Waldhof Mannheim: Interview mit Gianluca Korte

"Bei solchen Rückschlägen kann man nur dazulernen"

Gianluca Korte bejubelt seinen Treffer gegen Pirmasens.

Mit Waldhof Mannheim auf dem Weg in die 3. Liga: Gianluca Korte. ©Imago/Jan Huebner

Nachdem Waldhof Mannheim in den letzten drei Spielzeiten jeweils in der Relegation scheiterte, soll es dieses Jahr auf direktem Wege klappen. Der Meister der Regionalliga-Südwest steigt auf und die Kurpfälzer liegen als klarer Tabellenführer auf Kurs.

Im Interview mit Liga-Drei.de spricht Gianluca Korte über die Nackenschläge in der Vergangenheit, die dominante Saison der Mannheimer und das Zusammenspiel mit seinem Zwillingsbruder Raffael.

Herr Korte, Waldhof Mannheim führt die Tabelle der Regionalliga Südwest sieben Spieltage vor Schluss souverän mit 15 Punkten Vorsprung an. Der Aufstieg dürfte nur noch Formsache sein, oder?
Gianluca Korte: „Wenn man das so runterrechnen möchte, kann man das so sehen. Aber es sind noch sieben Spiele zu spielen, also noch genug Punkte zu vergeben. Am Samstag steht das nächste Spiel an, da wollen wir die nächsten drei holen.“

Aus den bisherigen 27 Spielen stehen 22 Siege bei nur zwei Niederlagen zu Buche. Warum ist der Waldhof in diesem Jahr so dominant?
Korte: „Man sieht vor allem an den erzielten Toren, dass wir in der Offensive immer Lösungen haben und immer für ein oder zwei Tore gut sind. Hinten passt es auch, wir kriegen nicht überdurchschnittlich viele Tore. Das Gesamtbild passt einfach gut.“

Auch Ihre persönliche Statistik kann sich sehen lassen: In den letzten zehn Partien steuerten Sie zehn direkte Torbeteiligungen bei. Warum läuft es aktuell so gut bei Ihnen?
Korte: „Das ist natürlich auch unserem Spiel geschuldet. Ich spiele direkt hinter der Spitze, habe da meine Freiheiten. Dadurch, dass wir auch von hinten raus einen super Fußball spielen, komme ich besser in torgefährliche Situationen und kann mich dieses Jahr an vielen Tore beteiligen.“

Wenn man das erlebt, hat man schon so zwei Wochen, wo man gar nichts mehr vom Fußball hören will. (über eine verlorene Relegation)

Ihr Trainer Bernhard Trares hat über 450 Partien in der 1. und 2. Bundesliga absolviert. Nimmt man als Spieler den Trainer anders wahr, wenn er Erfahrung auf dem höchsten Niveau vorweisen kann?
Korte: „Das ist natürlich eine super Statistik. Als Spieler versucht man immer, das Bestmögliche zu erreichen. Wenn man dann einen Trainer hat, der das alles schon erreicht hat, ist das mit Sicherheit gut für die Mannschaft. Er stellt uns gut ein auf die Gegner. Wir machen viel dafür, dass wir so einen Fußball spielen können, dabei kommt natürlich ganz viel vom Trainer.“

Lassen Sie uns einen Blick zurückwerfen: In den letzten drei Jahren spielte der Waldhof immer eine gute Runde, verpasste aber den Aufstieg in der Relegation. Wie sind Sie mit diesen Nackenschlägen, vor allem in dieser Regelmäßigkeit, umgegangen?
Korte: „Es war so, dass jede Saison neue Spieler dazugekommen sind, die diese Erlebnisse nicht hatten. Ich glaube, es sind jetzt seit der Rückkehr von Marcel Seegert vier Leute im Kader, die von den drei Relegationen zwei mitgemacht haben. Wenn man das erlebt, hat man schon so zwei Wochen, wo man gar nichts mehr vom Fußball hören will und dann muss es weiter gehen.

Wir haben es immer wieder geschafft, eine super Mannschaft zusammen zu bekommen und die Neuen haben sich immer nahtlos eingefügt. Wir waren froh, dass wir es jedes Mal erfolgreich gestalten konnten.“

Der Glaube in der Stadt ist immer dageblieben (über das Mannheimer Publikum)

Können Sie diesen Erfahrungen gar etwas Positives abgewinnen?
Korte: „Auf jeden Fall. Bei solchen Rückschlägen kann man nur dazulernen. Wir haben es da einfach verpasst, die Tore in den Relegationsspielen zu machen. Wir sind dann leider dreimal nicht aufgestiegen. Deswegen sind wir auf der einen Seite froh, dass es dieses Jahr ohne Relegation geht.

Man muss aber auch sehen, dass es immer wieder schwierig ist, oben mitzuspielen. Das bekommen wir sehr gut hin. Die Leute, die wir dazu holen, passen sehr gut in die Mannschaft. So können wir auch unsere Leistung immer wieder abrufen.“

Solche Erfahrungen können für einen ganzen Klub zum Trauma werden. Sie sind seit Januar 2016 beim Waldhof, wie haben die drei verpassten Aufstiege den Klub verändert?
Korte: „Gar nicht so extrem. Klar gab es immer etwas Fluktuation, auch auf dem Trainerposten. Der Verein hat da immer eine gute Lösung gefunden. Der Glaube in der Stadt ist immer dageblieben. Die Leute sind natürlich enttäuscht gewesen nach jedem einzelnen Fehlversuch. Aber die Zuschauerzahlen sagen einiges darüber aus, wie die Stadt tickt, wie die Fans ticken. Wir konnten mit gutem Fußball zu Beginn der Runde die Leute immer wieder begeistern.“ 

Wir haben einfach versucht, unsere Punkte zu holen, unabhängig vom gerichtlichen Verfahren (über den Punktabzug vor der Saison)

Das Relegationsspiel gegen Uerdingen wurde abgebrochen, der Waldhof für die laufende Saison mit einem Abzug von drei Punkten belegt. Der Klub zog dagegen vor Gericht und bekam Ende März Recht. Welchen Einfluss hatte das Verfahren auf die Mannschaft?
Korte: „Nicht so einen großen. Wir haben einfach versucht, unsere Punkte zu holen, unabhängig vom gerichtlichen Verfahren. Man hat es ja jetzt in der Rückrunde gesehen: Wir haben alle sieben Spiele erfolgreich gestaltet, als es mit den drei Punkten noch nicht klar war. Wir haben einfach versucht uns die Punkte so zu holen, wenn das dann als Bonus dazukommt, ist man als Mannschaft doppelt froh.“

Waren Sie vielleicht sogar zu Saisonbeginn noch etwas heißer, weil man den Rückstand erst ausgleichen musste?
Korte: „Ja, wir wollten auf jeden Fall diesen Rückstand, den wir am Anfang hatten, schnellstmöglich aufholen, damit wir dann richtig Punkte holen können. Das hat auch sehr gut geklappt.“

Im Sommer 2017 folgte Ihnen ihr Zwillingsbruder Raffael nach Mannheim. Nach Ihrer gemeinsamen Zeit beim TuS Mechtersheim und in Braunschweig spielen Sie bereits zum dritten Mal zusammen. Gibt es die Korte-Brüder nur im Doppelpack?
Korte: „Es ging auch mal eine Zeitlang ohne Doppelpack, aber es ist natürlich schön, dass er wieder hier ist und wir wieder zusammenspielen können. Das war vielleicht auch ein Grund, warum er sich überlegt hat hierher zu kommen. Wir sind hier zu Hause und er hat außerdem ein Studium angefangen. Das waren alles Faktoren, die für den Waldhof gesprochen haben.“

In 71 Pflichtspielen standen Sie gemeinsam auf dem Feld. Welches ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Korte: „Das ist noch gar nicht so lange her. Das Spiel gegen Saarbrücken (am 9.3., 3:2 für Mannheim, ein Tor Gianluca, zwei Tore Raffael Korte, Anm. d. Red.) war schon etwas besonderes für uns. Wir konnten dem Verein helfen, das Spiel für uns zu entscheiden und so auch noch mehr Euphorie entfachen.“

Herr Korte, vielen Dank für das Interview!

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