Sonnenhof Großaspach: Boysens Freundschaftsdienst

Ex-Spieler Karim Benyamina über den SGA-Coach

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Samstag, 28.03.2020 | 09:00

Hans-Jürgen Boysen

Seit Ende Februar ist Hans-Jürgen Boysen für den "Dorfklub" verantwortlich. ©imago images

Dass die Allianz zwischen einem Verein und einem Fußball-Trainer zuweilen so intensiv und dauerhaft ist, dass beide Seiten einfach nicht voneinander loskommen mögen und so über ein ganzes Jahrzehnt verteilt immer wieder aufs Neue zueinanderfinden, ist voller Beispiele.

Arminia Bielefeld und Ernst Middendorp haben dreimal zueinander gefunden. Ebenso Greuther Fürth und Benno Möhlmann. Und auch in der Trainerkarriere von Hans-Jürgen Boysen existiert ein Aktionsfeld-Hattrick: Mit den Offenbacher Kickers.

Boysen soll retten, was noch zu retten ist

Zweimal, 1999 und 2005, war es dem Fußball-Lehrer gelungen, die Kicker vom Bieberer Berg in die 2. Bundesliga zu steuern. Ein drittes Mal, das war 2009, blieb ihm dieser Triumph knapp verwehrt. Boysen und seine Offenbacher scheiterten auf dem Weg dorthin erst in der Relegation.

Jetzt ist Hans-Jürgen Boysen wieder aktiv. Zumindest wäre er wieder aktiv, wenn alles so wäre wie immer. Bei Sonnenhof Großaspach ist er im Februar eingestiegen, um beim Tabellenvorletzten der 3. Liga noch ein wenig zu retten, was noch zu retten ist. Doch nun weiß niemand, ob Boysen überhaupt noch einmal gebraucht wird dort.

Die SGA übernahm er als Freundschaftsdienst

Auch Großaspach ist für Boysen zwar ebenfalls eine Rückkehr in einen kleinen Teil seiner sportlichen Vergangenheit. Doch was heute gilt, galt schon damals: Die Zusammenarbeit ist in der Rubrik Freundschaftsdienst platziert und - heute wie damals - nur für eine kurze Zeit vorgesehen. Warum ?

Nun, Hans-Jürgen Boysen lebt dort, ist Stammgast bei den Heimspielen dort, kennt alles und jeden Spieler. Und: Ist eng befreundet mit dem Klubchef. Und hier wohl liegt der Hund im Pfeffer begraben: Für den Fußball wollen sie ihre Freundschaft keinesfalls aufs Spiel setzen. Um zu erfahren wer dieser Boysen ist und wofür er steht, müssen wir bereit sein auf eine kleine Zeitreise zu gehen.

Rückkehr nach sechs Jahren

In über 100 Spielen für den 1.FC Saarbrücken und den Karlsruher SC hatte Boysen einst als Innenverteidiger sogar im Fußball-Oberhaus stets verlässlich seinen Mann gestanden.
Doch in den letzten sechs Jahren hat Boysen sein Fußballherz komplett auf Ruhepuls gestellt. Sechs Jahre ist er ohne Engagement geblieben. Kein Team, kein Match, keine Aufregung.

Liga-Drei.de hat einen Zeitzeugen der Spielzeit 2011/2012 zu Boysen befragt. Karim Benyamina war ein schneller, dynamischer und verlässlicher Toremacher damals. In 192 Spielen für den 1.FC Union Berlin in der 2. Bundesliga sowie zuvor in der 3. Liga hatte er 62 Treffer erzielt und sich so ins Blickfeld des FSV Frankfurt gespielt.

Hans-Jürgen Boysen klatscht mit Karim Benyamina ab.

18 Spiele bestritt Karim Benyamina unter Hans-Jürgen-Boysen. ©imago images/Eibner

Als Benyamina kam, war Boysen schon zwei Jahre dort. Und beide Male hatten sich Boysen und seinen Kicker vom Bornheimer Hang recht schwergetan, die 2. Bundesliga zu erhalten. Für einen Neuzugang schienen gewisse Spannungen im Kader offenbar spürbar.

Karim Benyamina, wie sind Sie klargekommen mit Boysen?
Karim Benyamina: "Er hat mich geholt. Von Union Berlin zum FSV Frankfurt. Ich glaube, er mochte mich. Und ich mochte ihn auch."

Wie ist sein Zugang zur Mannschaft?
Benyamina: "Obwohl er eine Autorität war, hatte er immer eine sympathische Art dabei. Mit seiner glaubwürdigen Präsenz hat er es durchweg geschafft, dass wir ihm zuhörten."

Wie ist der Fußball aus der Machart Boysen?
Benyamina: "Recht einfach gestrickt, doch immerhin offensiv."

In 23 Einsätzen für den FSV langte es für Sie nur zu fünf Treffern und vier Assists. Eines davon immerhin auch gegen Union. Was ist schiefgelaufen?
Benyamina: "Fußballerisch konnte ich beim FSV kaum Akzente setzen. Ich fühlte mich allein dort vorn im Angriffszentrum wie ein Fremdkörper. So richtig wettbewerbsfähig war die Mannschaft damals ohnehin nicht."

Und so verlor Boysen seinen Job…
Benyamina: "Dann kam Benno Möhlmann und der brachte gleich zwei neue Stürmer mit. Und das war es dann auch für mich beim FSV."

Boysens Comeback in Großaspach verlief derweil fürs Erste durchaus hoffnungsvoll. Dem Sieg über Halle folgte zwar eine Niederlage, doch gegen die flinken Bundesliga-Azubis des FC Bayern haben in diesem Jahr auch alle anderen Teams einen schweren Stand.

Im Mai wird Boysen 63 Jahre alt und dann wohl wieder seinen Fußball-Ruhestand genießen können.

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