Chapeau, Sebastian Jacob

Die besondere Leistung des 11. Spieltags

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Montag, 23.11.2020 | 10:25
Sebastian Jacob vom 1. FC Saarbrücken

Sebastian Jacob lässt auch Mitspieler jubeln. ©Imago images/Jan Huebner

„Besser geht’s nicht“ ist der Titel einer Kult-Komödie mit Jack Nicholson und Helen Hunt aus der Film-Werkstatt Hollywoods. „Besser geht’s nicht“, hat nun auch der Reporter wiederholt in das Mikrofon des Saarländischen Fernsehens gerufen und damit die fußballerische Attraktion des 11. Spieltags in der 3. Liga angemessen kommentiert.

Denn so geistreich, mit so viel Spielwitz und so mitreißend wie Sebastian Jacob den 1. FC Saarbrücken im Kräftemessen mit dem SVW Wiesbaden nach 13 Spielminuten in Führung bringen konnte, das forderte diese Formel des Glücks aus den 1990er Jahren wirklich aufs Neue heraus.

Als Sebastian Jacob zehn Meter vor dem Wiesbadener Sechszehner an den Ball gekommen ist, war er inmitten einer geballten Präsenz gelb gekleideter Gegenspieler eigentlich chancenlos. Leuchtend gelb war die Farbe der Wiesbadener Trikots mit ihren riesigen schwarzen Rücken-Nummern. Hier also war Jacob am Ball, doch ihm gegenüber standen Wiesbadens Nr. 4, Nr. 13, Nr. 17 sowie Torwart Boss. Vielleicht der Beste seiner Zunft in dieser Spielklasse.

Neun von zehn Stürmern wären in diesem Moment allein damit beschäftigt gewesen, den Ball zu sichern. Sie hätten sich mit der Rolle des Solisten überfordert gefühlt, somit die Richtung verändert und den Ball zurückgespielt.

Mit Lupfer hinein ins Glück

Doch Sebastian Jacob dachte nicht eine Sekunde daran, auf Nummer Sicher zu gehen. Stattdessen nahm er es allein auf gegen diese Vier: Gegen Mockenhaupt, Medic und Carstens sowie gegen diesen starken Keeper Boss.

Zwei Haken, zwei Finten, eine Verzögerung, ein kurzer Blick ins Ziel und prompt landete der Ball mit einem dem Tennisspiel entliehenen Lupfer aus zehn Metern über Wiesbadens Boss hinweg im Tor des Gegners. Einem Fußballer mag ein solches Kunststück allenfalls dann und wann mal innerhalb der Trainingswoche gelingen.

Doch dank Sebastian Jacob präsentiert die 3. Liga schon wieder einen jener Treffer, der sofort einen Platz im Kosmos des Fußballs finden würde, wenn er im Fußball-Oberhaus erzielt worden wäre. Gewiss würden Sky und BILD dafür Sorge tragen.

Auch das von Sebastian Jacob in der 73. Spielminute erzielte Tor zum 3:3-Endstand lässt Verknüpfungen zum großen Fußball zu. Es weckt ganz spezielle Erinnerungen an große alte Fußballtage.

Wer wie Jacob mit dem Rücken zum Tor des Gegners den Ball mit dem Kopf so geschickt in die entscheidende Richtung, also in den Torwinkel des Gegners zu befördern versteht wie Jacob, der darf sich in diesem Moment einmal vergleichen lassen mit dem großen, legendären Uwe Seeler.

Dessen Markenzeichen waren solche Treffer. Und vermisst werden sie bei Fußball-Freunden der reiferen Generationen allemal. Deshalb: Danke, Sebastian Jacob.

Das Trikot des Gegners wie das Fell des Bären

Nach dem Match legte er das Trikot des Gegners mit der Nr.4 wie das Fell eines erlegten Bären stolz über seine Schultern. Nun, Sascha Mockenhaupt ist ein Spezi aus gemeinsamen Fußball-Tagen beim 1.FC Kaiserslautern.

Sebastian Jacob vom 1. FC Saarbrücken mit freiem Oberkörper

Sebastian Jacob (m.) konnte nach dem Abpfiff den Moment genießen. ©Imago images/Jan Huebner

So ist der 1. FC Saarbrücken mit vier Punkten Vorsprung Tabellenerster. Gleichzeitig bester Aufsteiger in der Geschichte dieser 3. Liga nach einem guten Viertel der zu absolvierenden Spieltage.

Er ist bisher derart überzeugend durch die neue Spielklasse gestürmt, dass ein Unentschieden wie dieses wie Sieg empfunden und bewertet worden ist. „Macht nix, die Bäume müssen nicht sofort in den Himmel wachsen“, sagt der zweifache Supertorschütze Sebastian Jacob in das bereits erwähnte SR-Mikrofon. Und Trainer Lukas Kwasniok setzt an gleicher Stelle gar noch ein Sonderlob hinterher: „Ich finde, das war bisher unser bestes Heimspiel in dieser Saison.“

Liga-Drei.de versucht herauszufinden, was hinter diesen Saarbrücker Erfolgsgeschichten steckt und bleibt haften beim Namen Marcus Mann. Bis weit in den Sommer dieses Jahres hinein hat Marcus Mann die sportliche Gestaltung des 1.FC Saarbrücken verantwortlich betrieben.

Jacob-Rückkehr für Regionalität und Identifikation

Mann hat immer auf Regionalität und Identifikation gesetzt und so den schweren sportlichen Verlust der Toptorjäger-Potenziale (Patrick Schmidt und Kevin Behrens) mit klug ausgewählten Neuzugängen aufgefangen. Er hat in kluger Antizipation den Trainer (Kwasniok für Lottner) ausgetauscht, obwohl das Team Tabellenerster im regionalen Fußball-Südwesten war.

Marcus Mann ging vorneweg, als das Team bis ins Halbfinale durch den DFB-Pokal triumphiert ist. Und er hat dafür gesorgt, dass das primäre Ziel souverän realisiert worden ist: Der Aufstieg in diese 3. Liga.

Marcus Mann

Marcus Mann hinterließ seinem Nachfolger beim FCS ein bestelltes Feld. ©Imago images/Jan Huebner

Und Marcus Mann hat das Personal zusammengestellt, das jetzt beweist, dass der 1. FC Saarbrücken es auch in dieser neuen Spielklasse hinbekommen wird und vielleicht gar noch mehr in Petto haben kann.

Er holte Nicklas Shipnowski, Timm Golley, Marin Sverko und Maurice Deville, die auf dem aktuellen Weg soeben dabei sind, sich im Verbund mit Sebastian Jacob unverzichtbar zu machen. Vielleicht ähnlich unverzichtbar wie der mit nunmehr sechs Treffern beste Torschütze des Teams.

Zwischen 2016 und 2018 stand die Karriere auf der Kippe

Jacob ist geboren in Saarbrücken, aufgewachsen beim 1. FC Saarbrücken und seit seiner Rückkehr vor bald drei Jahren nun extrem erfolgreich dort. Saarbrücker Eigengewächse nach Hause zu holen, dies ist ein bedeutendes Teil der Gestaltungs-Strategie des Marcus Mann. Denn was bei ihm selbst funktioniert hat, klappte zuvor bereits bei Manuel Zeitz und bei Patrick Schmidt.

Die Karriere des Sebastian Jacob stand zwischen 2016 und 2018 auf der Kippe: Nach 24 Spielen beim 1.FC Kaiserslautern in der 2. Bundesliga waren im Kniegelenk das Kreuzband gerissen und obendrein die Knorpel beschädigt. Auch der Fußball-Lehrer Alois Schwartz war am Betzenberg eine Zeitlang Trainer des damaligen Pechvogels.

Doch Schwartz erinnert sich gern an Jacob: „Hätte bei Sebastian damals nicht das Knie gestreikt, hätte er auch schon am Betze den Durchbruch geschafft.“ Ja, trotz großer Offensiv-Konkurrenz (Lakis, Stöger, Younes und Hofmann) war durchaus noch ein Plätzchen frei für Jacob.

Als Marcus Mann im Januar 2018 Jacob nach Saarbrücken holte, hatte der über ein Jahr lang kein Match mehr bestritten. Mann holte ihn dennoch, weil er mit diesem Spieler eine Vision verknüpfen mochte. Es war die Vision mit einem besonders gewieften und schlauen Stürmer, dessen Potenziale Marcus Mann im Gespräch mit Liga-Drei. de so auf den Punkt bringen möchte:

Über das Phänomen Sebastian Jacob
„ Er bekommt es auch hin, seine Mitspieler gut aussehen zu lassen ”
Marcus Mann

„Mit seiner Intelligenz, fußballerischen Sonderklasse und seinem Spielverständnis hat Sebi, so nennen wir ihn, nicht nur die Klasse sich persönlich in Szene zu setzen. Er bekommt es auch hin, seine Mitspieler gut aussehen zu lassen“, erklärt Marcus Mann das Phänomen Sebastian Jacob.

Marcus Mann hat in Saarbrücken Nachhaltigkeiten platzieren können, die dem dortigen Fußball aktuell sehr guttun. An Jacob schätzt er auch dessen „positiven Einfluss auf das große Ganze, auf die Kultur des Miteinanders und das gute Betriebsklima in der Mannschaft“, berichtet Mann weiter.

Und deshalb hat er – kurz bevor er mit wahrlich gutem Gewissen als Ausbildungschef zur TSG Hoffenheim gegangen ist – den Vertrag mit Sebastian Jacob noch rechtzeitig bis 2023 fix gemacht. Der ist erst 27 Jahre alt und das Knie hält wieder perfekt. Und bestimmt sogar auch den Belastungen der nächsten Englischen Woche stand.

Ja, gute Stürmer braucht das Land. In Saarbrücken, andernorts und überall. Besser geht’s nicht. Denn so ist alles möglich. Für den 1. FC Saarbrücken und für Sebastian Jacob.

 

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