SG Sonnenhof Großaspach: Die Teilzeit-Gipfelstürmer

Dorfklub-Kicker zwischen Hörsaal und Spielfeld

Julian Leist, Kai Gehring und Saliou Sane jubeln.

Erfolgreicher Dorfklub: Das SG-System funktioniert ©Imago/Sportfoto Rudel

31 Punkte hat Sonnenhof Großaspach auf dem Konto und setzt sich damit im oberen Tabellendrittel fest. In der vergangenen Saison hätte die SG mit dieser Ausbeute sogar zu den Spitzenteams gezählt. In dieser Spielzeit ärgerten Sohm und Co. bereits Magdeburg oder Karlsruhe. Was noch beeindruckender ist: Das alles schafft der Dorfklub größtenteils mit Teilzeit-Profis.

„75 Prozent unserer Jungs machen noch nebenbei eine Ausbildung, ein Studium oder ein Praktikum“, so Sportdirektor Joannis Koukoutrigas gegenüber Liga-Drei.de. Doch wie bringen die Kicker Fußball und Job unter einen Hut?

SG mit Vorreiter-Rolle

„Die Trainingspläne sind bei uns immer abgestimmt“, so der Aspacher Erfolgsarchitekt weiter, allerdings stehe „der Fußball dabei natürlich zu 100 Prozent im Fokus“. Die Zeiten, die die Spieler bei Ihren Arbeitgebern fehlen, arbeiten sie nach.

Dabei ist diese „Doppelbelastung“ in Großaspach nicht nur lästige Pflicht, sondern ausdrücklich erwünscht. „Die Jungs können jederzeit auf uns zukommen und sagen, sie möchten sich weiterbilden. Wir bieten unseren Spielern dann Unterstützung an“, so Koukoutrigas.

Schiek bringt SG an die Uni

Beste Beispiele für die Verzahnung von Arbeit und Fußball bei der SG sind Pascal Sohm und Sebastian Schiek. Erstgenannter absolvierte zunächst ein Studium und „arbeitet nebenbei bei der Marketing- und Medienfirma Ferber Marketing“ mit, wie der Großaspacher Sportdirektor erzählt.

Schiek absolviert gar ein Duales Studium und arbeitet dabei im Hotel Sonnenhof. Die SG dient sogar als Anschauungsmaterial: Der Defensivspieler „schreibt teilweise seine Studienarbeiten über Themen der SG“, so Koukoutrigas.

Unabhängig vom Alter ist dieses System ein Anreiz für Spieler, zur SG zu wechseln (Joannis Koukoutrigas)

Die enge Verzahnung von Job und Beruf bringt dabei nicht nur für die Spieler, sondern auch für den Verein positive Effekte mit sich. „Unabhängig vom Alter ist dieses System ein Anreiz für Spieler, zur SG zu wechseln“, so Koukoutrigas, der generell jedem Drittliga-Spieler rät, „dass er sich darüber Gedanken macht“.

Gerade in der dritten Liga seien die „Gehälter beschränkt“, daher habe jeder einen Vorteil, der sich schon während seiner Karriere ein zweites Standbein aufbaut.

Koukoutrigas bleibt bescheiden

Die nötige Bodenständigkeit, die ein Spieler dafür mitbringen muss, spielt in Großaspach eine große Rolle. „Vor einer Verpflichtung treffen wir uns mit einem Spieler dann schon zwei, drei Mal, um ihn gut kennenzulernen und damit auch er uns gut kennenlernt“, so Koukoutrigas. Der 42-Jährige hat den aktuellen Kader zusammengestellt. Dafür ist er „nahezu jeden Tag auf Sportplätzen unterwegs“. 

Es macht mir Riesen-Spaß in diesem familiären Umfeld zu arbeiten (Joannis Koukoutrigas)

Doch Erfolg weckt bekanntlich Begehrlichkeiten. Dennoch beschäftigt sich der Grieche nicht mit eventuellen Angeboten. Es macht mir Riesen-Spaß in diesem familiären Umfeld zu arbeiten“, so Koukoutrigas.

Besonders „die kurzen Entscheidungswege“ würden ihm die Arbeit erleichtern. Seit elf Jahren bekleidet er die Position des Sportdirektors in Großaspach und hofft, „dass ich hier noch lange weiterarbeiten darf“.

Mit der SG hat Koukoutrigas noch einiges vor, auch wenn er vorerst schwäbisch bescheiden bleibt. „Wir sind demütig und wollen unseren Weg weitergehen“, sagt er und schickt hinterher: „Wo unser Weg endet, das zeigt die Zukunft“.

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