Oliver Zapel: 4. Liga her! Ist das denn so schwer?

Darum braucht Deutschland eine weitere Profi-Liga

In allen Stadien standen die Spieler am 17. Spieltag eine Minute lang still.

Anfang Dezember protestierten die Drittliga-Klubs geschlossen gegen die Pläne des DFB. ©Imago/HMB-Media

Da stand sie einfach mal still, die 3. Liga. Im Kollektiv protestierten die Klubs am 17. Spieltag mit der Arbeitsverweigerungs-Gedenkminute „Stillstehen für den Stillstand“ gegen die geplante Regionalliga-Reform. Diese Aktion sorgte für Aufsehen. Und hochrote Wutköpfe auf höchster DFB-Vorstandsebene. Alles „Firlefanz“, echauffierte sich Oberhäuptling Grindel.

Ach ja? Das kann man durchaus auch ganz anders sehen! Denn wenn sich sogar international über das Scheitern einer extra ins Leben gerufenen und strikt nach deutscher Bürokratie zusammengestellten Arbeitsgruppe amüsiert wird, dann haben wir ein Problem!

Testphase mit 4 Absteigern ein Lockvogelangebot

Zugegeben: Veränderungsprozesse dauern meistens länger, als in der Theorie geplant. Vielleicht kam die Umsetzung der zweijährigen Testphase mit 4 Auf- und Absteigern vielleicht doch etwas verfrüht. Denn so verhärtet, wie die Fronten aktuell scheinen, wirkt dieses Modell im Nachhinein wie ein Lockvogelangebot. Als Verlierer verlassen die Drittligisten den Ring. Denn zumindest für zwei Spielzeiten haben die Regionalligavertreter ein Teilziel erreicht und ohne eigenes Investment einen Meister mehr im Drittliga-Rennen. Stand jetzt.

Wer nun den solidarisierten Aufschrei der Drittliga-Bosse nicht versteht, der muss zum Arzt! Hartnäckig widersetzen sich insbesondere die Vertreter der Regionalligen Nord, Nordost und Bayern den ursprünglich avisierten Aus-5-mach-4-Plänen. Da ist es doch nur logisch, dass im Gegenzug die Rückkehr zu drei Absteigern gefordert wird.

Die eingleisige 3. Liga hat sich bewährt

Der Komplettreform-Vorschlag von DFB-Vize Rainer Koch sorgte für kollektives Kopfschütteln. „Wäre die 3. Liga zweigleisig, hätten wir eine echte pyramidale Ligenstruktur und mit der Bildung der dann fünf oder sogar sechs Regionalligen überhaupt keine Probleme“, so Koch.

Unsere 3. Liga, die Mutter des „ehrlichen“ Fußballs, das Auffangbecken für (unentdeckte) Top-Talente und routinierte Haudegen im Karriere-Herbst, als Spalttablette? Niemals! Über zehn Jahre bewährte Akzeptanz und kontinuierlich wachsende Professionalisierung innerhalb der Klubs radiert man nicht eben mal weg und teilt alles durch zwei (besonders nicht die Kohle).

Die Verhandlungen liegen also auf Eis. Geplant ist lediglich, dass die Neuregelung des Aufstiegs zur 3. Liga beim DFB-Bundestag 2019 am 26. und 27. September verabschiedet werden soll. Bis dahin soll es laut Grindel einen „demokratischen Diskussionsprozess“ geben, an dessen Ende eine vertretbare Kompromisslösung steht.

Es geht – mal wieder – um die Kohle

Leute, ich weiß nicht, wie Ihr es seht, aber das klingt nicht besonders rosig! Vielmehr scheinen wir einmal mehr an unserer Scheuklappen-Mentalität zu scheitern. Natürlich können wir in AGs, Workshops, Think Tanks etc. wissenschaftliche Erhebungen entwickeln, wie man es mit einem geographisch-algorithmischen Schlüssel hinbekommt, aus fünf Staffeln vier Ligen zu basteln. Aber ist das eigentlich wirklich unser Thema?

Oliver Zapel schreibt für Liga-Drei.de

Will die eingleisige 3. Liga erhalten und eine 4. Profiliga: Liga-Drei.de-Kolumnist Oliver Zapel. ©Imago/Hartenfelser

Meiner Meinung nach sollte man sich zunächst einmal mit den Strukturen innerhalb unserer Regionalligen auseinandersetzen. Es ist ein Trugschluss, wenn man denkt, alleine durch die Regelung eines festen Aufsteigers pro Saison hätte man alle Probleme in diesen Ligen gelöst! Im Gegenteil: Die Verlockung, als Meister aufzusteigen und dann an den TV-Gelder-Töpfen zu schlecken, verleitet Vereine dazu, das finanzielle Risiko zu erhöhen und über die Maßen zu investieren. Auch in der 3. Liga finden wir diese gescheiterten Modelle. Oft enden sie in irreparablen Desastern.

Des Weiteren herrschen in und vor allem auch zwischen den einzelnen Regionalligen riesige Dysbalancen. Finanziell und (dadurch bedingt) auch sportlich. Nur weil 4. Liga auf der Verpackung steht, ist nicht zwingend überall Regionalliga drin. Wie bitte passen denn der 1. FC Saarbrücken und der FC Pipinsried unter ein Dach?

England ist ein Vorbild…

Zuletzt richtete sich der Blick unserer DFB-Nachwuchselite sehr häufig auf die dominante gleichaltrige Konkurrenz auf der Insel. Wie haben die Engländer es bloß geschafft, unser vermeintlich so einzigartiges Ausbildungskonzept auszuhebeln und uns fußballerisch die Grenzen aufzuzeigen? Ganz einfach: Mit Mentalität und mutigen Konzepten!

Vielleicht sollten wir uns in dem Kontext auch fragen, warum es in einem Land mit 30 Millionen Einwohnern weniger als in Deutschland möglich ist, schon längst eine eingleisige 4. Profiliga – und die auch noch mit 24 (!) Teams – zu organisieren und zu finanzieren. Die Akzeptanz dieses Systems in England ist so groß, dass sie jetzt sogar mit großen Schritten auf die Einführung einer 5. Profiliga hinarbeiten!

… dem Deutschland folgen sollte!

Was also hindert uns daran, uns an diesem positiven Beispiel zu orientieren? Wie cool wäre es bitte, wenn am Wochenende Chemnitz gegen Waldhof Mannheim, Alemannia Aachen gegen den VfB Lübeck, RW Essen gegen die Offenbacher Kickers oder Schweinfurt gegen Lok Leipzig kickt? Sportlich, vor allem jedoch wirtschaftlich sind diese Clubs jedenfalls nicht so weit entfernt von Großaspach oder Meppen. Die Infrastruktur (Stadien, Fans) ist weitestgehend vorhanden.

Wir haben in Deutschland genug Fußball-Lehrer, die mit ihrem Know-how vor Ort professionelle Strukturen anschieben könnten. Und wir haben genug Talente, die sich auf diesem Wege in ein überregionales Schaufenster stellen könnten und so eben nicht in zweit- oder drittklassigen Vereinen im Ausland landen. 18 Vereine, 2-3 Aufsteiger, 4 Absteiger (eventuell auch eine Auf- und Abstiegsrunde nach englischem Vorbild), die 3. Liga ggfs. auf 18 Mannschaften reduzieren. Fertig!

Im Unterbau zur neuen Profiliga können sich dann wieder die Landesverbände mit angepassten Regional- und Oberligen austoben.

Auch im Nachwuchs muss sich etwas ändern

Um abschließend noch ein weiteres Problem im deutschen Fußball zu lösen, sollte außerdem (zumindest mittelfristig) das schon länger in der Schublade liegende Nachwuchsliga-Konzept umgesetzt werden. Der Übergang von der U19-Bundesliga in die U21/23 in eine der Regionalligen quietscht. Für die Talente, die sich sportlich-individuell und eben nicht ergebnisorientiert als Team entwickeln sollen.

Für die anderen Vereine, für die es durch den ungleichmäßigen Einsatz von Kickern aus dem Profiteam zu spieltäglichen Wettbewerbsverzerrungen kommen kann (Beispiel: Borussia Dortmund II gegen RW Essen 5:0). Sinnvoll für alle wäre hier je eine U20/21 Bundes- und 2. Liga auf Basis der jeweiligen Ligazugehörigkeit des Profiteams. Alternativ wäre auch eine Bundesliga Nord bzw. Süd für alle NLZ-Teams aus den beiden Oberhäusern vorstellbar.

Schon Mitglied beim offiziellen 3.Liga-Sponsor bwin? Jetzt anmelden & bis zu 100€ Willkommensbonus kassieren!