Oliver Zapel: Das wollen wir sehen! Das ist geil!

"Ehrlich, rustikal, leidenschaftlich."

Jan Löhmannsröben im Gespräch mit dem Schiedsrichter

Ganz nach Zapels Geschmack: Jan Löhmannsröben (r.) steht wie kein Anderer für die unverfälschte 3. Liga. ©Imago/Picture Point

Meine Güte, was waren wir hungrig. Voller Vorfreude auf die von nahezu allen Experten als „Die beste 3. Liga aller Zeiten“ deklarierte Spielzeit konnten wir den Anpfiff des Dosenöffners und Klassikers 1. FCK gegen 1860 kaum erwarten. Und ja, hmmm lecker. Der erste Löffel schmeckte. Über 40.000 mitfiebernde Fans, zwei Teams mit offenem Visier und Bock auf Fussi, ein Treffer kurz vor dem Ende, der Betze bebte. Das machte Spaß und Appetit auf mehr.

Der Geschmack der 3. Liga

Mittlerweile sind fünf Wochen vergangen, 60 Partien absolviert und 156 Tore erzielt worden (Vorjahr: 158). In meiner Gier habe ich sie mir reingezogen. Allesamt, mit Haut und Haaren, in den Stadien und vor der Glotze. Das Gute gleich vorweg: Trotz teilweise erheblichen Grummelns habe ich mir den Magen nicht verdorben. Zwar sind wir bereits weit entfernt von Gaumenschmaus und Delikatessen. Aber das ist auch gut so. Denn die 3. Liga ist kein Gourmet-Tempel. Hier wird gegessen, was auf den Tisch kommt.

Einige Vereine wären gut beraten, wenn sie sich schnell an den Geschmack von harter Arbeit, von Schweiß und Blut gewöhnen würden. Mir muss keiner mehr kommen und sich hinter dem ominösen und viel zitierten Schutzschild „Umbruch“ verstecken. Jahr für Jahr kommt es in ALLEN Teams zu Personalrochaden. Mit Ausnahme von Cottbus haben alle Vereine ihre Kader wieder mächtig durchgemixt und aufgepimpt. 80 % der Clubs haben Zugänge im zweistelligen Bereich.

Aufsteiger als Vorbild für die Zweitligaabsteiger

Für die Integration der neuen Spieler, die sich die Entscheider ja bewusst ausgesucht haben, um sich zu verstärken, hatte man in der Vorbereitung viel Zeit. Teams wie Unterhaching, Osnabrück, Halle und Zwickau gelten hier als positive Beispiele. Sie sind fit, flexibel und passen ihre Taktik dem Gegner an. Auch die beiden Aufsteiger Uerdingen und 1860 haben schnell verstanden, wie 3. Liga geht.

Genau das jedoch scheint oftmals das Problem der Zweitligaabsteiger zu sein. Tradition schießt keine Tore! Vor zwei Jahren erwischte es den FSV Frankfurt, der mit dem Ziel Wiederaufstieg in die Saison gegangen war und am Ende als Tabellenletzter mit Insolvenz im Gepäck abstieg. Paderborn hätte es als Drittletzten ebenfalls erwischt, konnte sich jedoch durch das 1860-Dilemma über Umwege retten.

Letzte Saison sah es zunächst ganz ähnlich aus. Sowohl Würzburg als auch Karlsruhe starteten mit erheblichen Problemen. Erst nach Wechseln auf der Trainerbank und der Umformulierung der Saisonziele kam der Umschwung. Ich bin mir sicher, dass die Verantwortlichen in Kaiserslautern und Braunschweig gewarnt waren und mittlerweile jedes Steinchen umdrehen. Doch spätestens jetzt MUSS die Trendwende her, notfalls per Zangengeburt!

Oliver Zapel ist Kolumnist bei Liga-Drei.de

Oliver Zapel liebt die Emotionen in der 3. Liga. ©Imago/Hartenfelser

Erfrischender und ehrlicher Fußball

Bleiben wir noch kurz beim Vergleich mit den letzten Spielzeiten. Wieder einmal zeigt sich, dass mutiger, variabler Offensivfußball der Marke Regensburg, Holstein Kiel oder Paderborn eben doch belohnt wird. Erfrischend, wie die derzeitigen Top-Fünf attackieren. Selbstverständlich sehen wir auch wieder den typischen Physio-Kick: „Hail Mary“-Spieleröffnung mit langem Flugball, Luftkampf, Balljagd. Ehrlich, rustikal, leidenschaftlich.

Auswärts registrieren wir analog zur WM eine Konzentration auf tief stehende Defensiv-Bollwerke und Umschaltaktionen mit Sprintmaschinen. Blöd nur, dass mittlerweile viele Mannschaften auch daheim eher passiv agieren und sich so taktisch eliminieren. Wer jetzt keinen kreativen Individualisten, treffsicheren Stoßstürmer oder begnadeten Standardschützen in den Reihen hat, der bekommt Probleme.

Ich finde ja, zu Hause muss die Post abgehen, gerade zu Saisonbeginn. Da müssen die Fans vor lauter Identifikation aus dem Sattel. Heimsiege sind Pflicht, will man nicht über die Klinge springen. Eh logisch, denn bei vier Absteigern werden voraussichtlich 45 Punkte nicht reichen! Wer also jetzt noch keine sieben bis acht Punkte auf dem Konto hat, ist nicht im Soll.

Talente, alte Haudegen und echte Typen

Es hat sich also nicht viel geändert. Die 3. Liga ist weder besser noch schlechter als zuvor. Es wird gebissen und gekratzt, auf und abseits des Feldes. Hier setzen sich Woche für Woche hochbegabte Zocker ins Schaufenster und hoffen auf den großen Sprung. Familienväter ackern im Herbst ihrer Laufbahn um Prämien, damit sie den Kühlschrank voll bekommen.

Auf diesem Friedhof der Eitelkeiten ist Jan Löhmannsröben, dieses Tier von einem Mann, der Türsteher. (Ich feier Dich, Digga!) Echte Typen wie Felix Schiller, die in den Oberhäusern leider fehlen, tragen ihr Herz auf der Zunge, begehen Fehler, zeigen Emotionen und Reue. Und werden ein paar Tage später trotz Platzverweis mit Standing Ovations verabschiedet. Das wollen wir sehen! Das ist geil! Weiter so!

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