Sonnenhof Großaspach: Interview mit Oliver Zapel

"Wir wollen den Zuschauern mehr Spektakel bieten"

Oliver Zapel von der SG Sonnenhof großaspach

Ehrgeizig wie eh und je: Dorfklub-Trainer Oliver Zapel will mit attraktivem Fußball Erfolg haben. ©Imago images/foto2press

Die SG Sonnenhof Großaspach gehört in jeder Saison im Vorfeld zu den Mannschaften, denen ein schweres Jahr prophezeit wird. Doch immer wieder hält sich der „Dorfklub“ in der Klasse. 2016/17 schaffte Trainer Oliver Zapel das bereits mit der SG und will das Kunststück nach seiner Rückkehr im Sommer wiederholen. Im Vergleich zu den Vorjahren soll seine Mannschaft dabei aber auch noch attraktiv spielen.

Wie er seine Spieler dahin gehend entwickelt, warum es für den kleinen Verein immer schwerer wird und wie er den kommenden Gegner Eintracht Braunschweig erwartet, erzählt er im Interview mit Liga-Drei.de

Wir sind 12 Spieltage weit in der neuen Saison. Wie lange dauerte die Eingewöhnungszeit nach der Rückkehr zur SGA?
Oliver Zapel: „Ich würde sagen eine halbe Stunde (lacht). Ich habe die Kontakte nie abreißen lassen. Alles ist relativ unverändert geblieben mit Ausnahme der Mannschaft. Mit der hatte ich mich aber im Vorweg schon so intensiv auseinandergesetzt, dass mir kein Gesicht wirklich neu war.“

Es ist bislang die erwartet schwere Saison für den „Dorfklub“. Wie bewerten Sie den bisherigen Saisonverlauf?
Zapel: „Wir waren mit verschiedenen Zielsetzungen in die Saison gestartet. Der Klassenerhalt ist das vorrangige Ziel, im Idealfall den Pokal zu gewinnen ein weiteres. Das dritte wichtige Ziel ist, Spieler aus unteren Klassen zu integrieren und Spieler, die schon vorher dabei waren, zu gestandenen Dritt- oder sogar Zweitliga-Spielern zu machen.“

Es fällt auf, dass Großaspach versucht, offensiver zu spielen als in der Vergangenheit. Auch ein erklärtes Ziel vor der Saison?
Zapel: „Im Zusammenhang mit der Entwicklung der Spieler wollten wir tatsächlich unsere Art Fußball zu spielen verändern, attraktiver spielen und den Zuschauern mehr Spektakel bieten.
Das sind eine ganze Reihe ambitionierter Ziele, von denen jedes einzelne schon eine Herausforderung ist. Wir sind in vielen Bereichen schon sehr weit. Dass wir eine neue Spielidee auf den Platz bringen, sieht man jede Woche.“

Im hohen Pressing und Herausspielen von Torchancen haben wir uns gesteigert. (über den offensiveren Ansatz)

14 Tore nach zwölf Spielen gab es in den letzten beiden Jahren nicht, dafür zwei oder drei Punkte mehr. Was fehlt, um die Attraktivität mit Ergebnissen zu krönen?
Zapel: „Dass mit einer neuen Spielidee nicht alles von der ersten Sekunde an funktioniert, ist vollkommen normal. Trotzdem bin ich manchmal positiv erstaunt, wie weit wir schon sind. Gerade im hohen Pressing und Herausspielen von Torchancen haben wir uns gesteigert.

Auf der anderen Seite ist die Zahl der bisher bekommenen Gegentreffer für uns nicht zufriedenstellend. Da setzten wir immer wieder den Hebel an. Ganz unabhängig von der Euphorie in der Erarbeitung von offensiven Mustern, müssen wir die Basis in der defensiven Arbeit legen.“

Sebastian Bösel, Julian Leist und andere sind schon länger bei der SGA. Wie nehmen diese Spieler den neuen fußballerischen Ansatz an?
Zapel: „Sie fühlen sich in diesem Ansatz viel wohler. Wir haben zuletzt vor dem Spiel gegen Münster zweimal unsere Taktik aus personeller Not abändern müssen. Die Quintessenz daraus war, dass uns die bis dahin durchgezogene Marschroute besser zu Gesicht steht. Die Jungs wollen Tore erzielen, sie wollen das Spiel so weit es geht vom eigenen Tor fernhalten.

Dass das mit mehr Intensität, höherer Laufleistung, mehr Sprints verbunden ist und sich dementsprechend auf dem Trainingsplatz niederschlägt, wissen sie. Insofern herrscht in der Mannschaft die Überzeugung, dass dieser Weg der richtige ist, der ihnen auch am meisten Spaß bereitet.“

Zu den angesprochenen langjährigen Spielern kamen junge Spieler, viele aus NLZs. Warum ist Großaspach für diese Jungs attraktiv?
Zapel: „Weil sie hier faire Chancen haben, Spielminuten zu sammeln. Sie sind nicht nur fünftes Rad am Wagen, weil man eine U23-Regel erfüllen muss, sondern sind wirklich auf Augenhöhe mit jedem anderen Teammitglied. Ich denke, es hat sich herumgesprochen, dass sogar Vereine aus der 2. Bundesliga auf uns blicken.

Es gibt genug Beispiele aus den letzten Jahren, die das belegen. Doch die Talente müssen sich um eine Achse gestandener Drittliga-Spieler herum entwickeln. Das ist in unserem derzeitigen Umbruch eine der größten Herausforderungen.“

Man muss bereit sein, sich ein Stück weit von der großen Fußballwelt abzukapseln. (über Anforderungen an SGA-Spieler)

Was müssen solche Talente charakterlich mitbringen, um sich im „etwas anderen Verein“ positiv einzubringen?
Zapel: „Sie brauchen eine gehörige Portion Selbstreflektion, denn hier wird man nicht besonders abgelenkt. Das Rahmenprogramm beschränkt sich eben auf unser Stadion, unsere Trainingsplätze und eine WG mit Mannschaftskameraden. Insofern muss man bereit sein, sich ein Stück weit von der großen weiten Fußballwelt abzukapseln, um sich dann hier auf die eigene sportliche Entwicklung zu konzentrieren.

Deswegen gucken wir genau hin, welche Spieler sich tatsächlich hier wohlfühlen könnten. Dass man damit nicht immer richtig liegt, ist klar. Allerdings haben schon viele Beispiele gezeigt, dass man sich, selbst wenn man als Großstadtkind und in edlen NLZs groß geworden ist, hier sehr gut weiterentwickeln kann.“

Julian Leist, Nicolas Jüllich und Korbinian Burger von Sonnenhof Großaspach

Engpass: Julian Leist (l.) muss vorerst ohne Nicolas Jüllich (m.) und Korbinian Burger das Team führen. ©Imago images/maBoSport

Immer mehr große Vereine sammeln sich nun in der 3. Liga. Wie kann die SGA darin weiter bestehen?
Zapel: „Durch die Neuregelung mit dem vierten Absteiger hat sich viel in der Liga getan, nicht nur positiv. Die Vereine müssen mehr ins Risiko gehen, um den Abstieg zu verhindern. Dadurch steigen die Investitionen in den Spielerkader oder die Infrastruktur. Es gibt genug Beispiele für Vereine, die da teilweise ein sehr hohes Risiko wählen, das sich teilweise Existenz bedrohend auswirkt. Dass wir denselben Weg gehen, ist ausgeschlossen.

Trotzdem müssen wir realisieren, dass der Qualitätssprung insbesondere vom letzten Jahr in diese Saison so extrem gewesen ist, dass wir den Trend ansatzweise mitgehen müssen. Weiter so zu arbeiten, wie man es in den letzten Jahren getan hat, obwohl sich die Wettbewerbssituation massiv verschärft hat, ist riskant.“

Dieser typische Drittliga-Kick-and-Rush-Fußball stirbt aus. (über den Fußball in der 3. Liga)

Jetzt wartet mit Braunschweig einer dieser großen Klubs, der aber zuletzt fünfmal nicht gewinnen konnte. Wie erwarten Sie die Eintracht?
Zapel: „Ich erwarte sie genauso wütend wie Ingolstadt. Gegen Ingolstadt hatten wir eine ganz ähnliche Situation: eine Mannschaft, die ein wenig aus der Erfolgsspur herausgeschleudert wurde, die erfahren musste, wie hoch die Qualität in der 3. Liga mittlerweile ist und dass kein einziges Spiel ein Selbstläufer ist.

Gegen Ingolstadt haben wir eine halbe Stunde lang sehr gut umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Am Ende mussten wir aber doch gewisse Kollateralschäden mit nach Hause nehmen. Ich denke dieses Spiel war für uns Warnung genug. Aber ich glaube auch Eintracht Braunschweig weiß, dass es nicht einfach ist, hier in Großaspach mal eben ein paar Punkte mitzunehmen.“

Tut sich Ihr Team gegen Mannschaften, die selbst offensiv spielen, leichter? Ich denke an das Rostock- oder Würzburg-Spiel…
Zapel: „Generell probieren es diese Saison viele Mannschaften mit einem anderen Fußball, als in den letzten Jahren. Dieser typische Drittliga-Kick-and-Rush-Fußball stirbt aus. Auch Mannschaften im Tabellenkeller wollen fußballerische Lösungen finden, sich Torchancen erspielen und eben nicht mehr nur lange Bälle auf einen Zielspieler dreschen. Uns liegt so ein offener Schlagabtausch tatsächlich mehr, weil unsere körperlichen Komponenten in diesen Umschaltsituationen gut zum Tragen kommen.

Nun wird man sehen, ob Eintracht Braunschweig bereit ist, dieses Spiel mitzugehen, oder ob sie eher auf Ballbesitz verzichten. Ihre letzten Spiele haben gezeigt, dass die Gegner höhere Ballbesitzquoten hatten als die Eintracht. Wir stellen uns auf alle Eventualitäten ein.“

Mit Jamil Dem fehlt das Herzstück unserer Mannschaft. (über die vielen Ausfälle)

Großaspach ist ja taktisch sehr flexibel, wechselt öfter die Formation und Aufstellung. Jetzt fehlen mit Sebastian Bösel, Nicolas Jüllich und Korbinian Burger drei Konstanten. Wie fängt man das auf?
Zapel: „Wir müssen uns wirklich jedes einzelne Spielerprofil nochmal vornehmen und im Training beobachten, wer sich für welche Position qualifizieren könnte. Uns fehlen ja nicht nur diese drei Spieler, sondern auch mit Jamil Dem das Herzstück unserer Mannschaft.

Darüber hinaus fehlt die gesamte linke Abwehrseite mit Dan-Patrick Poggenberg und Michael Vitzthum. Wir versuchen schon von Woche zu Woche zu improvisieren aber gleichzeitig eine Mannschaft auf den Platz zu bringen, die gegnerische Stärken bedient und die Schwächen ausnutzt. Jetzt allerdings ist es eine Mammutaufgabe.“

Vom Kurzfristigen zum Mittelfristigen: Wie lautet das Ziel bis zur Winterpause?
Zapel: „Die Planung sah so aus, dass wir die jungen Talente langsam an den Drittligaalltag heranführen. Ich nenne das Beispiel Eric Hottmann: ein Spieler, der kaum eine Sommerpause hatte. Er kommt aus der U19 des VfB Stuttgart und sollte ganz sanft an die 3. Liga herangeführt werden. Er war jedoch vom ersten Spieltag an gefordert. So ein Spieler muss irgendwann der Intensität Tribut zollen.

Wir haben außerdem mit Jonas Meiser einen sehr talentierten Stürmer, der eigentlich fest eingeplant war. Auf Grund einer Operation in der letzten Woche wird er jetzt vier bis sechs Monate ausfallen. Angesichts dieser nicht planbaren personellen Situation, müssen wir jetzt versuchen, bis zum Winter den Anschluss zu halten, dann die personelle Situation neu bewerten und entscheiden, welche Möglichkeiten zur Optimierung wir im Winter haben.“

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