Rot-Weiß Erfurt: Interview mit Marcel Kaffenberger

"Ich weiß, was ich dem Verein zu verdanken habe."

Marcel Kaffenberger im Trikot von Rot-Weiß Erfurt

Marcel Kaffenberger konnte sich bei RWE wieder in den Fokus spielen. ©Imago/Picture Point

Im Winter wurde Rot-Weiß Erfurt mit dem Ziel, doch noch den Klassenerhalt zu schaffen, noch verstärkt auf dem Transfermarkt tätig. Eine der Neuverpflichtungen war der zu diesem Zeitpunkt vereinslose Marcel Kaffenberger. Nach einem Achillessehnenriss im April 2017 während seine Engagements in Lotte fand er keinen neuen Klub und kämpfte sich alleine durch die schwere Verletzung zurück, bis ihm RWE eine Chance bot.

Der gebürtige Frankfurter wurde umgehend zum Stammspieler und stemmte sich mit seinen Teamkameraden lange gegen den Abstieg. Mit Liga-Drei.de spricht er über seine turbulente Zeit in Erfurt, Dankbarkeit für den Klub und die nächsten Ziele.

Herr Kaffenberger, turbulente Monate liegen hinter Ihnen. Würden Sie rückblickend gesehen wieder zu RWE wechseln?
Marcel Kaffenberger: „Auf jeden Fall! Natürlich waren es wie gesagt turbulente Monate, auch für mich persönlich nach dem Achillessehnenriss, dann die Insolvenz und der Abstieg. Nichtsdestotrotz war es für mich nach der Verletzung der richtige Schritt. Ich konnte mich als Führungsspieler etablieren und fast alle Spiele über 90 Minuten bestreiten.“ 

Zu Beginn der Rückrunde herrschte nach dem Sieg über Magdeburg Aufbruchstimmung. Wieso konnte die Mannschaft diese nicht ummünzen?
Kaffenberger: „Es ist zwar eine Floskel, aber: Es kommt dann eben viel zusammen, wenn man unten drinsteht, wie die späten Gegentore in Jena und gegen Unterhaching. Aber man muss ganz ehrlich sagen: Wir hätten eben diese Spiele einfach für uns entscheiden müssen.“

Wahnsinn! (über die Fans von RWE)

Nach dem feststehenden RWE-Abstieg haben Sie sich auch Facebook an die Fans gewandt und Mut gemacht. Das spricht für viel Identifikation mit dem Verein…
Kaffenberger: „Ich bin ein Typ, der bei einem Verein versucht, alles rauszuhauen und sich mit den Leuten identifizieren will. Ich weiß, wie viel Herzblut jeder in seinen Verein steckt und wie viel Geld ein Fan dafür ausgibt. Dann ist die Enttäuschung natürlich zu verstehen und man muss als Spieler mit Kritik umgehen können. Sie muss nur immer sachlich sein und nicht überzogen. Das will ich auch bei künftigen Vereinen so machen, aber gerade hier in Erfurt fühle ich mich auch nach der kurzen Zeit schon sehr wohl.“ 

Wie haben Sie die Fans in Erfurt kennengelernt?
Kaffenberger: „Wahnsinn! Wie sie uns trotz 0:5 noch 90 Minuten unterstützt haben, das gibt es nicht überall. Man sieht einfach, dass RWE ein Traditionsverein ist und die Fans dahinterstehen. Jetzt muss der Verein schauen, dass man sich mit den Fans zusammen ein gutes Gerüst für die kommenden Monate aufbaut.

Mit einer gut zusammengestellten Mannschaft muss man dann versuchen, eine gute Rolle in der Regionalliga Nordost zu spielen. Das wird nicht leicht, denn es gibt finanzstarke Klubs in der Liga, die um den direkten Aufstiegsplatz kämpfen werden.“

Zuletzt stand ein 0:5 gegen Chemnitz zu Buche, nachdem Coach Emmerling die Routiniers harsch kritisierte. Wie ist Ihre Wahrnehmung, können die Führungsspieler die Mannschaft nicht mitreißen?
Kaffenberger: „Ich denke schon, dass wir gute Führungsspieler haben. Es ist aber keine einfache Situation für den Kopf. Jeder weiß, dass es sportlich um nichts mehr geht. Doch für jeden einzelnen geht es um viel, denn jeder will sich anbieten, sei es für RWE oder für einen neuen Verein. Da muss sich einfach jeder Spieler in jedem Spiel klar sein, dass man alles raushauen muss.

Der Trainer hat zwar jetzt die Führungsspieler in die Pflicht genommen, zu denen ich mich auch zähle für die jungen Spieler. Aber jeder, nicht nur die Führungsspieler, muss jetzt versuchen vorneweg zu gehen.“

Das wird der Insolvenzverwalter regeln. (über fehlende Ansprechpartner bei RWE)

Spielt in den restlichen Partien nur noch jeder für sich oder muss es nicht auch das Ziel sein, den Verein gut zu repräsentieren?
Kaffenberger: „Es geht um beides. Für den Verein ist es unglaublich wichtig, dass man in den letzten Spielen auch nochmal Sponsoren für die Zukunft für sich gewinnt. Die Spieler haben auch einen Arbeitsvertrag bei RWE und da muss man den Verein bestmöglich repräsentieren. Außerdem verliert kein Spieler gern.“ 

Gut repräsentiert wurde RWE zuletzt nicht durch die Führungsetage. Außenstehenden ist unklar, wer überhaupt die Ansprechpartner sind. Wie nehmen Sie das als Spieler wahr? Wer ist der Ansprechpartner bei Planungsthemen?
Kaffenberger: „Ich bin auch erst seit drei Monaten da, habe aber auch schon mitbekommen, dass es Unstimmigkeiten gab. Aber wer jetzt genau für was zuständig ist, wissen wir auch nicht. Das wird der Insolvenzverwalter in den nächsten Wochen erst regeln.“

RWE ist mein erster Ansprechpartner. (über seine Zukunft)

Für Sie selbst stand nach einer langen Verletzung im Fokus, wieder Spielpraxis zu bekommen. Wie zufrieden sind Sie persönlich mit Ihren Leistungen in Erfurt?
Kaffenberger: „Ich habe ja meistens Innenverteidiger gespielt, obwohl ich eigentlich eher im defensiven Mittelfeld zu Hause bin. Das habe ich ganz ordentlich gemacht, denke ich. Ich habe viel Spielzeit bekommen, sodass es für mich persönlich schon erfolgreiche drei Monate waren.“

Sie haben jetzt 36 Drittliga-Spiele bestritten. Wollen Sie in der dritten Liga bleiben oder könnten Sie sich auch vorstellen, beim RWE-Neuanfang dabei zu sein?
Kaffenberger: „Natürlich will jeder Fußballer das bestmögliche erreichen. Ich denke, ich konnte unter Beweis stellen, dass ich das Potenzial für die 3. Liga habe. Aber man sagt ja nicht umsonst, manchmal ist es besser einen Schritt zurück zu gehen, um dann zwei nach vorne zu gehen.

Man muss abwägen, wo die Gegebenheiten am besten sind. RWE ist aber mein erster Ansprechpartner. Ich weiß, was ich dem Verein zu verdanken habe. Da backe ich weiterhin ganz kleine Brötchen. Ich schaue was in der Zukunft kommt, wenn die letzten fünf Spiele vorbei sind.“ 

Herr Kaffenberger, vielen Dank für das Gespräch!

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