Sonnenhof Großaspach: „Patrick Choroba versteckt sich nie“

Ex-Trainer Guerino Capretti im Interview

Patrick Choroba von der SG Sonnenhof Großaspach

Patrick Choroba wurde als Rechtsverteidiger gleich Stammkraft beim Dorfklub. ©Imago/Sportfoto Rudel

Mit Patrick Choroba kam im Sommer ein Spieler nach Großaspach, der zuvor nie in einem Profi-Verein gespielt hatte. Beim SC Verl wurde der Außenverteidiger ausgebildet und etablierte sich dort als Stammkraft in der Regionalliga-Mannschaft. Sein früherer Trainer Guerino Capretti sprach mit Liga-Drei.de über die Entwicklung junger Spieler in Verl, Patrick Chorobas Sieger-Mentalität und die Rolle seines Vaters.

Herr Capretti, wie war das Arbeiten mit Patrick Choroba als Trainer?
Guerino Capretti: „Patrick ist ein ehrgeiziger Junge, er will sich ständig verbessern. Gerade im technischen und taktischen Bereich hat er viel dazugelernt. Auch neben dem Training hat er fleißig an sich gearbeitet. Allerdings ist er manchmal etwas schludrig gewesen. Zum Beispiel kam er hier und da mal zu spät zum Training. Aber er hat daraus gelernt und es passierte ihm später nicht mehr. Diese Dinge machten ihn auch sympathisch.“ 

Hier und da kam er zu spät zum Training. (über kleine Schludrigkeiten bei Patrick Choroba)

Verl ist kein großes Ausbildungszentrum. Wie oft schaffen es eigene Jugendspieler zum Stammplatz in der Regionalliga?
Capretti: „Eine genaue Zahl kann ich nicht nennen. Wir versuchen, die größten Talente aus unserer Jugend bei uns zu halten, was aber sehr schwer ist. Spätestens in der U17, manchmal noch in der U19, sind sie dann weg. Wir versuchen ihnen zu zeigen, dass es nach der U19 möglich ist, bei uns in der Regionalliga zu spielen.

Beispiele sind neben Patrick Choroba aktuell Jan-Lukas Liehr, früher Jannik Schröder und Bastian Müller. In dieser Saison hat Fabian Brosowski schon einige Einsätze bekommen. Dank zweier Eigengewächse haben wir auch das letzte Auswärtsspiel dieses Jahres gewonnen.

Jan Schöppner und Anton Heinz drehten das Spiel gegen Wuppertal. Wir müssen es auch so machen, weil wir nicht in jeder Saison zehn Spieler von außen holen können und wollen.“

Wie bewerkstelligen die jungen Spieler den Übergang in die Regionalliga Herrenmannschaft?
Capretti: „Das ist schon ein großer Schritt. Die Spieler, bei denen wir in der U19 sehen, dass sie es potentiell schaffen könnten, versuchen wir schon im letzten A-Jugend-Jahr bei uns mittrainieren zu lassen. So müssen sie sich in ihrem ersten Herren-Jahr nicht mehr so sehr daran gewöhnen.

Oft ist es bei diesen jungen Spielern so, dass sie in den ersten Wochen explodieren und richtig gut sind. Nach sechs bis acht Wochen fallen sie dann in ein kleines Loch. Danach erst sind sie richtig angekommen.

Wir versuchen daher, diese Zeitspanne in das letzte A-Jugend-Jahr zu legen. Bei dem einen geht es schneller, bei dem anderen dauert es länger. Sie müssen dann Spielpraxis in der U21 sammeln.“

Er ist durch seinen Siegswillen zum Führungsspieler aufgestiegen. (über Patrick Chorobas Mentalität)

Wie lief das bei Patrick Choroba ab?
Capretti: „So ähnlich. In seinem ersten Jahr war er ausschließlich bei der U21. Als ich dann kam, hat er die Spielpraxis in der Regionalliga bekommen und auch einen anderen Stellenwert in der Mannschaft gehabt.

Die Mitspieler haben ihn nicht mehr als A-Jugendlichen wahrgenommen. Er ist dann zum absoluten Stammspieler geworden und durch seine Leistung und den Siegeswillen zum Führungsspieler aufgestiegen.“

Guerino Capretti vom SC Verl

Guerino Capretti und der SC Verl blicken auf eine sehr gelungene Halbserie in der Regionalliga West zurück. ©Imago/Dünhölter SportPresseFoto

Sein Vater war Zweitliga-Profi beim FC Gütersloh. Welche Rolle hat er in der Entwicklung von Patrick Choroba gespielt?
Capretti: „Wenn der Vater selbst mal Profi war, will man als Sohn sicherlich noch etwas mehr in die Fußstapfen treten. Ich denke schon, dass er sich seinen Vater als Vorbild genommen hat. Sein Vater hat ihn auch gefördert.

Wir hatten immer wieder Gespräche darüber, was wir mit Patrick machen können, damit er sich bestmöglich entwickelt. Es war eine sehr angenehme Zusammenarbeit. Ich habe schon den Eindruck, dass er seinem Vater einiges zu verdanken hat.“

Er hat seinem Vater einiges zu verdanken. (über den Einfluss von Patrick Chorobas Vater)

In Großaspach wurde er gleich Stammspieler. Wie haben Sie seine Entwicklung dort verfolgt?
Capretti: „Er hatte am Anfang ein wenig Glück, weil gerade auf seiner Position einige Spieler verletzt waren. Das Glück gehört im Fußball aber dazu. Wenn du gebraucht wirst, musst du eben da sein. Er ist immer positiv geblieben und er hat seine Chance genutzt.

Es hat mich gefreut, dass er so schnell zum Stammspieler gereift ist. Ich hoffe, er bleibt verletzungsfrei und spielt weiter eine gute Saison und sie bleiben drin.“

Wo sehen Sie seine Stärken?
Capretti: „Patrick ist ein sehr ballsicherer Spieler, der nach Ballgewinn schnell die Offensive sucht. Seine Stärke ist, dass er nicht leicht auszurechnen ist. Er kann die Linie lang gehen, er kann aber auch nach innen kappen und torgefährlich sein. Er hat einen guten Zug zum Tor. Im April 2018 hat er zum Beispiel aus fast 30 Metern in der Nachspielzeit gegen Dortmund das „Amator des Monats“ geschossen bei sporttotal.tv.

In der Defensive hatte er anfangs ein paar Probleme, weil er sich taktisch nicht ganz so gut angestellt hat. Das resultiert daraus, dass er eben in keinem NLZ war. Aber er hat sich dort enorm verbessert. Er könnte allerdings bei seiner Größe sicherlich kopfballstärker sein. Ich hoffe, daran arbeitet er.“

Er nimmt auch in schwierigen Situationen das Heft in die Hand. (über den Umgang mit schweren Phasen)

Sportlich hat Großaspach ein schweres Jahr. Was glauben Sie, wie Patrick Choroba damit umgeht?
Capretti: „Die Situation, dass man eher gegen den Abstieg spielt, kennt er. Das hat er schon bei uns mal mitgemacht. Er nimmt auch in schwierigen Situationen das Heft in die Hand. Er reißt dann das Spiel an sich, soweit das für einen Spieler auf Außen möglich ist.

Man hat einfach gesehen, dass er gewinnen wollte. Da wo sich andere vielleicht eher verstecken und nur ihre Seite zumachen, wollte er immer noch das Spiel gewinnen. Ich denke, er hat jetzt den ersten Respekt vor der Liga abgelegt, und hoffe, er macht es jetzt genauso wie bei uns früher.“ 

In Großaspach erlebt er nun den nächsten Schritt in seiner Entwicklung, was trauen Sie ihm noch zu?
Capretti: „Ich traue ihm einiges zu, wenn er das zeigt, was er bei uns geleistet hat. Natürlich kann es weiter nach oben gehen. Er ist jung und lernwillig. Wenn er weiter an seinen Schwächen aber auch seinen Stärken arbeitet, traue ich ihm auch zu, den Weg in die zweite Liga zu gehen.“

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Capretti!

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