Viktoria Köln: Handle ein Glücksfall für Bunjaku

Keine Sorgen trotz Vertragsende im Sommer

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Sonntag, 12.04.2020 | 08:00
Simon Handle und Albert Bunjaku jubeln

Starker Mann im Rücken: Simon Handle (l.). ©Imago images/Eibner

In jedem Sommer laufen zahlreiche Verträge aus. So auch in der 3. Liga. Bisher konnten sich die meisten Spieler sicher sein, recht schnell wieder handelseinig zu werden. Diese Zeit scheint  – vor dem Hintergrund von Corona und der damit verbundenen wirtschaftlichen Schieflage an den meisten Drittliga-Standorten    nun erst einmal vorbei. Doch es gibt Spieler, die sich trotz eines bevorstehenden Vertragsendes keine Sorgen um einen Arbeitsplatz machen müssen. Liga-Drei.de stellt einige dieser Kandidaten vor. Heute: Simon Handle vom FC Viktoria Köln.

Roland Seitz gilt als einer der erfahrensten und fußballkundigsten Macher, Begleiter und Beobachter des hiesigen Fußballs. Einst als Trainer aktiv in Paderborn und Aue in der 2. Bundesliga, später als Sportchef und Trainer beim SV 07 Elversberg in der 3. Liga und nun aktuell beim VfR Aalen in der Regionalliga Südwest. Dort waren auch Elversberg und Eintracht Trier seine Aktionsfelder.

Doch Seitz ist stets unterwegs, um nach Spielern zu fahnden, die Perspektiven haben. Einen passenden Kader zusammenzustellen, ist eine der Stärken des früheren Sturmkollegen von Herthas Preetz beim MSV Duisburg. Rechtzeitig dort zu sein, wo andere nicht sind. Dort Ressourcen zu entdecken und Visionen zu entwickeln, wo andere nicht geduldig genug sein können.

Auch Simon Handle hat er in jüngster Zeit wieder häufiger in Aktion erleben können. Den linksbeinigen Außenbahn-Dribbler hatte er vor drei Jahren Ende Januar auf den letzten Drücker als Leihspieler aus dem Ligakader des Zweitligavertreters Erzgebirge Aue für seine Elversberger gewinnen können. Die damalige Rückrunde sollte mit der Rückkehr in die 3. Liga gekrönt werden.

„ Heute viel torgefährlicher als bei uns in Elversberg. ”
Roland Seitz über Handles Entwicklung

Dass daraus damals zum zweiten Male hintereinander per Relegations-Knockout nichts geworden ist, beschäftigt die zweite Kraft im Fußball des Saarlands heute noch. Aktuell kämpft Elversberg an gegen den sportlichen Würgegriff der Saarbrücker Pokalhelden, die es wohl diesmal geschafft hätten, wenn alles so weitergelaufen wäre wie es war. Sie trumpfen beinahe so souverän auf wie vor einem Jahr Mannheims großartige, neue Waldhof-Buben. 

„Simon Handle agiert mit seinem frischen, mutigen Antriebsspiel an den Flügeln viel torgefährlicher als dies damals bei uns in Elversberg der Fall war“, sagt Seitz im Gespräch mit Liga-Drei.de.

Er wirkt dabei keineswegs zerknirscht, angesichts verpasster, großer Aufstiegsmöglichkeiten damals in den entscheidenden Duellen mit der SpVgg Unterhaching, die heute zu den stabilsten Teams der 3. Liga gehören. 

Nein, Seitz freut sich über die aktuellen Perspektiven seines ehemaligen Wunschspielers und glaubt auch die Gründe zu kennen, die den Werdegang in Elversberg für Handle damals so schwierig geraten ließen. 

Seitz erklärt das so: „Simon kam ohne Wettkampfpraxis, ohne jeden Spielrhythmus aus Aue und traf bei uns ein gestandenes, eingespieltes Team an, in dem es eigentlich keine freie Position gegeben hat. Doch wir wollten mit Handle einen neuen Reiz setzen, die Spannung im Team erhöhen, eine weitere Alternative aufbauen.“

Doch in der Kürze der Zeit war Handle in jenen Monaten keine auffällige neue Inspiration für die Elversberger. 

27 Ligaspiele mit 8 Treffern und 6 Assists

Bei Viktoria Köln indes sorgen die Geistesblitze des Simon Handle recht verlässlich und durchaus auch in Zeiten wochenlanger Leistungsirritationen vor der Winterpause für positive Bewertungen der Beobachter. 

Stellvertretend bemerkt Seitz: „Simon Handle ist ein Glücksfall für Albert Bunjaku. Mit seiner Beweglichkeit, seiner Unberechenbarkeit und Schnelligkeit hat Simon große Anteile an dessen sportlicher Wiederauferstehung. Er läuft für ihn, er kämpft für ihn, er füttert ihn mit tollen Vorlagen.“ 

In sämtlichen 27 Ligaspielen ist Handle für die Kicker vom Kölner Höhenberg im Trikot mit der Nr. 7 auf dem Rücken am Ball gewesen und hat dabei acht Treffer selbst erzielt und bei sechs weiteren quasi mitentscheidend Hand angelegen können. Eine großartige Leistungsquote für einen Spieler, der sich stets auch fleißig am Verteidigungsspiel beteiligt.  

Hier profitiert Simon Handle von jenem Handwerkszeug, das ihm einst in der Ausbildungsabteilung von RB Salzburg beigebracht worden ist. Er war erst 12 Jahre alt, als ihn die dortigen Talente-Scouts bei Wacker Burghausen entdeckt und in ihr Fußballinternat geholt haben. Sogar Nico Kovac war eine Zeitlang sein Ausbildungstrainer.

Berühmte Trainer erlebt: Erst Kovac, dann Hütter

Später hat Handle in Österreich Bundesliga gespielt. Das dortige Fußball-Oberhaus trägt denselben Namen wie hierzulande. Nicht für die Salzburger. Stattdessen für den SV Grödig und auch dort traf er auf einen Fußball-Lehrer, dessen Name in der Trainerwelt inzwischen Hochglanzformat verkörpert: Adi Hütter von Eintracht Frankfurt. 

Auf punktgenau 70 Einsätze ist Simon Handle beim SV Grödig gekommen. Die hat er auch bei  Viktoria Köln inzwischen absolviert. Es erscheint durchaus realistisch, dass dort in der nächsten Spielzeit die 100-Spiele-Marke in Angriff genommen werden kann. 

Darüber würden sich alle freuen in Höhenberg: Pavel Dotchev, der Trainer, Franz-Josef Wernze, der verlässliche Mäzen und Albert Bunjaku. Denn für ihn gilt ja nicht zuletzt dank Simon Handle: Mit 36 Jahren ist noch lange nicht Schluss…

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