SG Sonnenhof Großaspach: Interview mit Sascha Hildmann

"Wir werden in dieser Saison überall der Underdog sein"

Sascha Hildmann beim Training

„Glaube an diese Mannschaft“ – Sascha Hildmann ist überzeugt von seinem Team. ©Imago/Hartenfelser

Sascha Hildmann betreut die SG Sonnenhof Großaspach seit der vergangenen Saison und schaffte mit ihr souverän den Klassenerhalt. Der Fußballlehrer muss nun allerdings einen Umbruch bewältigen, zwölf Spieler verließen die SG.

Wie der Verein diesen meistern will, welche Lehren der 46-Jährige aus der WM zieht und was er über die ersten Gegner Carl Zeiss Jena sowie Ex-Klub Kaiserslautern zu sagen hat, lest Ihr im Liga-Drei.de-Interview.

Herr Hildmann, die Vorbereitung ist schon in der Endphase, hatten Sie dennoch Zeit die WM zu verfolgen?
Sascha Hildmann: „Ja, natürlich. Die WM ist für jeden Trainer spannend. Man erkennt neue Trends, neue Stile, viele Dinge, die man sich vielleicht ein bisschen abschauen kann.“

Welche Erkenntnisse aus dem Turnier sind für Sie besonders wertvoll?
Hildmann: „Man hat gesehen, dass viel Wert auf Sicherheit gelegt wurde, das Zentrum wurde geschlossen, es gab viel Umschaltspiel und viele Standards. Da war auch für uns einiges interessant.“

Viele fanden es schade, dass auch die starken Teams wie Frankreich auf Sicherheit spielten…
Hildmann: „Ich weiß nicht, ob das schade ist. Im Endeffekt sind sie Weltmeister geworden und das einzige, was im Fußball zählt, ist der Erfolg. In jedem Fall haben wir gelernt, der Ballbesitz spielt nicht mehr die große Rolle. Deutschland hatte in drei Spielen über 70% Ballbesitz und gewinnt nur eins. Die Zielstrebigkeit und Robustheit darf man eben nicht vergessen.“

Brauche eine gewisse Flexibilität. (über das Spielsystem)

Im Interview verriet uns Horst Steffen, dass er sich in freier Zeit oft Anregungen aus der Bundesliga holt. Woher ziehen Sie neue Impulse, wenn kein WM-Jahr ist?
Hildmann: „Von überall, ich bin da viel unterwegs. Man kann sich immer irgendwo etwas abschauen. Das kann in der Regionalliga genauso wie in der Bundesliga sein. Ein Trainer muss immer die Augen und Ohren offen halten. Natürlich sind in der 1. Liga die besten Spieler und man kann da sicherlich vieles kopieren, muss es aber oft abwandeln.“

Dass sie vor Innovationen nicht zurückschrecken, sah man letzte Saison. Mal wurde Dreier- mal Viererkette gespielt. Was sind die jeweiligen Vorteile der Varianten
Hildmann: „Mit einer Dreierkette und zwei Sechsern davor ist das Zentrum natürlich sehr geschlossen. Wenn Angriffe kommen müssen sie in der Regel über außen kommen, wo man dann aufpassen muss.

Mit einer Viererkette hat man Vorteile in der Breite. Dann kann man noch entscheiden, welche Formation im Mittelfeld am besten dazu passt, zum Beispiel flach oder in einer Raute. Kurz: Der Vorteil der Dreierkette liegt im Zentrum, mit der Viererkette im Spiel über außen. Ich möchte aber immer für meine Mannschaft am jeweiligen Tag das beste System haben. Deswegen brauche ich da eine gewisse Flexibilität.“

Die Jungs sind sehr offen. (über seine Mannschaft)

Suchen Sie neue Spieler gezielt für Ihre bevorzugten Systeme aus, oder bestimmt das Spielermaterial die Taktik?
Hildmann: „Es ist eine Mischung aus Beidem. Ich muss flexibel sein, meine Spieler müssen flexibel sein. Natürlich versuchen wir die Spieler für unsere Idee zu bekommen. Aber wir müssen uns schon danach richten, welches Spielermaterial wir haben und was jetzt am besten zu dieser Mannschaft passt. Das ist jedes Jahr eine Herausforderung.“

In diesem Sommer gab es ja personell erneut viele Veränderungen. Wie gut hat sich das Team schon gefunden?
Hildmann: „Wir sind auf einem sehr guten Weg. Was mir an dieser Mannschaft gefällt ist, dass sie eine sehr gute Mentalität hat. Die Jungs sind sehr offen, gehen aufeinander zu und versuchen sich zu finden. Sie unternehmen auch zusammen viel.

Im Trainingslager haben wir vor allem Spielformen gemacht, damit die Automatismen schnell greifen. Jetzt muss das alles zusammenwachsen. Wir werden in dieser Saison überall der Underdog sein, deshalb müssen wir uns über diese mannschaftliche Geschlossenheit von anderen Mannschaften absetzen.“

Das ist mehr als ein Verein, da ist viel Herz dabei. (über den 1. FC Kaiserslautern)

Am ersten Spieltag geht es nach Jena, gegen die es letzte Saison zweimal 0:0 hieß. Wären Sie damit wieder zufrieden?
Hildmann: „Wenn man die ersten Spiele nicht verliert, ist man erstmal zufrieden. Ich warte aber gerne das Spiel ab, denn je nachdem wie es läuft, kannst du glücklich sein über diesen Punkt, oder dich ärgern. Ich erinnere mich noch, dass wir letztes Jahr in Jena kurz vor Schluss durch Saliou Sané die große Chance auf den Siegtreffer hatten und er am freien Tor vorbeischoss. Im Rückspiel hatte dann Jena die Gelegenheit, das Spiel zu entscheiden.

Am ersten Spieltag ist es noch schwieriger einzuschätzen, weil du die Mannschaft nicht kennst. Die 3. Liga ist brutal und wir sind demütig genug, uns über jeden Punkt zu freuen. Trotzdem wollen wir abwarten, was da auf uns zukommt.“

Am zweiten Spieltag kommt Kaiserslautern. Welche Beziehungen haben Sie als gebürtiger Lauterer und Ex-FCK-Spieler noch zum Verein?
Hildmann: „Ich habe eine sehr gute Beziehung zum Verein. Ich bin groß geworden in diesem Klub, habe seit der C-Jugend dort gespielt, mich bis zu den Profis hochgearbeitet. Mein Vater hat mich schon als kleinen Jungen mit auf den Betzenberg genommen. Ich habe dort viele tolle Spiele gesehen und erlebt.

Das ist schon etwas Besonderes. Einerseits bin ich froh, dass wir uns als Großaspach mit dem 1. FC Kaiserslautern messen dürfen, andererseits bin ich auch traurig, dass es so weit gekommen ist. Denn ich kann mich noch wie heute an die Champions League-Spiele gegen Barcelona und Ajax erinnern. Ich weiß, was es für die ganze Stadt und das Umfeld bedeutet. Das ist mehr als ein Verein, da ist viel Herz dabei. Ich werde jetzt in der Stadt schon sehr oft darauf angesprochen.“

Mit Teamgeist und Geschlossenheit. (über die nötigen Erfolgsfaktoren)

Nicht nur beim FCK treffen Sie alte Bekannte. Mit Ihnen hatte 2015 der sportliche Leiter von 1860 Günther Gorenzel den Fußballlehrer gemacht, genau wie Rüdiger Rehm. Gibt es ein Klassentreffen?
Hildmann: „(lacht) Das könnte man fast vermuten. Ich habe mich mit Günther immer sehr gut verstanden, mit „Rüde“ sowieso. Letztes Jahr war noch Steffen Baumgart dabei. Man trifft immer irgendwo alte Bekannte. Ich finde es schön, dass man im Fußball so häufig zusammenkommt.“

Daniel Bierofka macht gerade den Lehrgang, Günther Gorenzel vertritt ihn dann beim Training. Wie hoch ist diese Belastung von gleichzeitigem Lizenzerwerb und Profi-Trainer-Tätigkeit in der 3. Liga?
Hildmann: „Das darf man nicht unterschätzen. Die Ausbildung zum Fußballehrer ist stramm, du bekommst da nichts geschenkt. Die Belastung ist schon sehr hoch.“

1860 und die anderen Aufsteiger sind sehr ambitioniert, die Absteiger aus der 2. Liga sind echte Knaller. Wie kann sich die SGA trotzdem steigern im Vergleich zum Vorjahr?
Hildmann: „Wie ich eingangs schon gesagt habe: Mit Teamgeist und Geschlossenheit. Wir müssen nicht darüber reden, wir müssen es leben. Auch in schlechten Zeiten müssen wir zusammenstehen. Das sollen keine Floskeln sein. 

Ich glaube an diese Mannschaft. Wir haben gute Jungs dazubekommen, wir sind fußballerisch gut aufgestellt. Jetzt gilt es, das ab dem Saisonstart auch in den Ergebnissen zu zeigen. Wir werden von allen wie immer als Absteiger Nummer 1 gehandelt. Wir sind aber jetzt das vierte Jahr dabei und versuchen auch jetzt wieder, das Rad in diese Richtung zu drehen.“

Wagen Sie zum Schluss eine Prognose: Wo landet Sonnenhof Großaspach in der kommenden Saison?
Hildmann: „Es gibt genug Trainer, die jetzt nichts sagen und sich zurückhalten würden. Aber unser Anspruch ist es, so schnell wie möglich Sicherheit zu haben. Alles andere kommt von selbst.“

Herr Hildmann, vielen Dank für das Gespräch!

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