Interview mit Daniel Brückner

"Habe von der letzten Saison graue Haare bekommen."

Daniel Brückner bei Rot-Weiß Erfurt

Daniel Brückner nimmt vorerst Abschied vom Profi-Geschäft. ©Imago/pmk

Daniel Brückner hat im Fußball viel erlebt: vom Aufstieg in die 1. Bundesliga mit dem SC Paderborn bis zu Insolvenz und Abstieg mit Rot-Weiß Erfurt in der vergangenen Saison. Zu seinen 88 Spielen in der 3. Liga kommen 164 in der 2. und 23 in der 1. Bundesliga. Nun verabschiedet sich der 37-Jährige von der großen Bühne und wechselt in seine Hamburger Heimat zum Oberligisten TSV Niendorf.

Im Interview mit Liga-Drei.de blickt er auf die vergangene Saison mit RWE zurück, schaut auf seine neue Aufgabe in Niendorf & verrät außerdem, was Ihm am Profifußball am meisten fehlen wird.

Herr Brückner, nach über 270 Spielen im Profifußball wechseln Sie nun in Ihre Heimat Hamburg, zum Niendorfer TSV. Wie kam es zum Wechsel?
Daniel Brückner: „Da ich sowieso nach Hause gefahren bin, um unter anderem Urlaub zu machen, ergab sich der Kontakt zu dem einen oder anderen im Fußballbereich, von denen ich dann angerufen wurde. Die Entscheidung zum Wechsel fiel dann vor wenigen Tagen. Zuvor habe ich noch mit Erfurt verhandelt, aber es hat am Ende nicht geklappt.“

In der jungen Mannschaft des TSV wollen Sie vorangehen. Was können Ihre zukünftigen Teamkollegen von Ihnen lernen?
Brückner: „Ich kann ihnen auf jeden Fall etwas von meiner Erfahrung mitgeben. Ansonsten ist das für mich auch Neuland. Ich muss erstmal schauen, was auf mich zukommt. Ich will auf jeden Fall mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, wie wichtig mir der Fußball ist.“

Potenzial war auf jeden Fall in der Mannschaft. (über den Kader von RWE)

Sie haben in Ihrer Karriere viel erlebt, in Erfurt aber wohl mit die turbulenteste Zeit durchgemacht. Wie ordnen Sie die abgelaufene Saison ein?
Brückner: „Ich habe von der letzten Saison graue Haare bekommen. Aber nur am Bart, oben ist ja nicht mehr so viel übrig. Es war im Großen und Ganzen sportlich zu wenig. Die Qualität hat gefehlt.  Dann kam das wirtschaftliche Problem dazu, das hat uns auch nicht gerade beflügelt. Am Ende hat es leider zurecht nicht gereicht, weil es auf allen Ebenen zu wenig von uns war.“

Wenn Sie sagen, die Qualität hat nicht gereicht: War das am Anfang der Saison schon abzusehen?
Brückner: „Potenzial war auf jeden Fall in der Mannschaft, aber es wurde nur ganz wenig ausgeschöpft. Vor der Winterpause gingen dann die ganzen Turbulenzen los. Da wir eine sehr junge Mannschaft waren, hat das der ein oder andere mental nicht so gut verarbeiten können. Dann kamen wir in einen Trott, aus dem wir es nicht mehr herausgeschafft haben.“

Mit Rot-Weiß Erfurt fanden Gespräche über eine Vertragsverlängerung statt. Wie Sie selbst sagten, befand Sie RWE allerdings als „zu alt“. War das in den Verhandlungen am Ende auch noch ein Thema?
Brückner: „Diese Aussage kam von Leuten, die jetzt nicht mehr da sind. Mit Erfurt war ich bis zuletzt ständig in Kontakt. Wir sind uns aber am Ende nicht einig geworden. Es hat von beiden Seiten aus nicht gepasst.“

Das war extrem geil. (über die Unterstützung der RWE-Fans)

Sind Sie enttäuscht, dass es in Erfurt nicht weitergeht?
Brückner: „Nein, überhaupt nicht. Das ist Fußball. Ich habe in diesem Business schon einiges gesehen und auch gelernt. Von dem her bin ich nicht überrascht oder enttäuscht. Es ist zwar schade, dass es nicht in Erfurt weitergeht, aber es ist für mich ok.“

Bei den Fans waren Sie äußerst beliebt. Hatten Sie schon Gelegenheit, sich zu verabschieden?
Brückner: „Nicht wirklich. Es war zwar vor dem letzten Spieltag schon klar, dass Erfurt nicht verlängern will, aber dazu bin ich nicht gekommen. Wenn ich hier noch etwas sagen darf: Die Fans in Erfurt waren überragend, ganz ehrlich. Wie die am Ende hinter uns standen und uns gepusht haben – das war extrem geil.“

RWE bekommt nun ein komplett neues Gesicht. Wie beurteilen Sie den von Erfurt eingeschlagenen Weg?
Brückner: „Es ist wichtig, jetzt quasi komplett bei 0 zu starten, damit wieder Ruhe in den Verein kommt. Ich glaube dann kann RWE eine sehr gute Rolle in der Regionalliga Nordost spielen.“

Am meisten werde ich die Stadien vermissen. (über den Abschied vom Profi-Fußball)

Sehen wir RWE in den nächsten Jahren Ihrer Meinung nach wieder im Profifußball?
Brückner: „Ich gehe davon aus, ja. Ob der Aufstieg direkt in diesem Jahr gelingt, kann ich nicht sagen. Erfurt muss sich auch erst auf die neue Liga einstellen. Auf dem Transfermarkt haben sie aber ordentlich was gemacht und Regionalliga-Erfahrung mit ins Boot geholt. In den nächsten Jahren bin ich also optimistisch, was den Aufstieg angeht.“

Wenn Sie auf Ihre bisherige Karriere zurückblicken: Was von der großen Fußballbühne werden Sie am meisten vermissen?
Brückner: „Am meisten werde ich die Stadien vermissen. Vor vielen Zuschauern zu spielen ist etwas Besonderes. Eine Herzensangelegenheit waren Spiele auf St. Pauli für mich und auch die Partie beim HSV war für mich etwas ganz, ganz spezielles. Wenn ich so darüber nachdenke, werde ich aber eigentlich alles aus dem Profifußball vermissen, von den Trainingsplätzen über die Teamkollegen bis zum Zeugwart.“

Ich will meine Trainerscheine machen (über seine Zukunftspläne)

Auf was freuen Sie sich hingegen in der kommenden Saison in Ihrer Heimat am meisten?
Brückner: „Auf meine Freunde, Familie und darauf, in der Stadt, in der ich aufgewachsen bin, wieder zuhause zu sein. Das werde ich erstmal genießen und möchte dann natürlich Spaß haben bei meiner neuen Aufgabe.“

Wenn wir schon etwas weiterdenken: Kommt nach Ihrer aktiven Karriere ein Trainerjob für Sie in Frage?
Brückner: „Ich werde mich auf jeden Fall darum bemühen, dass ich meine Trainerscheine mache. Ich habe Lust, dass ich irgendwann wieder in das Profigeschäft reinkomme, ob als Co-Trainer oder in einer anderen Form.“

Herr Brückner, vielen Dank für das Gespräch!

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