Oliver Zapel: Alle einsteigen in die Achterbahn!

Das können die Trainer tun

Joe Enochs (Zwickau, l.) und Michael Schiele (Würzburg, m.) geraten aneinander.

Auf die Nerven der Trainer nimmt die Achterbahnfahrt keinerlei Rücksicht. ©Imago/Picture Point

Für die Fans der meisten Drittligavereine muss sich die bisherige Saison anfühlen wie eine vogelwilde Berg- und Talfahrt. Immer dann, wenn ihre Lieblinge sich anschickten, positive Stabilität in ihre Leistungen und Ergebnisse zu bringen, folgten Rückschläge und Enttäuschungen. Mit Ausnahme der Extremfälle Osnabrück (Spitzenwellenreiter und konstant gut), Braunschweig (Talsohlensurfer und konstant noch nicht so gut) sowie der Remiskönige Großaspach und Haching saßen alle Klubs in den ersten 15 Spielen schon in der Achterbahn der Gefühle.

Besonders in Köln, Würzburg, Halle und Uerdingen schwankten die Resultate derart schwindelerregend hin und her, dass sich nicht wenige fragten: Wie geht das? Ein Erklärungsansatz, der zweifelsfrei nicht von der Hand zu weisen ist, liegt in der chronischen Ausgeglichenheit der Liga. In allen Kadern steckt geballte Drittligakompetenz, die sich entweder gegenseitig eliminiert (Remiskönige!) oder Tagesform abhängig enge Schlachten mit knappen Ausgängen liefert.

Das Karussell dreht sich

Ein Grund für das einheitliche Leistungsniveau liegt darin, dass es im Laufe der Jahre innerhalb der Liga zu kollektiven Umwälzungsprozessen kam und kommt. Trainer und Spieler wechseln von links nach rechts, von oben nach unten. Unfassbar, was für einen Rattenschwanz an Vereinswechseln einige Akteure hinter sich herziehen. Nur ganz wenige Spieler halten es zumeist im Herbst ihrer Karriere länger als 3 Jahre bei einem Verein aus.

Die Trainer rotieren noch schneller von einer Bank zur nächsten. So treffen folglich Woche für Woche Gladiatoren aufeinander, die eine gemeinsame Vergangenheit haben oder sich auch sonst schon viele Jahre in- und auswendig kennen. Und dann kann es als finale Konsequenz der Leistungsdichte schon mal so kommen, dass man von jetzt auf gleich 2 Matches gewinnt, dann jedoch auch wieder 3 verliert.

Aber reicht uns das als Erklärung?

Natürlich nicht. Denn wenn es tatsächlich die Tagesform ist, die über Tod oder Gladiolen entscheidet, dann haben wir Übungsleiter ja etwas, an dem wir herumdoktern können! Wie bekommen wir unsere Krieger so in Verfassung, dass sie im Wettkampf die Nouance besser sind, als ihr Gegenüber?

1. Mit körperlicher Arbeit

Zugegeben, unser Drittligasport ist bei Weitem nicht so intensiv, wie beispielsweise die Gemetzel in der 3. Division in England. Dennoch ist der physische Aufwand, der betrieben werden muss, um zu punkten, enorm. Hoch pressende und auf schnelles Umschaltspiel bauende Teams sollten beispielsweise über maximale Laufkapizitäten und eine ausgeprägte wiederholte Sprintfähigkeit verfügen. Mannschaften, die alternativ auf die Strategie „Spiel auf den 2. Ball“ und Gegenpressing setzen, müssen robust, kopfball- und zweikampfstark sein.

Egal, für welche Philosophie man sich entscheidet, ohne Fleiß und Schweiß kein Preis! Sensibilität bei der mittlerweile durch modernste Technik kontrollierten Trainingssteuerung zur Vermeidung von Überlastungen und Verletzungen versteht sich von selbst. Klar ist aber auch, dass ein Drittligakicker zwingend physische Grenzwerterfahrungen im Training sammeln muss, um im Match ans Limit gehen zu können.

Oliver Zapel beleuchtet in seiner Kolumne auf Liga-Drei.de die Achterbahnfahrt der Drittligisten.

Sieht in der Kommunikation zwischen dem Trainer und seinen Spielern den Schlüssel zum Erfolg: Liga-Drei.de-Kolumnist Oliver Zapel. ©Imago/Hartenfelser

2. Mit technisch-taktischem Rezept

Besonders in der dunklen Jahreszeit, in der das Wetter schlechter, die Plätze tiefer und unebener und die Beine schwerer werden, ist Liga drei alles andere als ein Taktik-Labor für experimentierfreudige Fußballphilosophen. Jetzt wird auf ehrliche Art und Weise in vielen 1:1-Duellen gekeult und malocht. Wer nun keinen Plan B zückt, sondern an den in der Sommervorbereitung einstudierten Prinzipien festhält, kann schnell mal über die Wupper gehen.

Überhaupt ist auch in diesem Jahr wieder stark auffällig, dass Konzepte, die sich Woche für Woche an der Leistungsfähigkeit des Gegners orientieren, am erfolgreichsten sind. Je besser ein Spieler für das, was kommt, präpariert ist, desto mehr Vertrauen hat er dann auch für die Umsetzung der eigenen Spielpläne. Diese wiederum sollten von Spiel zu Spiel hinterfragt und an die körperliche und mentale Verfassung der Mannschaft angepasst werden. Ein Trainer bricht sich keinen Zacken aus der Krone, wenn man den Jungs mal ein reduziertes Strategiepapier in die Hände drückt. Hoch und weit bringt Sicherheit!

3. Mit mentaler Stärke

Fehler werden gemacht. Das muss so sein. Gute Spieler müssen viele Fehler gemacht haben, um sehr gute Spieler zu werden. Der Coach sollte darin auch genau deshalb überhaupt kein Problem sehen. Viel mehr ist es die Herausforderung, die Fehler zu registrieren, eine passende Reaktion darauf zu zeigen und perspektivisch aus sich stetig wiederholenden Fehlern zu lernen.

Niemals jedoch sollten begangene individuelle Fehler zu überzogener Wut, Angst oder „emotionalem Einfrieren“ (sich verschließen, Teilnahmslosigkeit, Resignation) führen. Klar, es ist nicht einfach und erfordert eine Menge Selbstvertrauen, zu seinem Fehlverhalten zu stehen. Doch die beste Chance, wieder zurück in die Spur zu finden und sich auf ein Ziel (Sieg!) zu fokussieren, ist die Akzeptanz, dass es passiert ist.

Genau hier kann der Trainer ansetzen und moderieren. Mutige Spieler brauchen den mannschaftlichen Halt. Kommunikation, Körpersprache, Motivation, die Rückkehr vom Schwierigen zum Einfachen, Klarheit in den Aktionen. Daran müssen alle gemeinsam arbeiten! Wenn es an dieser Stelle auch noch zum Schulterschluss mit den Fans kommt, dann können gemeinsam Bäume ausgerissen werden.

Redet miteinander!

In keiner deutschen Profiliga geht so viel über den vielgepriesenen Teamgeist wie in der 3. Liga. Dazu gehört es auch, sich einmal lautstark die Meinung zu geigen. Was raus muss, muss raus! Kurz und knackig! Das darf eine Mannschaft nicht aus der Bahn werfen.

Bekommt ein Coach es hin, dass seine Spieler aus dieser Kommunikation, die nie persönlich/nachtragend gemeint ist bzw. sein darf, sogar motiviert herauskommen, dann hat das Team einen riesigen Wettbewerbsvorteil. Und dem Gegner signalisiert es: Da ist eine Truppe, die lebt und füreinander durch die Wand rennt! Und die dafür von den Anhängern geliebt und angetrieben wird, obwohl sie Fehler macht!

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