Chapeau 2019, Bernhard Trares

Die besondere Leistung dieses Fußball-Jahres

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Freitag, 27.12.2019 | 13:54

Bernhard Trares von Waldhof Mannheim

Allen Grund zur Zufriedenheit: Das Jahr lief großartig für Bernhard Trares. ©Imago images/foto2press

Auch heute noch können Bernhard Trares Stimmungen erreichen, in denen hörbar deutlich wird, wie er früher selbst Fußball gespielt hat: Herb, derb und beinhart ist er zur Sache gegangen, um sein sportliches Ziel, nämlich das eigene Tor schadlos zu halten, niemals aus den Augen zu verlieren. Trares kennt keinen Kompromiss für seine Faustregel: Erst hart arbeiten, dann – vielleicht – darüber reden.

Genauso konsequent verteidigt Trares, inzwischen 54 Jahre alt, seine Grundsätze heute als Trainer. Mehr noch: Mit dem Blick auf das gesamte Fußballjahr 2019 ist er der aktuell erfolgreichste Fußball-Lehrer in dieser hammerharten 3. Liga.

Diese Spielklasse ist ein Fußball-Marathon: Ausdauer, Stabilität, Beständigkeit sind die Kernanforderungen. Nichts Anderes zählt. Und Trares lebt dies alles vor. Jeden Tag. Trares nennt diesen Mannheimer Weg einen permanenten Prozess.

Widerspruch voller fachlicher Nüchternheit

Als Trares im Frühjahr dieses Jahres in einem Fernsehgespräch zum wohl x-ten Male die Frage gestellt wurde, wann er denn nun endlich bereit sei, über den Aufstieg in die 3. Liga öffentlich zu sprechen, da hat er unverblümt geantwortet, dass ihm, so wörtlich, "diese ständige Fragerei danach mittlerweile gehörig auf die Eier gehen" würden.

Auch den rührigen Reporter der Buwe-News straft Trares schon mal mit strengen Blicken ab, wenn der vor laufender Kamera einfach nicht auf die Euphorie-Bremse zu treten vermag und die Pokalniederlage gegen Eintracht Frankfurt wie eine Mannheimer Fußballsensation zu verkaufen bemüht ist.

Dann widerspricht Trares voller fachlicher Nüchternheit schon mal der Lust nach Übermut und stellt klar, dass er in mancherlei Hinsicht überhaupt nicht zufrieden gewesen sei, weil er auch dieses ungleiche Kräftemessen nun einmal gern gewonnen hätte.

Doch in Punkto Körperlichkeit, Ballfertigkeit und Bewegungsvielfalt noch einige große Unterschiede registriert habe. Baff, da schmollt die Seele des stolz fragenden Fanreporters.

„ Bereit, an seine Grenzen zu gehen. ”
Ex-Trares-Trainer Sidka über gemeinsame Zeit bei Werder

Nein, Trares steht für Arbeit und nicht für Geschwätz. Das ist heute so und dies war schon immer so. Wolfgang Sidka erinnert sich gern an Bernhard Trares, als beide im Juli 1997 zeitgleich bei Werder Bremen einstiegen und rund anderthalb Spielzeiten lang ein ideales Trainer-Spieler-Verhältnis entwickeln konnten.

"Trares war immer ein Vorbild, weil er bereit war, jederzeit an seine körperlichen Grenzen zu gehen. Er erledigte verlässlich seine Aufgaben, tat nichts Leichtfertiges, was den Erfolg hätte gefährden können. Und so war er mit seinem Ehrgeiz immer ein Musterprofi", beschreibt Sidka die Vorzüge seines damaligen Abwehrchefs.

Trares war übrigens auf Empfehlung von Bruno Labbadia nach Bremen gekommen. Beide verbrachten zuvor auch schon bei Darmstadt 98 zwei gemeinsame Jahre, wurden Freunde und erst vor ein paar Jahren beim Hamburger SV eine Zeitlang auch Chef- und Co-Trainer.

"Trares und Labbadia sind seit ewigen Zeiten Blutsbrüder", erklärt Reiner Maurer im Gespräch mit Liga-Drei.de und gibt ebenfalls gern Einblicke in sein sehr vertrauensvolles Verhältnis zu Bernhard Trares.

Leader und Antreiber in schwierigen Zeiten

Maurer war sich selbstverständlich bewusst, wen er sich da einst ins Haus holte. Er wusste, dass Trares eigentlich selbst ein Trainer mit dem Streben nach Verantwortung gewesen ist. Doch Maurer wollte diesen kraftvollen Leader und Antreiber damals im Dezember 2004, in dieser schwierigen Zeit des Umbruchs nach der langen Wildmoser-Ära, unbedingt für seine komplizierte Arbeit als Partner gewinnen.

Reiner Maurer und Bernhard Trares bei 1860 München

Reiner Maurer (l.) holte sich für die schwere Aufgabe bei 1860 Bernhard Trares an seine Seite. ©Imago images/MIS

Die Aufgabe lautete: Die Sechziger Löwen, für die sie zuvor jahrelang auch gemeinsam gespielt hatten, als Trainergespann zuerst auf dem Rasen wieder gefährlich zu machen und dann zurück in die 1. Bundesliga zu befördern.

"Bernhard Trares war als Spieler unser Kapitän in München. Wirklich einer, der immer vorangeht und für frischen Wind sorgt. So einen brauchte ich an meiner Seite. So war er dann tatsächlich oftmals mit höllischem Indianergebrüll aktiv, um die Jungs so richtig wachzurütteln", erinnert sich Reiner Maurer an eine Arbeitsteilung, die immer prima funktioniert habe.

"Wer mit Trares arbeitet, macht die Erfahrung, dass er sich auf ihn jederzeit verlassen kann", ergänzt Maurer.

Er bemerkt dies, um klarzustellen, dass Trares niemals seine Freiheiten bei der Gestaltung eigener Übungsformate für sich ausgenutzt habe. Die Rückkehr in die 1. Bundesliga schafften sie nicht ganz. Sie wurden Tabellenvierter. Eine bessere Platzierung erzielte seither keine Mannschaft der Sechziger mehr.

Vordenker, Hauptfigur und Lehrmeister

Jetzt in Mannheim ist Trares für seinen Spielerkader Vordenker, Hauptfigur und Lehrmeister in Personalunion. Hörbar, sichtbar und wahrnehmbar in jedem Moment. Im Frühsommer hat er diese neue Generation der Waldhof-Buben in die 3. Liga getrieben. Mit 28 Siegen in 34 Spielen. Mit 18 Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten aus Saarbrücken. Mit 88 Treffern und einer Rückrunde ohne Niederlage.

Und seit der Mitte dieses nun ablaufenden Fußballjahres hat Trares seinen Jungs die Überlebensregeln für diese 3. Liga beigebracht. Mit einer großartigen Arbeitsbilanz: Aktuell Platz 3 mit 33 Punkten aus 20 Spielen. 20 dieser 33 Punkte holten die Trares-Kicker in der Fremde, wo es schon fünf Siege, doch keine Niederlage gab.

Dabei haben die Stadtväter daheim in Mannheim, dieser vielfältigen Leistungssport-Metropole, den Fußballern im Sommer stolz den neuen beheizten Rasen spendiert. Auf diesem makellosen Spielfeld sollten möglichst viele Siege entstehen. Doch nun hat auch Trares ein paar Aussetzer in seiner Entwicklungsarbeit mit den vielen unerfahrenen Burschen nicht verhindern können.

Der Mann fürs Grobe mit dem Sinn für das Feine

Somit gut, dass es zum Jahresausklang noch diesen Erfolg über Chemnitz gab. Das 4:3 war der erste Heimsieg seit Ende August. Und das Siegtor war der so lange herbeigesehnte Premierentreffer des zuweilen extrem unglücklich agierenden Stürmers Koffi.

Hier zeigt sich, dass Bernhard Trares, der Mann für das Grobe, auch viel Sinn für das Feine aufzubringen vermag. Denn Trares hat Koffi ob seiner Ladehemmung niemals öffentlich angeprangert und nie fallenlassen.

Trares gibt sich persönlich gern asketisch, doch diese Entwicklung bei den Heimauftritten gefällt ihm überhaupt nicht. Denn, wenn es darum geht, Punkte zu sammeln, mag es Bernhard Trares keineswegs spartanisch.

Nicht beim Fußball und genauso wenig beim Schafkopf. Dieses Kartenspiel betreibt Trares gern ähnlich sportiv wie das Skatspiel. Gilt als Meister des Stichs und als fleißigster Punktesammler. Stopp: Punkte heißen im Spiel mit Karten natürlich Augen.

Im Kartenspiel mag er sie zahlreich, doch im Leben genügen ihm zwei. Die hat so ein Spezialist des sportlichen Wettkampfes wie Trares auf Dauerbetrieb gestellt. Auch um Strömungen und Schwankungen immer wieder mahnend begründen zu können.

Schließlich kennt er seine Pappenheimer schon. Es sind diese Leute, die ihn damit nerven, mitunter den zweiten vor dem ersten Schritt herauszufordern. Und die jetzt im Angesicht des 3. Tabellenplatzes begeistert anfangen zu fragen, wie es denn mit dem Sprung in die 2. Bundesliga aussieht.

Besser nicht bei Bernhard Trares. Seine Antworten würden auch diesmal herb, derb, beinhart und dabei eben doch verdammt ehrlich ausfallen …

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