Oliver Zapel: Ohne Fußball geht es nicht

Ex-Großaspach-Trainer zeigt sich selbstkritisch

Autor: Christoph Volk Veröffentlicht: Mittwoch, 30.09.2020 | 12:00
Oliver Zapel an der Seitenlinie.

An der Seitenlinie immer emotional involviert: Oliver Zapel. ©imago images/Oryk HAIST

Die Zahl der Trainer, die in der 3. Liga an der Seitenlinie stehen dürfen, wird Jahr für Jahr größer. Dafür sorgt schon der Lehrgang für Fußballlehrer, dessen Absolventen anschließend einen Einstieg suchen. Unverändert bleibt hingegen die Anzahl der Jobs für Übungsleiter: 20 Trainerstühle sind bekanntlich zu besetzen. So befinden sich zahlreiche Trainer vor und während des Saisonstarts im Wartestand.

Einer von ihnen ist Oliver Zapel. Im Dezember 2019 trennten sich die Wege des 52-Jährigen und der SG Sonnenhof Großaspach. „Genau so intensiv, als würde ich bei einem Verein an der Linie stehen“, hat er die ersten beiden Spieltage verfolgt, wie er Liga-Drei.de verrät.

Er hat seine Datenbanken gepflegt, sich einen Überblick über die an vielen Drittliga-Standorten neu zusammengestellten Mannschaften verschafft und alle bisher ausgetragenen 20 Partien im Nachgang für sich aufgearbeitet.

Es kann schnell gehen

Zapel, nach rund zwei Jahrzehnten im Trainerbusiness mit viel Erfahrung ausgestattet, weiß: In dieser Branche kann es schnell gehen. Eine geringe Punkteausbeute zum Start, die Saisonziele rücken früh in weite Ferne: An manchen Standorten ist der Geduldsfaden der Verantwortlichen in solchen Szenarien nicht sehr strapazierfähig.

In Großaspach riss dieser Geduldsfaden nach dem 19. Spieltag. Fünf Punkte betrug der Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz zu diesem Zeitpunkt. „Ich war felsenfest davon überzeugt, dass wir den Turnaround schaffen und bin es auch heute noch“, erklärt Zapel im Brustton der Überzeugung. Die Winterpause samt der Möglichkeit, „an einigen Stellschrauben zu drehen“, hätte er gerne noch bekommen.

Bekam er allerdings nicht. Das Endergebnis ist bekannt: Zapels Freistellung blieb nicht die letzte des „Dorfklubs“ in dieser Spielzeit, am Ende stand trotzdem der Abstieg zu Buche. Mit dann zwölf Punkten Rückstand auf das rettende Ufer.

über seine zweite Station in Großaspach
„ Ich habe zuletzt Fehler gemacht, wie ich sie von mir überhaupt nicht kannte. ”
Oliver Zapel

In solch einem Fall sind Schuldzuweisungen wahrlich nicht selten. Auch Zapel greift auf sie zurück, allerdings ist deren Ziel doch überraschend: „Ich habe zuletzt Fehler gemacht, wie ich sie von mir überhaupt nicht kannte.“ In einer Branche, in der es mehr oder weniger Standard ist, die Ursachen für Erfolg bei sich, die für Misserfolg aber bei anderen zu suchen, sind solche selbstreflektierten Worte selten.

Doch Zapel ist an diesem Punkt des Gesprächs noch nicht damit fertig, sich kritisch zu hinterfragen: „Ich habe mir durch dieses gescheiterte Schnellschuss-Engagement die eine oder andere Tür verschlossen, so ehrlich muss man sein.“ Im vergangenen Dezember benötigte er erst etwas Distanz, musste die Geschehnisse sacken lassen. Dann stellte er sich und seine Arbeitsweise auf den Prüfstand. Kritisch und schonungslos.

Interessierte Klubs müssen Mut haben

„Ich habe sehr viele Gespräche mit Freunden, Beratern und sportlich Verantwortlichen geführt, in denen mir der Spiegel vorgehalten wurde. Das war manchmal hart, aber sehr hilfreich.“ Parallel hat er eine Software-Lösung für die Optimierung der Trainings- und Saisonplanung entwickelt, um im Tagesgeschäft noch mehr Zeit für die persönliche Kommunikation zu finden. Geht es nach Zapel, so trägt diese Arbeit theoretische Früchte, die er schon bald hofft, in der Praxis ernten zu können.

Dafür braucht es Mut auf Seiten des Klubs, auch da gibt sich Zapel keiner Illusion hin. Die „Bereitschaft und das Vertrauen, sich auf einen Trainer einzulassen, der sich in den letzten Jahren ausnahmslos im Abstiegskampf bewegt hat und eben solche Hardcore-Erlebnisse bereits am eigenen Leib erlebt hat“, nennt er als wichtigste Eigenschaft eines zukünftigen Arbeitsgebers. Denn auch rund zehn Monate nach seinem Abschied hat er mit dem Fußball keinesfalls abgeschlossen.

Zweites Standbein zahlt sich aus

„Ohne Fußball geht es nicht“, stellt er klar. Wo viele andere Trainer ohne Anstellung aber jedes Angebot annehmen würden, nur um wieder an der Seitenlinie zu stehen, kann Zapel von seinem zweiten Standbein zehren. „In der langen Corona-Pause konnte ich glücklicherweise davon profitieren, dass ich mich frühzeitig dual aufgestellt und viele Erfahrungen abseits des Fußballplatzes gesammelt habe“, kann er auf erfolgreiche Tätigkeiten als Unternehmer verweisen.

Diese sorgen dafür, dass er auch über den Teller-, oder besser gesagt, den Seitenlinienrand, hinausblickt. „Ich kann mir perspektivisch gut vorstellen, meine Business-Kompetenzen in Einklang zu bringen mit dem Fußball. In einem Job, der viel mit Fußball zu tun hat, aber eben nicht mit der täglichen Arbeit auf dem Rasen.“ Vorerst, und das war im Gespräch mit Oliver Zapel deutlich zu spüren, ist die tägliche Arbeit auf dem Rasen aber genau das, was ihn antreibt.

 

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