Waldhof Mannheim: Spätes Glück noch nicht komplett

Mit 33 Jahren entert Kevin Koffi Liga drei

Kevin Koffi am Ball für Waldhof Mannheim

Kevin Koffi (l.) spielt sich in Mannheim als mannschaftsdienlicher Angreifer in den Vordergrund. ©Imago images/foto2press

Elf Spiele hat die aktuelle Generation der Waldhof-Buben in der 3.Liga absolviert. Elf Mal ist auch ihr neuer Mittelstürmer zum Einsatz gekommen. Elf Mal Kevin Koffi, doch elf Mal kein Tor. Elf Mal hat er es probiert, doch elf Mal ist nichts passiert. Der neue Mann mit der Trikot-Nr. 30, der sich vor jedem Match für ein Gebet zurückzieht,  also eine Fehleinschätzung des SV Waldhof-Mannheim?

„Nein, auf keinen Fall. Sie sind dort sehr zufrieden mit Vino. Zufrieden mit seiner Lauf- und Einsatzbereitschaft für das Team, mit seiner positiven Grundeinstellung und zufrieden damit, wie präsent er die Aufgabe im Angriffszentrum interpretiert“, berichtet Roland Seitz Liga-Drei.de von einem vor kurzem stattgefundenen Gespräch mit Jochen Kientz, dem Sportchef des SV Waldhof Mannheim.

Komplettes Programm

Seitz nennt Koffi „Vino“. So nennen ihn alle, die ihm vertraut sind. Seitz war Koffis erster und wichtigster Vertrauter des späten Karrierestarts in den Profifußball hierzulande. Denn Kevin „Vino“ Koffi war schon fast 31, als er sich vor zweieinhalb Jahren zum Test beim SV 07 Elversberg vorstellte. Seitz, damals dort Sportchef und Trainer in Personalunion, gilt als sehr anspruchsvoller Prüfer und Entscheider. Wer sein Fußballherz zum Hüpfen bringen will, muss überzeugen können.

Indes: Sein Fußball-Alter stattlich, seine Karriere-Vita bunt, seine Torquote undurchsichtig, Kenntnisse der deutschen Sprache nicht vorhanden. Damit konnte Koffi nicht punkten.

Ballsicher, geschmeidig, entschlossen. (Roland Seitz über Koffi)

Der Kandidat musste also liefern. Das Programm: Eine Woche Training und ein Testspiel. Das genügte. „Koffi präsentierte sich in einer Art und Weise, wie mir Angreifer gefallen. Er erzielte Tore, wie sie nur ein typischer Stürmer erzielt: Ballsicher, geschmeidig, entschlossen“, erinnert sich Seitz. Der muss es wissen: Stürmte einst beim MSV Duisburg und beim FC Homburg in der 2. Bundesliga.

Stürmer-Versteher Seitz gab Koffi einen Zweijahres-Vertrag. Elversberg vergütet seine besten Spieler auf dem Niveau der 3. Liga. Das ist so viel wie Koffi bis dahin nur einmal in seiner Karriere für seine Dienste als Toremacher bezahlt wurde. Koffi nennt den Tag, an dem er einen Vertrag bei der Roma erhielt, in einem Gespräch mit den „Buwe-News“, dem TV-Portal des SV Waldhof, den „größten Tag in meiner Karriere“.

Was er verschweigt, weil es ihm angesichts der großen Ehre von der AS Rom einmal ausgewählt worden zu sein und dort sein Idol Francesco Totti kennengelernt zu haben, womöglich nicht einmal mehr sonderlich wichtig erscheint: Der Sprung in die Serie A jedenfalls blieb ein unerfüllter Traum.

Am liebsten spricht er Italienisch

Als Koffi sieben Jahre alt war, holte ihn seine Mutter nach Italien. In das Herzstück des Balsamico, nach Modena. Sein Vater blieb in Afrika, der Elfenbeinküste, Koffis Geburtsland. In der  italienischen Sprache verständigt sich Koffi am liebsten. Lieber als in Französisch, obwohl Ehefrau und Kinder in Belgien leben. Dort war er einige Spielzeiten in der zweiten und dritten Fußball-Liga aktiv. Zunächst als Leihspieler der Roma. Dort blieb er, denn dort gefiel er. Auch als Torschütze.

Kevin Koffi am Ball für Westerlo

Artistisch: Kevin Koffi (vorne) verdiente sich einst auch beim KVC Westerlo seine Sporen. ©Imago images/Belga

Doch in Elversberg dauerte es so lange wie aktuell in Mannheim, bis Koffi erhoffte Qualitäten als Toremacher stabil unter Beweis stellte. In seiner ersten Saison gelangen zwar zwölf Tore, doch nach zwei Spielzeiten des Scheiterns in der Aufstiegsrelegation enttäuschte das Team diesmal von vorn bis hinten. In der vorigen Spielzeit ging Koffi, der sich mit einer Auswechslung wohl niemals anzufreunden vermag, in den ersten neun Spielen leer aus.

Als er endlich traf, war es zu spät. Zu spät ausgerechnet für jenen Mann, dem er Elversberg zu verdanken hatte: Roland Seitz musste gehen. Wie so viele, bei denen es nicht sonderlich rundläuft, wenn der Herbst kommt. Auch in der 2. Bundesliga ist Seitz dies als Trainer schon passiert: Beim FC Paderborn und beim FC Erzgebirge Aue.

Ein Fallrückzieher in jedem Spiel

Die Aufgaben von Seitz wurden neu aufgeteilt. Der ehemalige Profi Ole Book, bis dahin Scout der Saarländer, wurde Sportchef und holte mit Horst Steffen einen Trainer mit Spielkultur und dem Schlüssel für die Torproduktion Kevin Koffi.

Tatsächlich zeigte der sich fortan von seiner besten Seite, verzückte das Publikum mindestens mit einem Fallrückzieher in jedem Spiel, wurde mit 19 Treffern bester Torschütze der Südwest-Liga, ohne dass darunter auch nur ein einziger Elfmeter war.

So und wohl obendrein „mit einer riesengroßen Portion Liebenswürdigkeit“, wie Ole Book gern hinzufügt, empfahl sich Koffi auch im Alter von 33 Jahren noch für den Sprung zum SV Waldhof Mannheim. Und solange er dort weiterhin so fleißig arbeitet für das Wohl des Teams, werden seine „Tiffosi“, wie er die Fans auch in Mannheim am liebsten nennt, wohl weiter geduldig warten.

Sich geduldig freuen auf sein erstes Tor in der 3. Liga und für die neuen „Waldhof-Buwe“…

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