Würzburger Kickers: Interview mit Sebastian Schuppan

"Die Situation ist gefährlich."

Sebastian Schuppan wechselte von Dynamo Dresden an den Dallenberg.

Seit Sommer 2017 in Würzburg und seit dieser Saison Kapitän: Sebastian Schuppan (l.) ©Imago/Jan Huebner

Er ist der Kapitän der Würzburger Kickers, hat einen eigenen Podcast und ist vor allem ein Fußballer mit einer eigenen Meinung. Sebastian Schuppan spricht im Interview über die Situation seines Vereins, über seine Internet-Aktivität, über die Aufstiegsregelung und über Montagsspiele.

Herr Schuppan, das Jahr der Würzburger Kickers endet mit zwei Heimspielen gegen die Sportfreunde Lotte und danach gegen den VfL Osnabrück. Wie viele Punkte müssen her, damit sich von einer guten Hinrunde sprechen lässt?
Sebastian Schuppan: „Vier Punkte auf jeden Fall, sechs wären noch besser. Die Partie gegen die Sportfreunde Lotte ist zunächst einmal das entscheidende Spiel. Das ist ein sehr unangenehmer Gegner. Wenn wir das Spiel gewinnen, gehen wir mit einer breiten Brust in das Spiel gegen den Spitzenreiter Osnabrück.“

Würzburg steht zwar auf dem zehnten Tabellenplatz, hat aber lediglich vier Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz. Wie gefährlich ist diese Situation?
Schuppan: „Die Situation ist auf jeden Fall gefährlich. Wenn wir am Wochenende nicht gewinnen, könnten wir wieder in eine unschöne Situation geraten. In der 3. Liga darf man sich ohnehin nie sicher fühlen.“

Es gelingt uns nicht, den Schalter schnell wieder umzulegen. (über die Achterbahnfahrt in dieser Saison)

Die Saison gleicht bislang einer Achterbahnfahrt: Erst mit drei Niederlagen in die Saison gestartet, dann acht Partien ungeschlagen geblieben, daraufhin vier Spiele in Serie verloren, nun wieder seit drei Partien ungeschlagen. Ist das ein Zeichen dafür, dass Ihre Mannschaft sehr formabhängig ist?
ASchuppan: „Auf jeden Fall sieht es so aus. Wenn es läuft, setzen wir unsere Stärken gut ein. Gewinnen wir aber ein- oder zweimal nicht, gelingt es uns anscheinend nicht, den Schalter schnell wieder umzulegen. Das ist ein Thema, das wir in der Winterpause gemeinsam beleuchten werden.“

Die Würzburger Kickers spielten im Jahre 2012 noch in der Landesliga, sind dann in den Jahren 2015 und 2016 von der Regionalliga in die 2. Bundesliga durchmarschiert und danach in die 3. Liga wieder abgestiegen. Konnte die Infrastruktur bei dieser schnellen Entwicklung überhaupt vernünftig mitwachsen?
Schuppan: „Im Verein wurde in den vergangenen beiden Jahren gut gearbeitet – sowohl infrastrukturell wie auch in der Geschäftsführung. Hier sind gute Strukturen entstanden, die absolut profihaft sind. Es fehlt uns an nichts: Wir haben ein gutes Stadion, gute Trainingsplätze und gute Möglichkeiten zum Regenerieren.“

Ich habe eine kleine Marktlücke geschlossen. (über seinen Podcast)

Themawechsel: Wie kamen Sie auf die Idee, den Podcast „Rasengeflüster“ ins Leben zu rufen und darin über sämtliche Themen aus dem Fußball zu sprechen?
Schuppan: „Ich höre selber im Auto sehr gerne Podcasts, zum Beispiel über die NBA oder auch über manch andere Themen. Irgendwann habe ich dann meine Twitter-Community gefragt, ob ein Podcast von mir interessant wäre. Die Antworten waren durchweg positiv.

Da es keinen anderen aktiven Spieler gibt, der einen eigenen Podcast hat, habe ich eine kleine Marktlücke geschlossen. Als Profi kann ich interessante Einblicke gewähren, da ich die Mechanismen kenne. Ich bin stolz, dass wir schon über 20 Folgen auf die Beine gestellt haben.“

Wie viele Hörer haben Sie?
Schuppan: „Das bewegt sich immer im guten vierstelligen Bereich. Es dauert natürlich immer eine gewisse Zeit, bis so etwas richtig publik wird.“

Man sollte wieder zu den dreigleisigen Regionalligen zurückkehren (über seine Ideen zur Regionalliga-Reform)

Wenn Sie eh gerne über Fußball sprechen, können wir ja einmal die Situation in der 3. Liga durchleuchten. Viele Experten dachten vor Saisonbeginn, Kaiserslautern und Eintracht Braunschweig würden die Liga dominieren. Stattdessen stehen nun Vereine wie Osnabrück oder der KFC Uerdingen vorne. Wie überraschend ist diese Entwicklung?
Schuppan: „Ich hätte schon gedacht, dass Kaiserslautern unter den Top-5 stehen wird. Bei Eintracht Braunschweig war abzusehen, dass das aufgrund des großen Umbruchs eine Übergangssaison werden würde. Dass Uerdingen vorne mitspielt, war aufgrund der individuellen Qualität zu erwarten.

Uerdingen spielt nicht immer gut, gewinnt aber trotzdem die Spiele. Dass Osnabrück der Tabellenführer ist und auch Halle oben mitspielt, ist sicherlich eine Überraschung. Unterhaching und Preußen Münster hingegen haben bereits in der vergangenen Saison angedeutet, dass sie zu stabilen Leistungen imstande sind.“

Ein heißes Thema in der 3. Liga ist momentan die Aufstiegs-und Abstiegsregelung in Verbindung mit der möglichen Reform der Regionalligen. Wie ist Ihre Meinung dazu? Sie schrieben bei Twitter von einem Schlag ins Gesicht für jeden Drittligisten…
Schuppan: „Ich denke, dass die meisten Leute im Fußball einer Meinung sind, dass die Meister der Regionalligen aufsteigen müssen. Alles andere ist ein Unding. Ich hätte vorgeschlagen, dass man wieder zu den dreigleisigen Regionalligen zurückkehrt. Ich finde nicht, dass Bayern eine eigene Regionalliga braucht. Auch im Norden ist das nicht notwendig, weil es dort gar nicht so viele Vereine gibt, die in die 3. Liga aufsteigen möchten.“

Wir als Spieler brauchen sie nicht und für die Fans ist es ein Unding (über Montagsspiele)

Dann beklagen sich aber wieder die „kleineren“ Regionallisten darüber, dass die Fahrten zu den Auswärtsspielen zu weit sind und dass viele Vereine in die Oberliga herabgestuft werden würden…
Schuppan: „Natürlich, einige Vereine müssen eben Abstriche machen. Notfalls gibt es eben vier Regionalligen. Auch dann sollten aber alle Meister aufsteigen. Wichtig ist, dass endlich eine Entscheidung getroffen wird. Für Außenstehende entsteht der Eindruck, als wäre das so kompliziert wie Astrophysik. Das ist es aber nicht. Letztendlich hat man sich die Situation selber eingebrockt, indem die fünf Regionalligen eingeführt wurden.“

Ein ebenfalls großes Thema sind die Montagsspiele. In der Bundesliga und der 2. Bundesliga wurde diese Ansetzung zur neuen TV-Ausschreibung abgeschafft. In der 3. Liga hingegen wurden diese Spiele erst kürzlich eingeführt. Sie hatten mit den Würzburger Kickers in dieser Saison ebenfalls schon zwei Montagsspiele. Gehören diese Spiele abgeschafft oder bieten sie der 3. Liga eine Chance?
Schuppan: „Da gibt es natürlich zwei Sichtweisen. Wir als Spieler brauchen sicherlich keine Montagsspiele. Für die Fans ist es ohnehin ein Unding – gerade für die Anhänger der Auswärtsmannschaft.“

Aber?
Schuppan: „Aber die 3. Liga ist finanziell nicht auf Rosen gebettet. Viele Vereine haben Probleme, schwarze Zahlen zu schreiben. Von daher kann ich den Ansatz verstehen, dass es Montagsspiele gibt, damit die Vereine mehr Fernsehgelder generieren können. Das ist ein zweischneidiges Schwert. Auch hier lässt sich wohl kein Kompromiss finden, mit dem alle zufrieden sind.“

Herr Schuppan, vielen Dank für das Gespräch!

Schon Mitglied beim offiziellen 3.Liga-Sponsor bwin? Jetzt anmelden & bis zu 100€ Willkommensbonus kassieren!