FCK: Interview mit Ex-Spieler Tim Heubach

"Gefühlt hatte man schon über Jahre auf den Abstieg hingearbeitet."

Tim Heubach kann in Israel den ersten Titel seiner Profi-Laufbahn gewinnen. ©imago images/Thomas Frey

Drei Jahre lang trug Tim Heubach das Trikot des 1. FC Kaiserslautern, lief währenddessen in 62 Zweitliga-Spielen für die Pfälzer auf. 2017 entschied sich der Verteidiger für einen Wechsel ins Ausland und heuerte bei Maccabi Netanya in Israel an, mit dem er in dieser Spielzeit das Pokalfinale erreichte.

Im Interview mit Liga-Drei.de spricht der 31-Jährige über die Qualität der israelischen Liga, seine Zukunftspläne und die Entwicklung bei seinem Ex-Klub FCK.

Herr Heubach, sie spielen seit zwei Jahren in der ersten israelischen Liga. Wie kam es dazu?
Tim Heubach: „Es hatten sich zwei, drei Sachen in der 2. Bundesliga zerschlagen und da ich damals noch nicht in die 3. Liga wollte, habe ich mich eher Richtung Ausland orientiert. Ich wollte ein anderes Land kennenlernen. Das hat sich ausgezahlt, auch wenn ich anfangs zugegebenermaßen ein etwas mulmiges Gefühl hatte.“ 

Wie äußert sich die politische Lage im Alltag?
Heubach: „Überraschenderweise kaum. Am letzten Wochenende sind beispielsweise wieder 300 Raketen aus Gaza Richtung Israel geflogen. In Netanya und Tel Aviv hat man davon jedoch überhaupt nichts mitbekommen. Der Alltag verlief ganz normal. Ich selber hatte hier noch nie eine Situation, in der ich mich unsicher gefühlt oder etwas von den Streitigkeiten mitbekommen habe.“ 

Zum Fußball: Hierzulande kennt man höchstens die Top-Teams Maccabi Haifa und Tel Aviv. Wie ist der Fußball dort insgesamt einzuschätzen?
Heubach: „Es gibt viele gute Einzelspieler. Das Niveau hat mich überrascht, es ist höher als man vermutet. Man kann es zwischen zweiter und dritter deutscher Liga einordnen. Es gibt mal Ausreißer wie in diesem Jahr Maccabi Tel Aviv, die mit 28 Punkten Vorsprung die Tabelle anführen. Sie haben ein gutes Spielsystem und kommen den Teams in den europäischen Wettbewerben sehr nah.“ 

Es ist ein 50-50-Spiel (über das Pokalfinale gegen Yehuda)

Und wie sieht es mit der Zuschauer-Begeisterung aus?
Heubach: „Die ist sehr hoch. Wir stehen am 15. Mai im Pokalfinale, welches in Haifa stattfindet. Jede Mannschaft bekam 12000 Karten zugesprochen, unser Kontingent war nach zwei Tagen restlos ausverkauft. Das zeigt, wie sehr die Leute diesem Spiel entgegenfiebern. Sie können das Pokalspiel kaum noch abwarten.“ 

Geht Netanya als Favorit ins Endspiel?
Heubach: „Es ist ein 50-50-Spiel. Wir spielen gegen Bnei Yehuda, die überraschenderweise Meister Maccabi Tel Aviv im Halbfinale ausgeschaltet haben. Ich sehe sie sind mit uns auf einem Level. Mit Jakub Sylvestr haben sie beispielsweise einen ehemaligen deutschen Zweitliga-Stürmer in ihren Reihen. Ich hoffe, dass wir das Spiel für uns entscheiden werden.“ 

Sie spielen als Stammkraft mit Ihrem Klub Maccabi Netanya in der Meisterrunde und stehen wie gesagt nächste Woche im Pokalfinale. Ist es die erfolgreichste Saison Ihrer Karriere?
Heubach: „Rein von der Statistik her kann man das schon sagen. Wir sind Zweiter, haben es auch letztes Jahr als Aufsteiger in die Play-Offs geschafft, womit keiner gerechnet hat. Das konnten wir in dieser Saison bestätigen, obwohl wir zwei unserer besten Offensivspieler ziehen lassen mussten.

Aber ich hatte auch in Deutschland erfolgreiche Zeiten. Im ersten Zweitligajahr beim FSV Frankfurt, als wir Vierter wurden. Im ersten Jahr in Kaiserslautern hat es nicht ganz zum Aufstieg in die 1. Bundesliga gereicht, dennoch war es war eine erfolgreiche und sehr gute Zeit.“

Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung und dass ich mal aus der deutschen Fußball-Profiwelt rausgekommen bin. (über seinen Wechsel nach Israel)

Wo haben Sie sich persönlich bei Maccabi Netanya weiterentwickelt?
Heubach: „Ich sehe abseits des Platzes jetzt alles etwas lockerer. Der persönliche Umgang hier ist schon ein Unterschied zu Deutschland. Die Lebensweise am Meer und mit dem Strand, das merkt man den Leuten an. Sie arbeiten viel, aber gehen auch viel raus.

Das Leben findet auf der Straße statt: Restaurants und Bars sind immer voll, das gibt schon ein anderes Lebensgefühl. Es wird einem vorgelebt, andere Dinge wertzuschätzen. Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung und dass ich mal aus der deutschen Fußball-Profiwelt rausgekommen bin.“ 

Hat sich auch Ihr Fußball-Stil verändert?
Heubach: „Eigentlich nicht sehr. Anfangs hatte ich ein paar Anpassungsschwierigkeiten, was das taktische Denken hierzulande angeht. Ich musste mich bis auf Kleinigkeiten nicht groß umstellen. Aber es läuft sehr gut. Ich versuche von hinten raus Fußball zu spielen, das schätzen meine Teamkollegen sehr an mir.“ 

Es haben sich bereits einige Vereine über meine Vertragssituation erkundigt. (über seine Zukunft)

Ihr Vertrag läuft allerdings aus. Wissen Sie schon wie es weitergeht?
Heubach: „Aktuell noch nicht. Wir sind in Gesprächen. In Israel kommt es immer relativ spät zur Saisonplanung, deswegen kann ich mir da noch Zeit lassen und das Pokalfinale abwarten. Es haben sich bereits einige Vereine über meine Vertragssituation erkundigt. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob ich die Liga wechsele oder in Israel bleibe.“ 

Wäre eine Rückkehr nach Deutschland denkbar?
Heubach: „Im Fußball sollte man niemals nie sagen. Die Auslandserfahrung aktuell möchte ich nicht missen und hätte nichts dagegen, wenn ich sie gerne weiter fortsetzen könnte. Die Distanzen in Europa sind mit wenigen Flugstunden ja auch noch überschaubar, man ist relativ schnell wieder zu Hause bei der Familie.

Auf der anderen Seite habe ich lange genug in Deutschland gespielt und weiß, wie es dort abläuft. Ich hätte also keine großen Anpassungsschwierigkeiten. Ich kann mir zwar beides vorstellen, aber primär liegt mein Augenmerk auf einer weiteren Auslandstätigkeit.“ 

Schauen Sie noch regelmäßig auf den deutschen Fußball?
Heubach: „Ja, es sind ja noch viele Freunde aktiv, mit denen ich in regelmäßigem Chat-Kontakt bin. Deren Spiele schaue ich natürlich an, versuche generell alle Ligen abzudecken und so viele Spiele wie möglich zu sehen.“ 

Das kriegt in erster Linie die Mannschaft im Stadion ab. (über die Unruhen in Kaiserslautern)

Sie spielten drei Jahre beim FCK. In Ihrer ersten Saison auf dem Betzenberg stiegen sie fast auf. Was ging in den folgenden Jahren schief?
Heubach: „Es war generell leider sehr unruhig, wie ganz Deutschland ja mitbekommen hat. Auch aktuell geht es ja wieder etwas wilder zu auf dem Betzenberg. Grundsätzlich war es so, dass die Mannschaft jedes Jahr fast komplett ausgetauscht wurde. Wir mussten uns immer wieder neu finden. Es ist etwas besonderes, für Kaiserslautern zu spielen, als für andere Vereine.

Daran muss man sich gewöhnen, die Zeit muss man den Spielern geben, aber diese Zeit gibt es in Lautern leider nicht mehr. Auf Grund der Misswirtschaft der letzten Jahre müssen Spieler sofort funktionieren. In meinen letzten zwei Jahren dort haben wir daher als Mannschaft nie so richtig zusammengefunden.“

Inwiefern ist es anders, beim FCK zu spielen?
Heubach: „Es ist schnell Unzufriedenheit da, weil die Fans eine große Sehnsucht nach der ersten Liga haben auf Grund der Erfolge in der Vergangenheit. Zudem bekamen wir als Mannschaft die internen Querelen mit. Das ist keine Entschuldigung für die sportliche Leistung, aber es ist dann eben alles andere als ruhig im Verein und bei den Fans.

Das kriegt in erster Linie die Mannschaft im Stadion ab. Damit musst du als Spieler klarkommen. Wir konnten das leider nicht in bessere Leistungen kanalisieren. Es führte zu Verunsicherung und es entstand ein Teufelskreis: Nicht jeder traute sich zum Beispiel, Risikopässe zu spielen, weil man das Pfeifkonzert fürchtete.“ 

Gefühlt hatte man schon über Jahre auf den Abstieg hingearbeitet (über den Niedergang des FCK)

Wie haben Sie die Entwicklung dort in den letzten zwei Jahren wahrgenommen seit Ihrem Weggang?
Heubach: „Der Saisonstart ging völlig in die Hose. Da habe ich schon gemerkt, es könnte eine ekelhafte Saison werden. Aber richtig habe ich nicht damit gerechnet, dass es runtergeht. Irgendwie kam man nicht mehr raus aus dieser Hypothek des schlechten Starts.

Die Ergebnisse haben unter Frontzeck teilweise gestimmt, aber in den Sechs-Punkte-Spielen, in denen man hätte nachlegen müssen, wurde wieder verloren. So kam eins zum anderen. Gefühlt hatte man schon über Jahre auf den Abstieg hingearbeitet. Für Verein, Stadt und Fans ist es wahnsinnig bitter.

Jetzt finden sie sich in der 3. Liga wieder, in der es auch nicht so lief, wie man es sich vorgestellt hat. Es ist wieder eine komplett neue Mannschaft, die sich finden musste. Ich hoffe, die Jungs bekommen die Zeit und können nächstes Jahr eine bessere Rolle spielen.“

Braunschweig ging es ähnlich. Wie kann es denn im zweiten Jahr besser werden?
Heubach: „Wenn ich dafür ein Patent-Rezept hätte, wäre ich ein gefragter Mann. Ich hoffe die Jungs können so zusammenbleiben, vielleicht kommen noch ein oder zwei Verstärkungen dazu. Ich finde schon, dass sie gezeigt haben, dass sie in der Lage sind, die nötigen Punkte zu holen, um oben ein Wörtchen mitzureden.

Zumindest könnten sie bis zum Ende oben mitspielen. Dann gehört natürlich auch noch ein bisschen Glück dazu, glückliche Schiedsrichterentscheidungen usw. Die 3. Liga ist sehr hart, da braucht es einen langen Atem, um wieder in die 2. Bundesliga zurückzukehren.“ 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Heubach!

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