SV Meppen: Interview mit Nico Granatowski

"Zurzeit entsteht hier eine kleine Euphorie"

Nico Granatowski entwischt seinem Gegenspieler

Oft schneller als die Konkurrenz: Meppens Nico Granatowski ©Imago/pmk

Nico Granatowski wechselte vor der Saison von den Sportfreunden Lotte nach Meppen und überzeugt beim SVM bisher mit Einsatzwillen sowie Torgefahr. Im Interview mit Liga-Drei.de spricht der 26-Jährige über das anstehende Duell gegen seinen Ex-Klub, die Fan-Unterstützung im Emsland und Fair Play im Fußball.

Herr Granatowski, am Wochenende geht es zu Ihrem Ex-Klub Lotte. Wie sehr freuen Sie sich auf das Wiedersehen mit den alten Kollegen?
Nico Granatowski: „Für mich ist das schon ein besonderes Spiel, ich hatte dort zweieinhalb schöne Jahre. Mit ein paar Spielern und der Physiotherapeutin habe ich noch regelmäßig Kontakt. Das wird auch nicht abreißen.

Da gehören auch ein paar Sticheleien vor dem anstehenden Spiel natürlich dazu, aber ich freue mich sehr auf das Wiedersehen. Es kommen ja auch 4.000 Meppener mit, es wird also eine besondere Atmosphäre sein.“

Wie viel bekommen Sie und die Mannschaft von dieser starken Unterstützung der SVM-Fans mit?
Granatowski: „Die Fans honorieren, dass wir in jedem Spiel alles geben. Selbst nach den hohen Niederlagen gegen Münster und Haching. Man kriegt schon ziemlich viel Zuspruch und das bekommen wir als Mannschaft natürlich mit.

Zurzeit entsteht hier eine kleine Euphorie. Vom Aufstieg rede ich dabei gar nicht, sondern man freut sich im Emsland einfach, dass man wieder in der dritten Liga spielt.“

Wir stehen als Mannschaft ziemlich eng zusammen (über das Erfolgsrezept des SVM)

Der SVM hat nach 15 Spielen 24 Punkte auf dem Konto. Wieso ist der Aufsteiger so schnell in der dritten Liga angekommen?
Granatowski: „Wir haben einige Spieler, die bereits in der dritten Liga gespielt haben, wie Erik Domaschke, Putti (Anm. d. Red.: Stefan Puttkammer) oder ich zum Beispiel. Durch diese Erfahrung haben wir etwas weniger Anpassungszeit gebraucht.

Außerdem stehen wir als Mannschaft ziemlich eng zusammen. In den ersten Spielen haben wir schon gemerkt, dass wir mithalten können, da haben aber die Ergebnisse noch nicht gestimmt. Jetzt werden wir für unsere Spielweise belohnt.“

Auch Ihre eigene Bilanz kann sich mit zwei Toren und fünf Vorlagen sehen lassen. Was können Sie dennoch verbessern?
Granatowski: „Mein Ziel ist es, noch mehr Tore und Vorlagen zu sammeln und noch mehr für die Mannschaft zu arbeiten. Ich fühle mich hier sehr wohl und bin froh, dass bei uns in der Mannschaft jeder für den anderen kämpft und das unheimlich gerne. Dadurch verbessert sich auch jeder einzelne.“

Neidhart und Neumann leben Teamgeist und Zusammenhalt vor (über das Trainergespann)

Welchen Anteil hat Trainer Christian Neidhart daran?
Granatowski: „Einen enormen. Aber nicht nur er, sondern das gesamte Trainerteam. Sie bereiten uns mit Videoanalysen und Einzelgesprächen auf jeden Gegner perfekt vor. Christian und Mario Neumann leben Teamgeist und Zusammenhalt vor. Das schweißt uns immer mehr zusammen.“

Eine Schlüsselszene in dieser Saison war das Tor von Sören Eismann im Spiel gegen Carl Zeiss Jena. Eismann hat sich nach dem Spiel für die Aktion entschuldigt. Hat er sich auch persönlich bei Ihnen gemeldet?
Granatowski: „Nein, bei mir persönlich nicht und ich glaube auch nicht beim Verein. Aber für uns war die Szene schnell abgehakt. Die Mannschaft hat mir auch keinen Vorwurf gemacht. Ich würde wieder so handeln.

Jeder hat gesehen, dass ich dahin zeige und er auch kurz abstoppt. Dass er dann mit dem Ball durchläuft und ob das Absicht war oder wie er sagt, er es nicht gesehen hat, muss er mit sich selbst ausmachen.“

Ich würde wieder so handeln (über die viel diskutierte Szene im Spiel gegen Jena)

Sie würden zukünftig in so einer Situation also wieder auf Fair Play setzen?
Granatowski: „Emotionen gehören zum Sport dazu, aber wenn jemand verletzt auf dem Boden liegt, sollte man das Spiel unterbrechen. Das gehört sich einfach so. Ich finde der Sport lebt von Fair Play, das hat man auch am Montag beim Spiel Italien gegen Schweden in der Szene mit Buffon gesehen (Anm. d. Red.: Italienische Fans pfiffen bei der schwedischen Nationalhymne, Buffon klatschte demonstrativ für die Schweden).

Ich glaube in ganz Deutschland hat man gesehen, dass das gegen Jena auch von mir Fair Play war und ich finde, dass dieser Gedanke im Sport eine große Rolle spielen sollte.“

Nun geht es wie eingangs gesagt gegen Lotte, die im Abstiegskampf zuletzt wieder punkten konnten. Wie bereitet sich der SVM auf die Partie vor?
Granatowski: „Wie auf jede andere auch. Durch unsere Fans wird die Partie zu einem gefühlten Heimspiel, aber wir haben nichts Besonderes geplant. Unser Trainer hat Lotte oft genug gesehen, daher weiß er, wie wir das Spiel angehen müssen. Wir trainieren wie immer und wollen auch in diesem Spiel alles reinhauen, was wir haben.“

Wir wurden auch nicht wirklich ernst genommen (über die Parallelen zwischen Lotte und dem SVM)

Mit den SFL waren Sie zu diesem Zeitpunkt der vergangenen Saison die Überraschungsmannschaft. Welche Parallelen sehen Sie zwischen Lotte und Meppen?
Granatowski: „Wir nehmen die Euphorie mit, genauso wie im vergangenen Jahr in Lotte. Mit den Sportfreunden wurden wir in der Hinrunde auch nicht wirklich ernst genommen, da kann man schon Parallelen ziehen. Einen Unterschied gibt es bei den Fans, hier sind es schon viel mehr.“

Ihre Entwicklung geht in dieser Saison in die richtige Richtung. Welche Karriere-Ziele möchten Sie persönlich noch erreichen?
Granatowski: „Ich würde schon gerne nochmal höher spielen. Das Wichtigste ist allerdings, wie ich in der letzten Saison gelernt habe, gesund zu bleiben. Dieses Jahr wollen wir als Mannschaft die Klasse halten und dann wird sich zeigen, was die Zukunft bringt.

Ich gehe immer alles ganz entspannt an und warte, was auf mich zukommt. Momentan will ich aber einfach nur so viele Punkte wie möglich sammeln.“

Herr Granatowski, vielen Dank für das Interview!

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