René Rydlewicz: „Bei diesen Ost-Derbys war immer viel los“

Der frühere Profi & Trainer über seine Ex-Klubs

René Rydlewicz als Trainer in Cottbus und als Spieler bei Hansa

Schaffte den Sprung vom Spieler zum Trainer: René Rydlewicz. ©Imago/photoarena/Eisenhuth/pmk

Am Samstag kommt es zum zweiten Mal in dieser Saison zum Duell Hansa Rostock gegen Energie Cottbus. Wir haben uns mit René Rydlewicz im Vorfeld der Partie einen Experten geschnappt, der beide Vereine gut kennt: Acht Jahre trug der heute 45-Jährige das Hansa-Trikot, nach seiner aktiven Karriere stand er unter anderem bei Energie Cottbus an der Seitenlinie.

Wieso er den Lausitzern den Klassenerhalt zutraut, wie Hansa nach dem von Dotchev abgehakten Aufstieg weitermachen sollte, erzählt uns Rydlewicz im Interview. Außerdem spricht er über seinen Rücktritt vom Cheftrainerposten des BFC Dynamo.

Herr Rydlewicz, am Sonntag wurde bekannt, dass Sie von Ihrem Trainerjob beim BFC Dynamo Ende des Jahres zurücktreten. Wie schwer fiel Ihnen die Entscheidung?
René Rydlewicz: „Sehr schwer, denn der BFC ist mein Kindheitsverein. Ich hatte dort zweieinhalb schöne Jahre als Trainer. Am Montag habe ich meine Sachen, die sich über die Jahre angesammelt haben, abgeholt. Das ganze Auto war voll. Es ist für mich also ein emotionaler Abschied von einem Verein, dem ich nach wie vor sehr eng verbunden bin.“

Vor dem BFC standen Sie für Energie Cottbus, u.a. als Co-Trainer sowie im Jugendbereich, an der Seitenlinie. Welche Verbindungen haben Sie heute noch zum Verein?
Rydlewicz: „Ich habe zu Energie Cottbus immer mal lose Kontakt, auch mit den Leuten von der Geschäftsstelle. Aus meiner Zeit als Nachwuchsleiter hatte ich mit vielen Leuten dort zu tun und der Kontakt besteht heute noch hin und wieder.“

Ich lebe ja in Cottbus und bekomme mit, dass da keiner spinnt (über das Umfeld bei Energie)

Energie befindet sich im Abstiegskampf. Auf welche besondere Stärke können sich die Cottbusser dabei verlassen?
Rydlewicz: „Energie Cottbus hat eine Mannschaft, die schon länger zusammenspielt und gewachsen ist. Als Aufsteiger hat man es immer schwer, dafür macht es Cottbus aber vernünftig. Ein großer Vorteil ist das Umfeld.

Ich lebe ja in Cottbus und bekomme mit, dass da keiner spinnt. Jeder kennt das Ziel, es wird kein künstlicher Druck aufgebaut. Dadurch, dass alle handelnden Personen ruhig und besonnen agieren, wird Energie meiner Meinung nach den Klassenerhalt schaffen.“

Als Spieler standen Sie zehnmal gegen Energie auf dem Feld, meist für Hansa. Waren diese Duelle immer besonders reizvoll?
Rydlewicz: „Auf jeden Fall. Bei diesen Ost-Derbys war immer viel los. Für mich persönlich war es dann noch spezieller. Mein Vater, meine Oma stammen aus der Nähe von Cottbus und drücken Energie die Daumen, ein anderer Teil meiner Familie fiebert mit Hansa Rostock mit. Für mich war die Partie daher immer etwas Besonderes.“

In Rostock herrscht eine riesige Begeisterung, es gehen enorm viele Fans ins Stadion (über Euphorie in Rostock)

Damals kickte Hansa allerdings noch in der Bundesliga. Der anvisierte Aufstieg in die zweite Liga wurde kürzlich von Trainer Pavel Dotchev abgehakt. Worauf kommt es also in der restlichen Saison an?
Rydlewicz: „In Rostock herrscht eine riesige Begeisterung, es gehen enorm viele Fans ins Stadion. Unabhängig vom Aufstieg muss man die Anhänger einfach zufriedenstellen wollen. Es geht also darum, so viel Spiele wie möglich zu gewinnen und den Fans etwas zu bieten.

Die Atmosphäre ist fantastisch, da läuft man fast von allein. Gerade im kommenden Spiel gegen Cottbus wird wieder einiges los sein, das wird Spaß machen. Generell hat Hansa ja eine gute Truppe, die schon sehr vernünftige Spiele abgeliefert hat.“

Wer kommt für Sie in dieser Saison für den Aufstieg in Frage?
Rydlewicz: „Schwierig, aber die Mannschaften, die jetzt oben stehen wie Karlsruhe, Uerdingen und Osnabrück sind schon sehr stabil. Gerade Uerdingen ist eine mit viel Prominenz bestückte Mannschaft. Alle drei Klubs spielen eine stabile Hinrunde und es ist momentan nicht zu erkennen, dass sie irgendwann nachlassen.“

Es gibt ein gepflegtes Unentschieden. (sein Tipp für Samstag)

Zurück zum anstehenden Duell: Das Hinspiel zwischen Rostock und Cottbus endete mit einem deutlichen 3:0-Sieg für Energie. Wie geht es diesmal aus?
Rydlewicz: „Ich habe Freunde auf beiden Seiten und werde mich daher nicht in die Nesseln setzen: Es gibt ein gepflegtes Unentschieden.“

Sind sie im Stadion?
Rydlewicz: „Ja, ich habe es vor. Mein Sohn hat dann bereits Ferien und wir wollen gemeinsam mit meinem Schwiegervater das Spiel vor Ort anschauen.“

Eingangs erwähnten wir Ihren Rücktritt beim BFC Dynamo. Wie lauten nun Ihre Pläne für die nahe Zukunft?
Rydlewicz: „Wir feiern erstmal entspannt Weihnachten und Silvester. Dann gucken wir, was passiert. Spezielle Pläne habe ich nicht. Man muss solche Sachen auch erst verarbeiten und analysieren. Dann geht es weiter. Den Fußballlehrer habe ich aber nicht umsonst gemacht. Das ganze Jahr immer nach Köln zu fahren, war so stressig, dass ich das Trainerdasein nicht so einfach aufgebe (lacht).“

Herr Rydlewicz, vielen Dank für das Gespräch!

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