Chapeau, Otschi Wriedt

Die besondere Leistung des 10. Spieltags

Otschi Wriedt jubelt nach Tor der FC Bayern U23

Unverzichtbar. „Otschi“ Wriedt knipste diese Saison bereits achtmal für die Bayern Amateure. ©imago images/Christian Schroedter

Die Mission: Endlich 3. Liga mit dem FC Bayern! Der Auftrag: Einen Torgaranten braucht’s dafür!Der Spezialist: Hermann Gerland! Das war Mitte Juli 2017. Saisonvorbereitung auf norddeutschen Fußballfeldern. Auch der Liga-Drei.de-Autor traf die Koryphäe des Talente-Scoutings damals bei der Arbeit. Einen echten Centerstürmer suchten die Bayern: Nicht zu klein, nicht zu jung und nicht zu alt.

Doch es musste jemand sein, der Tore garantiert. Nicht gelegentlich, sondern verlässlich. Regelmäßig, am besten immer. Hermann Gerland schaute genau hin. Ließ Kandidaten durchfallen, wie Tobias Warschewski, den hoch aufgeschossenen frischgebackenen Mittelstürmer der DFB-Auswahl U20 aus Münster.

Es war die Art, wie der Bursche diese Aufgabe dort vorne drin im Angriffszentrum darstellte. (Hermann Gerland)

Doch einen Tag später ist Gerland nach Osnabrück gefahren und hat dort jemanden und etwas gesehen, was ihn nicht mehr losließ. Dort bewertete er den Auftritt der Angriffsspitze im Trikot des VfL Osnabrück. Zuerst kannte er nur seinen Nachnamen sein Alter und seine Trefferquote in der 3.Liga. An diesem Tag aber musste sich dieser Prüfling des FC Bayern gegen die Bundesligaprofis aus Bremen bewähren. Genau die richtige Bühne für Gerlands Ansprüche.

Obwohl Osnabrück das Match verlor und nicht einmal einen Treffer erzielte, entdeckte Gerland an jenem Sonntag an der Bremer Brücke genau das, was erst sein Fußballherz zum Hüpfen brachte und dann eine Fantasie erreichte: „Es war die Art, wie der Bursche diese Aufgabe dort vorne drin im Angriffszentrum darstellte. Wie er robust seinen Körper einsetzte, um torgefährlich zu sein. Wie er mutig Tempo aufnahm und um die Chance kämpfte, mit seiner linken Klebe zum Torabschluss zu kommen. Das hat mir imponiert“, erinnert sich Hermann Gerland, der Mann aus dem Ruhrpott, im Gespräch mit Liga-Drei.de.

Hermann Gerland vom FC Bayern München

Hatte wie so oft den richtigen Blick. Hermann Gerland lotste auch „Otschi“ Wriedt zu den Bayern. ©imago images/Sven Simon

Auffällig, wie gut ihm die entscheidenden Details noch in Erinnerung sind, die zum Wechsel des Osnabrückers „Otschi“ Wriedt an den Campus des FC Bayern in die Säbener Straße führten. Auch Osnabrücks damaliger Trainer Joe Enochs erinnert, doch aus einem völlig anderen Blickwinkel: „Meine Mannschaft hat an diesem Tag ihren Killerinstinkt und ihre Torfabrik verloren.“ Tragisch: Und Osnabrücks Coach bald darauf seinen Job beim VfL.

Viel dazugelernt

In diesem Frühjahr nun ist die Mission Liga3-Aufstieg beim FC Bayern zur Realität geworden. Und Wriedt hat seinen Auftrag in vollem Umfang erfüllen können: Mit 20 Toren in der Regionalliga Bayern und den beiden entscheidenden Treffern in der Aufstiegsrelegation gegen Nordmeister VfL Wolfsburg! Und nun sorgen die Bayern auch dort für Furore, wo sie immer schon hinwollten, doch es ohne einen wie Wriedt zuvor nicht geschafft haben: In der 3.Liga!

Beim jüngsten 4:1-Triumph in Münster war auch Hermann Gerland unter den Beobachtern. Was er damals in Osnabrück von seinem Günstling noch nicht zu sehen bekam, erlebte er diesmal quasi im Überfluss. Denn Wriedt erzielte seine Spielzeit-Treffer Nr. sechs, sieben und acht als Hattrick in der ersten Halbzeit und es könnte gut sein, dass sich Hermann Gerland dabei vergnügt auf die Schenkel geschlagen hat.

Denn Wriedt erzielte seine Tore punktgenau mit jenem Leistungs-Portfolio, das sein FC-Bayern-Entdecker damals in Osnabrück erkannt zu haben glaubte und als fußballerische Vision mit nach München genommen hatte. „Ja, der Otschi weiß eben wirklich, wo das Tor steht. Und obendrein hat er zweifellos dazugelernt bei uns“, bemerkt Gerland zufrieden und lenkt dabei gern auf die Fortschritte im fußballerischen Kleinspiel der schwungvollen FC-Bayern-Kombinationen.

Der große Traum lebt

In diesem Sommer stand Wriedts Verbleib übrigens auf des Messers Schneide. Holstein Kiel wollte den Hamburger Jung‘, der beim FC St. Pauli aufwuchs, zurück in den Norden holen und war bereit zu investieren. Doch mit den Bayern handelseinig zu werden, war dann doch ein aussichtsloses Unterfangen.

Schließlich wollen sie in der 3.Liga sportlich mithalten und sich nicht ausgerechnet jetzt so extrem schwächen. Und außerdem existiert ja auch bei bei „Otschi“ Wriedt, inzwischen 25, immer noch der große Traum: Der Traum vom Sprung ins Eliteteam. Im Training jedenfalls darf er tatsächlich regelmäßig unter Beweis stellen, dass er immer näher herankommt. Immer näher an Lewandowski und die anderen…

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