Sonnenhof Großaspach: Interview mit Philipp Hercher

"Wir sind ein richtig verschworener Haufen."

Philipp Hercher von der SG Sonnenhof Großaspach

Mit fünf Toren hatte Philipp Hercher diese Saison schon viel Grund zum Feiern. ©Imago/Karina Hessland

Auch wenn die SG Sonnenhof Großaspach sich mit dem Siegen schwer tut, hat die Saison beim Dorfklub bislang doch einen klaren Gewinner hervorgebracht: Philipp Hercher hat die Anpassung an die 3. Liga nach seinem Wechsel aus dem Nachwuchs des 1. FC Nürnberg in diesem Jahr geschafft. Sein erster Versuch in Aalen war von weniger Erfolg geprägt. Über seine Entwicklung sowie die positiven Seiten der SG aber auch die durchaus schwierige sportliche Situation haben wir mit dem besten Torschützen des Dorfklubs gesprochen.

Herr Hercher, bei Ihrer Vorstellung im Sommer sagten Sie, Sie wollen sich in Großaspach „optimal weiterentwickeln“. Wie gelingt Ihnen dies nach eigener Einschätzung bisher?
Philipp Hercher: „Ich bekomme die Spielzeit, die ich mir erhofft habe. Da bin ich den Verantwortlichen der SG sehr dankbar, dass sie in dieser Hinsicht Wort gehalten haben. Hier auf dem Dorf kann man gut arbeiten und sich auf den Fußball konzentrieren, weshalb ich mich bis jetzt gut weiterentwickeln konnte.“

Wie vorteilhaft ist dieses ruhige Umfeld bei der SG für die Entwicklung?
Hercher: „Wir haben hier keine überaus großen Ultragruppierungen, die Aufstände machen, wenn es mal nicht so gut läuft, sondern können in Ruhe und konzentriert als Team weiterarbeiten. Außerdem ist die Vorstandschaft super, genau wie das gesamte Trainer- und Funktionsteam. Hier in Großaspach wird auf junge Spieler gesetzt und man bekommt Vertrauen. Das spürt man als junger Spieler.“

Timo Röttger ist beim Kartenspielen ein Fuchs. (über verborgene Talente seines Mitspielers)

Auf dem Platz haben Sie sich schon gut eingewöhnt. Ist das auch abseits des Feldes so?
Hercher: „Auf jeden Fall. Ich habe gleich im Nachbardorf eine Wohnung gefunden. Die ist fünf Minuten vom Stadion weg. Mit Jannes Hoffmann, mit dem ich schon ab und zu bei Nürnberg II gespielt habe, kannte ich bereits einen Mitspieler. Das hat mir die Eingewöhnung deutlich leichter gemacht.

Jetzt sind wir ein richtig verschworener Haufen. Wir machen viel neben dem Platz, spielen nach dem Training zum Beispiel zusammen Karten. In dem ein oder anderen Spiel suche ich zwar noch meine Gegner, aber ich denke, da wird sich im Laufe der Saison noch der ein oder andere finden (lacht).“

Das heißt im Kartenspiel kann Ihnen keiner das Wasser reichen?
Hercher: „Naja, der Timo Röttger ist was das Kartenspielen angeht natürlich ein Fuchs. Da macht ihm fast keiner was vor. Ansonsten macht es aber wie gesagt sehr viel Spaß mit den Jungs was zu unternehmen. Ich finde das macht es dann auch aus, dass wir auf dem Platz noch die entscheidenden Prozente mehr geben können.“

Das hängt mit dem Selbstvertrauen zusammen, dass einem der Trainer gibt. (über die weniger gute Zeit in Aalen)

Sie kommen aus dem beschaulichen Rheinfelden, gingen aber schon früh nach Bayern, um sich dort in der Jugend von Regensburg und Nürnberg durchzusetzen. Wie sehr hilft Ihnen das heute?
Hercher: „Ja, in Rheinfelden wurde ich geboren. Das Krankenhaus liegt genau auf der deutsch-schweizerischen Grenze – ich wurde auf der deutschen Seite geboren. Als ich drei Jahre alt war, sind meine Eltern dann aus beruflichen Gründen in die Nähe von Regensburg umgezogen.

Die Zeit in den Jugendteams von Regensburg und Nürnberg hat mich dann weitergebracht, aber auch so ein Schritt wie nach Aalen, wo ich ausgeliehen wurde, tat mir sehr gut. Dabei konnte ich die dritte Liga kennenlernen. Sportlich war es damals nicht so erfolgreich, dennoch bin ich rückblickend zufrieden“

Was hat Ihnen damals in Aalen sportlich gesehen gefehlt?
Hercher: „Das hängt viel mit dem Selbstvertrauen zusammen, das einem der Trainer gibt. Das ein oder andere Prozent hat damals in Aalen einfach gefehlt. Im Nachhinein bin ich aber sehr zufrieden, wie es gelaufen ist und dass ich jetzt in Großaspach bin.“

Die Situation der SG ist etwas kurios: Nur zwei Niederlagen, trotzdem Platz 15, weil natürlich die Siege fehlen. Freut sich die Mannschaft noch über Unentschieden in der Kabine?
Hercher: „Man sagt ja immer: Ein Unentschieden ist besser als verlieren. Klar ist es wie zuletzt gegen Braunschweig ärgerlich, wenn man spät den Ausgleich bekommt. Im Endeffekt ging der Punkt aber in Ordnung. Wir wollen jetzt schauen, dass wir die Unentschieden in Siege ummünzen können.“

Unter Schnorrenberg zeigt sich Großaspach besonders offensiv verbessert. Sebastian Bösel meinte nach dem 2:2 in München, so viel hat der Trainer gar nicht verändert. Was hat er denn genau verändert?
Hercher: „Er hat viele Ideen und stellt uns taktisch gut auf den Gegner ein. Ich finde, man kann schon Ansätze erkennen, wie der Trainer Fußball spielen lassen will, obwohl er erst seit Kurzem da ist. Ich denke, wenn wir in der Winterpause mehr Zeit haben, wird man noch mehr davon sehen.“

Von hinten anschieben macht auch Spaß. (über seine Positionswechsel)

Eine Änderung war jedenfalls, Sie auf die rechte Seite zu beordern. Wo spielen Sie eigentlich am liebsten?
Hercher: „Eigentlich ist mir das relativ egal. Wenn wir im 4-4-2 spielen natürlich im rechten oder linken Mittelfeld. Im 3-5-2 bin ich aber auch gerne der linke Pendler, also Verteidiger und Mittelfeldspieler in einem. Von hinten anzuschieben macht dann auch immer Spaß.“

Obwohl Mittelfeldspieler treten sie besonders als Torjäger hervor, auch schon bei der zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg. Woher kommt dieser Zug zum Tor?
Hercher: „Das rührt noch aus der Jugend beim 1. FC Nürnberg, als ich mit Cedric Teuchert immer im Sturm gespielt habe. Auch bei Nürnberg II war ich eher offensiv aufgestellt. Dieser Zug zum Tor ist dann einfach geblieben.“

Am Sonntag kommt mit Preußen Münster jetzt ein Spitzenteam in die Fautenhau. Wie erwarten Sie die Münsteraner?
Hercher: „Wir wissen, dass eine gehörige Portion Arbeit auf uns zukommt. Wir wissen aber auch, dass wir zuhause noch kein Spiel verloren haben. Daher gehen wir positiv ins Spiel und wollen die drei Punkte. Gerade weil danach die Länderspielpause ansteht, wäre ein Erfolg extrem wichtig. Deshalb werden wir alles daransetzen, dass wir gewinnen können.“

Wir werden alles daran setzen, dass wir gewinnen können. (über das Spiel gegen Preußen Münster)

Was waren die Schwerpunkte in der Spielvorbereitung?
Hercher: „Wir haben trainiert wie immer und uns dazu Videoszenen von Münster angeschaut. Wir wissen, dass sie sehr gute Einzelspieler haben, wie etwa Kobylanski, der fast aus jeder Situation ein Tor machen kann. Wir kennen aber auch unsere Stärken und müssen einfach dagegenhalten.“

Die Preußen kassieren auswärts relativ viele Gegentore (12). Will die SG dies mit neugewonnener Offensivstärke ausnutzen?
Hercher: „Wir versuchen es auf jeden Fall. Unter dem neuen Trainer hat das mit dem Toreschießen zuletzt gut geklappt. Wenn wir das auch am Sonntag beibehalten können, bin ich sehr optimistisch.“

Herr Hercher, vielen Dank für das Interview!

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