Dritte Liga: Interview mit Trainer Oliver Zapel

Das Alter kann ein Qualitätsmerkmal sein

Oliver Zapel, hier als Trainer der SG Sonnenhof

Oliver Zapel kann auf eine erfolgreiche Zeit beim Dorfklub zurückschauen. ©Imago/foto2press

Mit 49 Jahren zählt Oliver Zapel wahrlich nicht zu den jüngeren Trainern, dennoch hat der ehemalige Großaspach-Coach erste eine Saison im Profibereich auf dem Buckel. Im Interview mit Liga-Drei.de spricht Zapel über Abstiege, sein berufliches Standbein und gibt Einblicke in persönlichen Vorstellungen.

Herr Zapel, in den vergangenen Monaten wurden Sie oft als möglicher Kandidat für einen Trainerstuhl gehandelt. Warum ist es dabei nicht zu einem Engagement gekommen?
Oliver Zapel: „Zunächst einmal möchte ich sagen, dass ich mich über jede Anfrage sehr gefreut habe. Auch wenn es bisher noch nicht final mit einem neuen Engagement geklappt hat, so zeigt es doch, dass die Arbeit der letzten Jahre Aufmerksamkeit erzeugt hat.

Der Vorteil von Verhandlungen ist, dass beide Parteien sich beschnuppern können und man sich am Ende füreinander entscheidet oder eben nicht. Manchmal sind es nur kleine Nuancen bzw. vertragliche Inhalte, die die Gespräche in eine Richtung kippen lassen. Das gehört aber zum Geschäft und muss akzeptiert werden. Es sollte einfach kompromisslos für alle passen, um gemeinsam die gesteckten Ziele zu erreichen.

Der Austausch, den ich mit den Vereinen zuletzt hatte, war immer sehr offen und fair. Besonders der aufwändige und professionelle Rekrutierungsprozess in Regensburg bis hin zur finalen Instanz war in seiner Art sicherlich einzigartig und für mich sehr hilfreich.“

Nach der einvernehmlichen Trennung mit Großaspach haben Sie angeführt, dass Sie gerne nach „Höherem“ streben würden. Wie darf man sich das vorstellen?
Zapel: „Das ist natürlich eine etwas aus dem Zusammenhang gerissene Formulierung, die sich aber erklären lässt. Nach Höherem zu streben heißt für mich nicht zwingend, direkt an der Tür zur 1. Bundesliga zu klopfen. Ich möchte gerne neue, andere und in Teilbereichen auch professionellere Strukturen kennenlernen, als bisher.

Tradition, Bekanntheit oder auch Zuschauerresonanz. (über wichtige Anforderungen an einen neuen Arbeitgeber)

Tradition, Bekanntheit oder auch Zuschauerresonanz können in diesem Kontext genannt werden. Das, was in Großaspach seit Jahren geleistet wird, ist wirklich großartig, und ich bin glücklich und stolz, ein Teil dieser Geschichte gewesen zu sein. Doch nun möchte ich einen neuen Weg gehen.“

Was für Anforderungen muss ein Verein dabei mitbringen?
Zapel: „Zu allererst sollte der Verein aus meiner Sicht eine klare Philosophie vorgeben. Es geht nicht darum, dass ein Trainer diese einbringen muss, sondern darum, dass ein Verein eine klare Position einnimmt und somit seine Vorstellungen vertritt.

Der Trainer kann diese Linie dann akzeptieren oder eben nicht. Ein Verein braucht klare, realistische Ziele, aber auch Visionen und Werte. Zudem ist es für mich als Trainer sehr wichtig, dass die Infrastruktur, speziell die Trainingsbedingungen Arbeit auf allerhöchstem, professionellem Niveau zulässt.“

Der Abschied aus dem Fußball war möglich. (über seine Zeit als Spielertrainer )

Sie haben einen flüssigen Übergang von der Spieler- zur Trainer-Karriere hingelegt und erst als Spielertrainer gearbeitet. War das so geplant oder eher Zufall?
Zapel: „Die ersten Stationen als Spielertrainer waren wirklich Zufall. Als Kapitän wurde ich gefragt, ob ich nicht auch die sportliche Verantwortung übernehmen will. So konnte ich etwas hineinschnuppern, wie die Zeit nach meiner aktiven Karriere aussehen könnte.

Wenn ich diese Erfahrungen nicht gesammelt hätte, wäre ein Abschied vom Fußball durchaus möglich gewesen. So jedoch war ich von der Vision, aus dem Zufall ein Projekt werden zu lassen, voll angefixt.“

Ihre Ausbildung zum Fußballlehrer haben Sie mit einigen namhaften Kollegen absolviert, Julian Nagelsmann oder auch Domenico Tedesco waren dabei. Aber auch ein gewisser Hannes Drews…
Zapel: „Er war lustig drauf. Obwohl er nicht der Jüngste in unserem Lehrgang war, war er irgendwie doch unser Nesthäkchen und Gute-Laune-Bär. Mit seiner kühlen, norddeutschen Art hat er die Truppe immer wieder zum Lachen gebracht. Es freut mich, dass Hannes in Aue nun berücksichtigt wurde.

Im Erzgebirge gilt es nun, den Weg, den Domenico Tedesco eingeschlagen und Robin Lenk fortgeführt hat, beizubehalten. Es ist wichtig, dass die gemeinsame Arbeit im Trainerteam im Vordergrund steht. Das weiß natürlich auch Hannes. In den ersten Interviews hat er das auch schon klargestellt. Wenn Aue diesen Weg weitergeht, wird das Team die Klasse halten.“

Er war unser Gute-Laune-Bär. (über Hannes Drews)

Es ist nachzulesen, dass Sie zwei Standbeine haben. Auf der einen Seite gibt es den Trainer Oliver Zapel, auf der anderen Seite sind Sie auch beruflich sehr erfolgreich. Ist der Fußball für Sie nur Zugabe?
Zapel: „Nein. Es ist gut und wichtig, und sicherlich auch für meine Entwicklung nicht nachteilig gewesen, diesen zweiten Weg gegangen zu sein. Aber ich fokussiere mich zu 100% auf den Fußball, dabei wird es auch bleiben.

Ich habe nicht den langen Weg zum Fußball-Lehrer hinter mich gebracht, um nebenbei noch Online-Start-Up-Unternehmen in die Welt zu setzen. Ich habe mich fix entschieden, im Profifußball zu arbeiten und dort das Maximum zu erreichen.“

Ihr Weg ist dennoch ungewöhnlich und bemerkenswert, nur wenige schaffen so einen Spagat. Welche Fähigkeiten aus Ihrem „normalen Berufslebens“ wenden Sie als Trainer an?
Zapel: „Das strukturelle und konzeptionelle Arbeiten im Team, aber auch das Erstellen und Präsentieren von Analysen und Strategien. Das freie Reden vor größeren Gruppen bzw. das Verkaufen einer Vision ist auch ein Punkt.

Dabei spielt nicht nur die eigene Mannschaft eine Rolle, sondern auch Sponsoren oder Gremien, also Gruppierungen, die man als Trainer bedienen muss. Als Kommunikationswissenschaftler wäre es sicherlich komisch, wenn man in puncto Öffentlichkeitsarbeit Probleme hätte. Das alles sind Bausteine, die mir durch meinen Weg sicherlich etwas leichter fallen.“

Oliver Zapel

Verließ Sonnenhof-Großaspach nach nur einer Spielzeit: Oliver Zapel. ©Imago

Mit dem SV Eichede haben Sie zweimal den Aufstieg in die Regionalliga gemeistert, dazwischen lag ein Abstieg. In welcher Situation haben Sie als Trainer mehr dazugelernt?
Zapel: „Zweifelsfrei in der Abstiegssaison. So eigenartig es klingt, aber die größten sportlichen Erfolge mit Eichede haben wir in der Abstiegssaison gefeiert, als wir reihenweise als Vollamateure den Semiprofis ein Bein stellen konnten. Es war damals ja nicht so, dass ein Abstieg nicht unvorhersehbar war.

Es war von Anfang an eine Art Himmelfahrtskommando, mit so einem kleinen Verein ohne Geld in der Regionalliga an den Start zu gehen. Dennoch war die Outlaw-Rolle, die wir gespielt haben, bemerkenswert. Rückblickend war es zudem Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet die SG Sonnenhof in allerletzter Sekunde unseren Abstieg besiegelt hat. Großaspach musste in der Relegation zur 3. Liga gegen Wolfsburg ran, wir haben alle mit einem VfL-Aufstieg gerechnet.

Unsere Rolle war bemerkenswert. (über seine Zeit in Eichede)

Es kam allerdings anders und während man im Dorfklub Großaspach feierte, flossen bei uns im Dorf ein paar Tränchen. Von daher war es dann auch skuril, nur wenig später in Großaspach als Trainer aktiv zu sein.“

Mit Großaspach haben Sie souverän den Alltag in der 3. Liga gemeistert. Wie reflektiert ein Trainer seine geleistete Arbeit?
Zapel: „Ich hatte zuletzt ja etwas Zeit, um mich mit den Erlebnissen auseinanderzusetzen und die Saison noch einmal nachzuspielen. Diese Zeit hatte ich zuvor leider nie. Eigentlich war ich in den letzten Jahren immer ein Getriebener, der von Saison zu Saison und von Lizenz zu Lizenz gehetzt ist. Zeit zum Durchatmen gab es nicht wirklich. Nun konnte ich allerdings überlegen, ob jeder Schritt gut und auch richtig war.

Dass die Zeit in Großaspach besonders und extrem erfolgreich war, ist mir natürlich schon bewusst. Wir haben bis 5 Spieltage vor Saisonende sogar eine faire Chance auf den Relegationsplatz gehabt. Dennoch würde ich im Nachhinein einige Dinge anders anpacken, besonders abseits des Platzes. Diese Erkenntnisse sind sehr wichtig für einen Trainer, um auch besser zu werden. Generell denke ich, dass jedem Trainer eine Art Mentor, jemand, der einen regelmäßig reflektiert und kritisch berät, gut zu Gesichte stehen würde.“

Warum war Ihre Zeit in Großaspach so besonders?
Zapel: „Die Zeit war rückblickend unglaublich intensiv und schön. Beide Seiten sind in gewisser Hinsicht all-in gegangen. Die SG hat sich erstmalig einen bis dahin unbekannten, waschechten Norddeutschen ins Boot geholt. Und ich kannte weder einen einzigen Spieler noch die Gegebenheiten in der Liga.

Die Vorbereitung war bereits in vollem Gange, als ich kurzfristig verpflichtet wurde. Wie sich die Mannschaft und das Umfeld dann jedoch auf mich und mein Trainerteam eingelassen haben, war fantastisch. Dazu gehörte extrem viel Vertrauen. Trotz des riesigen personellen Umbruchs sowie einer in vielen Teilbereichen runderneuerten Spielidee, haben wir sehr schnell in die Spur gefunden.

Unser Spiel war attraktiv. (über den Stil der SG)

Unser Spiel war attraktiv, wir haben viele Tore geschossen. Gerade in den Heimspielen haben wir stark auf die Karte Offensive gesetzt. Es bleiben ganz viele tolle Erinnerungen, für die ich sehr dankbar bin.“

Mit 49 Jahren zählen Sie nicht mehr zu den jüngsten Trainern, zudem drängen immer mehr top-ausgebildete Nachwuchstalente auf den Markt. Inwieweit wird Ihr Trainertyp bald vielleicht nur noch zweite Wahl sein?
Zapel: „Gar nicht. Die Qualität eines Trainers am Alter festzumachen, ist ein falscher und auch in der Praxis nicht relevanter Ansatz. Ein guter Trainer hat nachweislich Erfolg, erreicht sportliche Ziele, vereitelt Abstiege, steigt auf oder gewinnt Titel.

Nur weil junge, kleine Rennpferde aus einem Stall kommen, heißt es nicht, dass diese frischer, schneller und dadurch nachhaltig erfolgreicher sind. Natürlich gibt es Trends, die auch im Trainergeschäft Einzug halten. Ich begrüße es, dass viele Vereine neue Wege bei der Auswahl eines passenden Trainers gehen und diesbezüglich auch vor vermeintlich unerfahrenen Coaches nicht zurückschrecken. Doch jedem Trend folgt bekanntlich ein Gegentrend.

Junge Rennpferde sind nicht zwingend schneller. (über seine jüngeren Kollegen)

Ich mache mir keine Sorgen wegen meines Alters. Die Euphorie und die Herangehensweise ist entscheidend, zudem habe ich ja auch erst eine Saison im Profibereich hinter mit. Das Alter und damit verbunden auch die Erfahrung abseits des Fußballplatzes, die man gesammelt und überstanden hat, ist nicht schädlich. Im Gegenteil. Das ein oder andere Jahr mehr auf dem Buckel kann auch ein Qualitätsmerkmal sein.“

Vielen Dank für das Interview, Herr Zapel!

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