Hansa Rostock: Interview mit Ex-Spieler Wannenwetsch

"Man hat das Gefühl, das ganze Bundesland steht hinter einem."

Stefan Wannenwetsch (l.) gegen Dave Gnaase.

Lief im Vorjahr noch 34 Mal für Hansa in Liga drei auf: Stefan Wannenwetsch (l.). ©imago images/foto2press

In 117 Pflichtspielen trug Stefan Wannenwetsch das Trikot von Hansa Rostock. Nach rund dreieinhalb Jahren allerdings trennten sich die Wege nach der vergangenen Saison, der Mittelfeldspieler befindet sich aktuell auf Vereinssuche. Im Vorfeld des Auswärtsspiels Hansas in Halle (Hier geht’s zum Vorbericht), gab Wannenwetsch Liga-Drei.de ein Interview.

Dabei ging es neben seiner Zeit bei der Kogge auch um seinen anderen Ex-Klub Ingolstadt, der seit dieser Saison ebenfalls in der 3. an den Start geht.

Herr Wannenwetsch, nach dreieinhalb Jahren endete im Juni Ihre Zeit bei Hansa Rostock. Warum ging es an der Ostsee nicht mehr weiter?
Stefan Wannenwetsch: „Ich hatte viele Gespräche mit dem Trainer und dem Sportdirektor und hatte einfach das Gefühl, dass es Zeit für etwas Neues ist. Ich habe dann auf mein Bauchgefühl gehört und so haben sich die Wege getrennt.“

Wie blicken Sie auf die Zeit bei der Kogge zurück?
Wannenwetsch: „Sehr positiv! Ich hatte viele Höhen und Tiefen. Am Anfang, als ich ankam, war noch purer Abstiegskampf angesagt. Gott sei Dank ist das die nächsten Jahre besser geworden, sodass es mehr Höhen als Tiefen gab. Grundsätzlich war alles sehr positiv.

Hansa ist ein großer Verein mit einer wahnsinnigen Strahlkraft in Mecklenburg-Vorpommern. Man hat das Gefühl, das ganze Bundesland steht hinter einem. Es war eine schöne und lehrreiche Zeit, die in den letzten beiden Jahren auch relativ erfolgreich war.“ 

Ich habe einige Gespräche geführt, aber irgendwie hat es nie richtig gepasst. (über seine Vereinssuche)

Bislang haben Sie noch keinen neuen Verein. Warum war trotz Ihrer Erfahrung von über 100 Drittliga-Spielen noch nicht das Passende dabei?
Wannenwetsch: „Gute Frage. Ich habe einige Gespräche geführt, aber irgendwie hat es nie richtig gepasst. So ist es eben manchmal, da muss man geduldig bleiben und schauen, dass man fit bleibt. Ich bin optimistisch, dass ich noch einen guten Verein finden werde.“ 

Wie halten Sie sich aktuell fit?
Wannenwetsch: „Recht allein. Ich habe meine Übungen und versuche so gut es geht mich im läuferischen und im Kraft-Bereich fit zu halten. Ab und zu kann ich bei einem örtlichen Fußballverein mittrainieren, sodass ich auch fußballspezifische Übungen drin habe. Aktuell läuft es ganz gut.“

Für welche Dinge nehmen Sie sich jetzt Zeit, die sonst im Profi-Alltag zu kurz kommen?
Wannenwetsch: „Ich habe jetzt wirklich Zeit für die Familie, dadurch, dass ich zu Hause bin. Ich kann meine Neffen und Nichten öfter sehen. Die haben mich teilweise gar nicht mehr gekannt, als ich aus Rostock zurückkam, weil ich so lange nicht da war. Das ist natürlich sehr schön, aber im Endeffekt bin ich Fußballprofi und muss das hintenanstellen.“ 

Dass Hansa zu Hause noch eine 3:0-Führung hergibt, hätte ich nicht gedacht (über Rostocks Auftakt)

Haben Sie dennoch den Auftakt der 3. Liga verfolgt?
Wannenwetsch: „Ja, da war schon Wehmut dabei, zu sehen wie die Kollegen spielen. Um Punkte Fußball zu spielen ist eine der schönsten Sachen, die es gibt. Es ist sehr ausgeglichen dieses Jahr und denke es wird oben wie unten eine spannende Saison.“ 

Was hat sie besonders überrascht, positiv wie negativ?
Wannenwetsch: „Dass Hansa zu Hause noch eine 3:0-Führung hergibt, hätte ich nicht gedacht. Auch gab es viele Ergebnisse, die so nicht vorherzusehen waren. Aber es ist wie so oft der Fall, dass jeder jeden schlagen kann. Da braucht man das Quäntchen Match-Glück, das z.B. Uerdingen gegen Halle gehabt hat.“ 

Wie beurteilen Sie insgesamt den ersten Auftritt des FC Hansa?
Wannenwetsch: „Wenn man drei Tore schießt, hat man vorne viel richtig gemacht, wenn man drei bekommt, hat man wahrscheinlich den ein oder anderen Fehler drin gehabt. Mit dem Punkt müssen sie leben, jetzt müssen sie auswärts schauen, nicht zu verlieren.“ 

Als er gegangen ist, hat man schon einen Knick gesehen (über den Abgang von Ralph Hasenhüttel beim FCI)

Und was hielten Sie vom Spiel Ihres anderen Ex-Klubs 1860 München?
Wannenwetsch: „Ich habe es nicht live gesehen, so wie ich es gelesen habe, war es aber ein recht ausgeglichenes Spiel. Ich kann aber nichts Näheres dazu sagen.“

Beim FC Ingolstadt gehörten Sie zum Aufstiegs- und 2015 zum Bundesliga-Kader. Warum konnte der FCI den Erfolg nicht konservieren?
Wannenwetsch: „In erster Linie hängt das wahrscheinlich mit dem Trainer zusammen. Mit Ralph Hasenhüttl war ein überragender Trainer da, der alle Mann ins Boot geholt hat. Als er gegangen ist, hat man schon einen Knick gesehen. Aber es an einer Personalie festzumachen, wäre zu einfach. Es werden viele Sachen schiefgegangen sein.

Es hat mir sehr Leid getan. Einige Spiele der letzten Saison habe ich gesehen. Ich hatte den Eindruck, sie sind eigentlich zu gut, um abzusteigen. Ich denke, sie sind jetzt gut aufgestellt, sind nicht wie viele befürchtet haben auseinandergebrochen. Sie werden eine gute Rolle spielen.“

Sie denken, es wird für Ingolstadt nicht ähnlich schwer, wie für Braunschweig und den FCK im letzten Jahr?
Wannenwetsch: „Sie haben jetzt schon einmal das erste Spiel gewonnen. Sie haben in meinen Augen so viel Qualität, dass es sehr schwer sein wird, sie zu schlagen. Sie sind sehr routiniert. Das hätte man zwar letztes Jahr von Braunschweig auch sagen können, mein Gefühl sagt aber, dass Ingolstadt von Anfang an oben mitspielen wird.“

Es waren Spiele auf Augenhöhe. (über die Duelle 18/19 gegen Braunschweig und den FCK)

Warum war es so schwer für die letztjährigen Absteiger?
Wannenwetsch: „Wenn man absteigt, denkt man vielleicht, dass man gleich wieder oben mitspielt oder mitspielen sollte. Das ist aber leichter gesagt als getan. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wenn die Drittligisten defensiv stehen und man selbst das Spiel machen muss, ist es für jede Mannschaft brutal unangenehm. Sie hatten einfach Probleme, gegen tief stehende Mannschaften, die auf Konter setzen, über 90 Minuten das Spiel zu machen.“

Sie gewannen mit Hansa drei von vier Spielen gegen Kaiserslautern und Braunschweig. Wie gingen sie in die Partien gegen die vermeintlichen Favoriten?
Wannenwetsch: „Ich erinnere mich noch an den Sieg über Braunschweig am zweiten Spieltag zu Hause. Da hatten wir das erste Spiel in Cottbus komplett vergeigt und hatten schon ein bisschen Druck. Da sind wir voll motiviert reingegangen, im Spiel lief auch vieles für uns. Die beiden Spiele gegen Kaiserslautern waren ähnlich.

Es waren Spiele auf Augenhöhe. Wir hatten das Spielglück und haben effektiv die Chancen genutzt. Am Ende haben wir verdient gewonnen. Wir sind aber nicht anders als gegen andere Mannschaften in die Spiele gegangen.“ 

Mit Magdeburg, Duisburg, aber auch Aufsteigern wie Chemnitz und Mannheim ist die Liga nochmal attraktiver geworden. Wie sehr juckt es, da wieder mitzumischen?
Wannenwetsch: „Tatsächlich wird die Liga gefühlt jedes Jahr noch stärker, noch attraktiver. Wie man so schön sagt, es ist die schönste Nebensache der Welt. Ich bin schon so lange dabei, es war Jahre lang mein Alltag jeden Tag ins Training zu gehen, abgesehen von vielleicht zwei oder drei Wochen Sommerpause. Jetzt sind es schon ein paar Wochen mehr, da juckt es umso mehr, endlich wieder mitmachen zu dürfen.“

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Wannenwetsch!

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