Chapeau, Sascha Mölders

Die besondere Leistung des 15. Spieltags

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Montag, 14.12.2020 | 08:27
Sascha Mölders beim Torjubel.

Gewohntes Bild in Liga drei: Sascha Mölders beim Torhubel. ©imago images/Picture Point

Vor ziemlich genau einem Jahr hat sich Sascha Mölders schon einmal erfolgreich bei Liga-Drei.de für ein „Chapeau“ beworben. Damals gelang dies mit zwei Treffern und einer Torvorlage im Stadtderby gegen die Hachinger. Unser Gutachten galt seinerzeit seinen Kernkompetenzen: Torgefahr und Offenspielwitz dank seines genialen linken Fußes, seinen Instinkten und seiner Bauernschläue als Gute-Laune-Fußballer.

Zum aktuellen 5:0-Torfestival über die neue Generation der Waldhof-Buben hat Sascha Mölders einen Hattrick zum 3:0-Halbzeit-Spielstand beisteuern und den dritten Treffer per Kunstschuss sogar mit dem rechten Schlappen erzielen können. Das sind wir gewohnt von ihm und so sollen die bekannten Potenziale diesmal nicht der Stoff unserer Bewertungen sein.

Als Profi gereift wie ein guter Rotwein im Eichenholz-Fass

Kenner des wirklich guten Rotweines wissen, was Reife bedeutet. Erst nach vielen Jahren des Liegenlassens, des Reifens also, entwickeln diese Weine ihren optimalen Charakter. Wenn sie gut sind.

Sascha Mölders, so scheint es, ist als Profifußballer bei den Löwen gereift wie ein guter Rotwein im Eichenholz-Fass eines Winzers. Weil er wirklich gut und obendrein charakterstark sein will auf dem Spielfeld.

Denn die langen Kerle aus Mannheim springen auf Mölders herauf. Sie hängen sich an ihn heran mit allem, was sie haben. Oder sie stochern mit ihren Beinen in ihn hinein, wo, wann und wie sie nur können. Mit aller Kraft, allem Mut und letztem Einsatz. Doch alles vergebens.

Ein Kräftemessen mit Sascha Mölders ist in diesem Match an der Grünwalder Straße für niemanden im Trikot des SV Waldhof zu gewinnen. Nicht einmal vor dem Tor der Löwen inzwischen. Dort ist für Mannheims Erfolgstrio um Martinovic, Boyamba und Garcia diesmal nichts realisierbar. Denn Mölders hat im und vor dem eigenen Sechszehner als Balleroberer ein vorbildliches Pensum an Fleiß- und Dreckarbeit verrichtet.

Mit furchterregender Körperlichkeit und Omnipräsenz aktiv

Und wer genau hinschaut, dem ist aufgefallen, dass er dabei stets genauso vergnügt wirkt, als sei ihm dies rund 80 Meter weiter vorn im Strafraum der Mannheimer gelungen. Dort – das kennen wir – ist er mit Vorliebe als Anspielstation und Ballsicherer des Offensivspiels im Einsatz.

Mit seiner furchterregenden Körperlichkeit und seiner entschlossenen Präsenz im Luftkampf hat Mölders vielleicht noch niemals zuvor so viel Omnipräsenz auf das Spielfeld gebracht wie genau in diesem Moment. In einem Spiel nämlich, das genau jetzt das alles gebraucht hat.

Denn nach fünf Spielen ohne einen Sieg, doch mit einem Zuwachs an atmosphärischen Bedrohlichkeiten hat Mölders alles dafür tun wollen, um als Teamkapitän mit starken Leader-Potenzialen punkten zu können.

Der Reporter des Bayerischen Fernsehens hat aus diesem Grund an dieser Stelle den Unterhachinger Sportdirektor Claus Schromm zitiert. Im Angesicht der aktuellen Begebenheiten erscheint dessen Statement über Mölders als treffliche Zustandsbeschreibung, obwohl die Bemerkung gewiss mit einem Augenzwinkern formuliert worden ist: „Wer Mölders hat, betreibt Wettbewerbsverzerrung.“

Als Benno Möhlmann von diesem Gleichnis hört, muss er laut lachen. Der Fußball-Lehrer war bei den Löwen aktiv, als Mölders zunächst als Leasingkicker vom FC Augsburg an die Grünwalder Straße gewechselt ist. Möhlmann erlebte Mölders vor allem noch „als Mittelstürmers alter Schule“ und so hat er ihn auch heute noch primär in Erinnerung.

über frühere Mölders-Prioritäten
„ Mölders hat es immer gut verstanden, das Publikum für sich zu gewinnen ”
Benno Möhlmann

Gern erweitert Möhlmann das Leistungs-Portfolio des Sascha Mölders aus dem Frühjahr 2016 um einen zweiten, durchaus häufig Mehrwert einbringenden Aspekt. „Mölders hat es immer gut verstanden, das Publikum für sich zu gewinnen und für das Spiel der Sechziger mitzureißen“, sagt der Fußball-Lehrer mit den meisten Einsätzen als Trainer der 2. Bundesliga über bisherige Prioritäten des neuen Vorkämpfers.

Benno Möhlmann und Sascha Mölders.

In der Saison 2015/16 arbeiteten Benno Möhlmann und Sascha Mölders zusammen in Giesing. ©imago images/Lackovic

Interessant, welche Überlegungen Möhlmann hier anregt. Was Möhlmann meint: Eigentlich sehnt sich Mölders nach viel Beifall und Zuspruch von den Stadionrängen. Und dafür hat er gern auch immer einen Teil seiner Aufmerksamkeit hergegeben.

Ohne Ablenkung vollbesetzter Tribünen mehr Intensität auf dem Spielfeld

Doch jetzt sind die Tribünen entvölkert und sauber gekehrt. Wo sonst die Menschen stehen, die seinen Namen rufen, ist allenfalls das Echo eines Teamkollegen zu hören. Statt die Menschen aus dem Publikum zu fangen, ist Mölders jetzt allein Dienstleister auf dem Rasen aktiv.

Und ist dabei vielleicht so wertvoll wie nie zuvor. Seit die Kulissen unbesetzt sind, hat Mölders seine ganzheitliche Präsenz und Effektivität auf dem Spielfeld deutlich sichtbar verbessern können.

Im Umkehrschluss entsteht der Eindruck, als habe ihn in der Vergangenheit eine vollbesetzte Tribüne und der bewusste Einsatz eigener Theatralik eher abgelenkt von der Arbeits-Intensität auf dem Spielfeld, die nun so viel Sonderlob auslöst.

über neue Reife des Löwen-Torjägers
„ Mölders ist hineingewachsen in diese neue Qualität seiner Auftritte ”
Benno Möhlmann

Wir fragen uns: Hat die neue exklusive Konzentration auf das reine Spielgeschehen zu dieser Reife beigetragen? Benno Möhlmann glaubt jedenfalls: „Mölders ist hineingewachsen in diese neue Qualität seiner Auftritte.“

Schon als sich Dennis Dressel mit seinem Viererpack zum 6:1 über den HFC vor fünf Wochen unser „Chapeau“ verdiente, würdigten wir den neuen Sascha Mölders und beschrieben wie er vor Dressels famosem vierten Treffer zum 5:1 den Flugball an der Mittellinie mit der Brust aufnahm, ihn gegen drei Hallenser behaupten und ihn dann noch in die Laufbahn des davongeeilten Dressel bugsieren konnte. Und wir hielten an dieser Stelle fest, dass Mölders auch mit 35 Jahren hier und da immer noch Bundesliga verkörpern könne.

Auch das Schlussbild der aktuellen TV-Reportage passt in den beschriebenen Wandel. Als das 17 Jahre alte Eigengewächs Lorenz Knöferl nach dem Match seine ersten 25 Minuten im Profifußball einfach nicht begreifen mochte, hat Sascha Mölders den sichtlich aufgewühlten Fußball-Teenager mit seinem Glück nicht allein gelassen.

Mölders minutenlang auch als Coach der nächsten Löwen-Generation beobachten zu können, wäre in einem vollbesetzten Stadion wohl nicht möglich gewesen. Die vielen Menschen und deren Lautstärke hätten ihn viel zu sehr abgelenkt von derlei Achtsamkeit. Wie noch beim vorigen „Chapeau“ des Sascha Mölders. Vor genau einem Jahr erst, doch mit einer ganz anderen Gewichtung.

Tipp der Redaktion: Wo landet 1860 München am Saisonende? Jetzt im neuen Liga-Drei.de Sportwetten Vergleich Tipps für erfolgreiche Wetten holen oder direkt mit bet365 Angebotscode zusätzliches Guthaben für deine Wette auf die „Löwen“ sichern!