie weiterhilft?
Civa: „Dass Cottbus gegen den Abstieg spielt, war von Anfang an klar. Das ist für den Trainer und den Verein schwierig. Sie müssen zusehen, dass sie Punkte holen. Daher ist es jedem einzelnen Spieler selbst überlassen, wie viel er kämpft und investiert, um zu spielen.

Wie gesagt, die Konkurrenz ist groß, aber er hat eben diese Fähigkeit, aus kleinsten Chancen ein Tor zu machen. Er ist zwar nicht der schnellste, also auch kein optimaler Konterstürmer. Wenn er aber in der Nähe des Sechzehners ist, kann er mit seiner guten Ballbehandlung und seiner Kaltschnäuzigkeit wertvoll sein.“

Babelsberg-Trainer Almedic Civa (r.) im Gespräch mit seinem Angreifer Abdulkadir Beyazit.

Unter Almedin Civa (r.) erzielte Abdulkadir Beyazit in 29 Einsätzen zwölf Treffer. ©Imago/opokupix

Anders als viele andere Profifußballer durchlief Beyazit kein Nachwuchsleistungszentrum. Wie kommt ihm das zugute?
Civa: „Apo ist ein Kreuzberger Junge, ein Straßenfußballer. Gleichzeitig ist er ein ruhiger Mensch, dem du viel Selbstvertrauen geben musst. Im Profifußball ist das aber schwierig. Da musst du auf den Punkt da sein. Apo hatte bei uns auch nachdenkliche Phasen. Dann war er ein, zweimal auf der Tribüne und auf einmal gab er sich diesen Ruck, überzeugte uns in der Vorbereitung und hörte einfach nicht mehr auf zu treffen.

Finanziell können wir mit vielen Vereinen in der Regionalliga nicht mithalten. (über den SV Babelsberg)

Auch jetzt muss er weiter an sich arbeiten, wofür die Bedingungen in Cottbus sehr gut sind. Wie bei uns damals muss er auf seine Chance warten und explodieren. Man darf aber auch den Druck nicht vergessen. Der ist in der dritten Liga nochmal ein ganz anderer als in der Regionalliga.“

Sie selbst sind weiterhin Trainer beim SV Babelsberg. Wie lauten Ihre Ziele mit dem Verein?
Civa: „Wir haben jedes Jahr einen Umbruch in der Mannschaft. Uns verlassen immer circa fünf bis sechs Stammspieler, wie im Sommer Beyazit, Shala oder Tino Schmidt. Wir holen neue Kicker, entwickeln sie und das gelingt uns bisher auch in dieser Saison sehr gut, wie man an den Beispielen Tom Nattermann oder Pieter Wolf sehen kann. Finanziell können wir mit vielen Vereinen in der Regionalliga Nordost nicht mithalten, deswegen gehen wir eben andere Wege.

Wir haben mit Schulden angefangen und diese abgebaut, die Leute im Umfeld haben für den Verein sehr viel gearbeitet. Langfristig wollen wir versuchen, oben anzugreifen. Wir werden jetzt aber einen Teufel tun und den Wahnsinn mitmachen, den andere Vereine veranstalten. Wir schauen auf uns selbst und versuchen, den Verein stabil zu halten. Das ist er im Moment und deshalb bin ich auch zufrieden, wie es läuft.“

Herr Civa, vielen Dank für das Gespräch!

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