Chapeau, Valmir Sulejmani

Die besondere Leistung der 1.Pokalrunde

Valmir Sulejmani jubelt nach Tor gegen Eintracht Frankfurt

Sportlich auferstanden. Valmir Sulejmani hat sich nach einigen Karriere-Wirrungen wieder in den Fokus gespielt. ©imago images/Nordphoto

Als er mit seinem gertenschlanken Körper vollen Speed aufnahm, mit einem Haken nach rechts und einem nach links Frankfurts Abwehrrecken Hinteregger scheinbar mühelos düpierte,  hüpfte zuerst nur sein mit einem Haargummi am Hinterkopf zusammengehaltener Pferdeschwanz.

Doch als er mit einem raffinierten Linksschuss auch noch den großen Kevin Trapp auf dem falschen Bein erwischte und das 2:0 erzielte, hüpften alle Fußballherzen, sofern sie nicht ausschließlich für die Eintracht schlagen.

Vorneweg die des großen und lauten Anhangs der Mannheimer Neuzeit, dann die der vielen Bewahrer der Waldhofer Fußballtradition als Betrachter der TV-Bilder. Die müssen wie ein Jungbrunnen gewirkt haben, als Wolff Fuss, der sich gern um punktgenaue Sprache bemüht, später beim Spielstand von 3:3 in seiner Sky-Übertragung intoniert: „Junge, Junge, Junge – was für ein Spiel hier. Da könnte man stundenlang zuschauen.“

Stellvertretend für alle Pokal-Außenseiter

Dieses zweite Tor des agilen Mannheimers Mittelstürmers Valmir Sulejmani ist mit seiner Rasanz und Brisanz einer jener Pokal-Treffer, von denen Freunde des Fußballspiels wohl niemals genug bekommen  können. Und deshalb soll dieses Tor in dieser Rubrik von Liga-Drei.de Pate stehen für die großartigen Auftritte der 3.Liga in dieser ersten Pokalrunde: Für die Lauterer, die Mainz gar ausknockten, für die Hallenser, die Wolfsburg bis in die Verlängerung hinein im Würgegriff hatten, für das sorgengeplagte Chemnitz, das den HSV allein im Penaltyschießen unterlag.

Ja, gern würden wir hier auch den SC Verl würdigen, der gar drei Spielklassen Differenz zum Trotz den FC Augsburg im Pokal in den Zwangsurlaub schickte. Was auch dem angehenden Fußball-Lehrer Enno Maaßen mit seinen Rödinghausenern im Ostwestfalen-Derby gegen Paderborn beinahe aufs Neue gelungen wäre. Auch hier gilt: Künftig bessere Elfmeter schießen.

Blitzstart mit 17

Zurück zu unserem Protagonisten Valmir Sulejmani: Unsere Wahl fiel trotz des dann letztlich doch verpassten Pokaltriumphs des SVW Mannheim über den Europa-League-Halbfinalisten aus der Nachbarschaft vor allem deshalb auf ihn, weil sein spektakulärer sportlicher Ist-Zustand aus einer Karriere voller Irrungen und Wirrungen und aus harten Brüchen erwachsen ist.

In der Ausbildungs-Abteilung von Hannover 96 galt Sulejmani als Supertalent und war erst 17 Jahre jung, als er zum ersten Male ins Haifischbecken der 1. Bundesliga geworfen wurde. Als er gegen Nürnberg reinkam, stand es 1:3. Doch mit ihm gelang ein 3:3 und „Bild“ titelte: „96 hat einen Zahnspangen-Bomber.“ Dies ist schon über sechseinhalb Jahre her, doch es folgten nur noch neun weitere, meist recht kurze Liga-Einsätze.

Wie konnte dies geschehen? Die erste Antwort liefert Sulejmani selbst: „Zuerst wusste ich nicht, wo ich bin, wie mir geschah. Dann dachte ich: Jetzt läuft’s von allein.“ Diese Fehleinschätzung  hat er keineswegs exklusiv. Wenn der Ruhm über Nacht kommt, trübt dies die Realitäten. Der Glaube, es nun geschafft zu haben, bremst die Freude an der harten Arbeit.

Antwort Nr. 2 entwickelt sich aus der extrem regen Bewegung auf der Trainerbank. Als Sulejmani-Erfinder Slomka zum Jahreswechsel 2013/14 bei 96 gehen musste, schwand auch die Lust und der Glaube an der Vision Sulejmani. Denn Korkut (nur fünf Monate im Amt), Frontzeck (acht Monate), Schaaf (vier Monate) hatten keine Zeit für Fantasien mit dem eigenen Fußball-Nachwuchs und schickten Sulejmani immer wieder zurück in die Regionalliga, in den Frondienst zur U23.

Und weil zwischendrin auch mit einer Ausleihe zu Union Berlin weder Erfolg noch Selbstvertrauen zurückkehrten, er gar auch dort in die 2. Mannschaft degradiert wurde, schient alles verloren. Sulejmani zurück als Lehrjunge: Angeschlagen, geschwächt, gedemütigt, ohne Zukunft.

Fallengelassen und auferstanden

Die dritten Grund für Sulejmanis Scheitern bei Hannover 96 glaubt Dieter Schatzschneider zu kennen. Der frühere Torefabrikant und heutige Talente-Scout des niedersächsischen Auf-und-Ab-Klubs beklagt die mangelnde Kommunikations-Bereitschaft heutiger Cheftrainer um Umgang mit ihren Spielern.

Da hat dann einer wie Sulejmani seinen Stempel weg. (Dieter Schatzschneider)

Auf den drei großen Aktionsfeldern des Cheftrainers würde die Arbeit mit der Mannschaft längst zu kurz kommen, meint Schatzschneider: „Zuerst kommt die Medienarbeit, dann der Jahrmarkt der Eitelkeiten und erst dann das Sportliche. Und soziale Themen sind schon lange tabu.“ So sei Sulejmani brutal fallengelassen worden.

„Wenn erst einer sagt: Der schafft’s nicht, dann wird das häufig einfach vom Nächsten übernommen. Da hat dann einer wie Sulejmani seinen Stempel weg.“

Schatzschneiders These scheint stimmig. Als Sulejmanis Jugendtrainer Daniel Stendel im April 2016 in den bereits verlorenen Abstiegskampf des Bundesligateams zum Chef auf Zeit aufrückte, wurde wieder über Probleme gesprochen. So macht man das im Aubildungsfußball eben noch.

Elf Monate lang schien es so, als gebe es doch wieder eine Zukunft in Hannover. Doch dann kam Breitenreiter und das nächste Aus für Sulejmani. Wieder diese erdrückende Degradierung ins B-Team, wieder diese Wortlosigkeit, wieder die Zweifel an den eigenen Fähigkeiten.

Seit einem Jahr nun trägt Sulejmani das Mannheimer Trikot mit der Nr.9 und zweifelt nicht eine Sekunde daran, dass dieser Schritt und die Trennung von Hannover 96 die einzige richtige Entscheidung ist. Nicht einmal das aktuelle Comeback seines einstigen Förderers Slomka bei 96 kann daran etwas ändern.

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