Oliver Zapel: Es klemmt!

Kopf-an-Kopf-Rennen auf der Zielgeraden

Mathia Fetsch vom Halleschen FC

Der HFC tut sich mit der Favoritenrolle noch schwer. ©Imago/Christian Schroedter

Nun sind sie also aus den Startboxen, unsere ambitionierten Aufstiegs-Galopper. Alle Wetten sind platziert, die Aufregung auf den Rängen steigt. Doch bereits nach der ersten Kurve und dem Einlauf auf der Gegengeraden traut man seinen Augen nicht.

Statt des von vielen Experten erwarteten Start-Ziel-Sieges der beiden souveränen Hinrundenspitzenreiter VfL Osnabrück und Karlsruher SC sowie einem Kopf-an-Kopf-Rennen der drei Verfolger Halle, Uerdingen und Unterhaching, sorgt ein Außenseiter für Furore. Der SV Wehen Wiesbaden ist aus dem Windschatten herausgetreten und flitzt im Jagdgalopp an der lahmenden Konkurrenz vorbei.

Die 0:2-Heimniederlage des VfL Osnabrück gegen die bis dahin wochenlang haltlos dahintrudelnde SG Sonnenhof-Großaspach war DIE Sensation des vorletzten Spieltages. Aber warum eigentlich? Kennen wir nicht die zur Normalität gewordenen und bereits hundertfach demonstrierten Jeder-kann-jeden-schlagen Gesetze der 3. Liga? Und hat sich diese Niederlage nicht vielleicht auch schon in den beiden ersten Partien des VfL, insbesondere beim schmeichelhaften Heimsieg gegen Meppen angedeutet? Doch, hat sie. Und das wissen auch die Osnabrücker.

Gelassenheit vs Wachsamkeit

Deswegen konnten sie auch relativ cool mit dem Rückschlag umgehen. Die Reaktion beim Auswärtsderby in Münster war stabil. Zwar auch „nur“ ein Punkt. Aber rein tabellarisch konnte der Vorsprung auf den ersten Verfolger sogar ausgebaut werden. Dennoch gewinnt man derzeit ein wenig den Eindruck, Danny’s Rasselbande hat im Vergleich zur Hinrunde eine Portion Spielwitz und Leichtfüßigkeit verloren.

Es fehlen zudem die Highlights von Goldfüßchen Alvarez, dessen geniale Freistoß-Kunstwerke diverse Punkte auf das Osnabrücker Konto spülten. Besonnene Gelassenheit ist gut, aber Wachsamkeit geboten. Ein Sieg im kommenden Heimspiel gegen den Halleschen FC könnte ein Meilenstein sein.

Weniger geschmeidig dürften die Verantwortlichen des Karlsruher SC aktuell in den Rückspiegel schauen. Natürlich ist es völlig egal, gegen wen man in dieser Liga spielt, denn die Leistungsunterschiede sind minimal. Aber nach dem Heimsieg gegen Köln hatte man sich gegen die Abstiegskämpfer Jena und Zwickau schon mehr als zwei maue Pünktchen ausgerechnet. Ein echtes Alarmsignal war dann jedoch die 0:1 Peitsche im Heim-Klassiker gegen Lautern.

Vor voller Hütte war die Gesamtleistung des Teams derart unter Soll, dass sich einige Spieler im Nachgang sogar für die Darbietung entschuldigten und baldige Besserung gelobten. Allerdings geht es nun zu den Lotter Sportfreunden. Und eben diese bescherten dem KSC seinerzeit die erste Saisonpleite…

Der Druck des unbedingten Aufstieg-Willens (und –Müssens?) ist unverkennbar und kreist über dem Wildpark. Man kann sein Glück jedoch nur bedingt erzwingen. Mit lediglich sechs Punkten aus den letzten fünf Spielen musste der KSC den VfL Osnabrück etwas ziehen lassen. Und spürt nun den gierigen, heißen Atem des SV Wehen!

Dominik Stahl von der SpVgg Unterhaching gegen Jeremias Lorch vom SV Wehen Wiesbaden

Jeremias Lorch (r.) und der SV Wehen Wiesbaden scheinen die Konkurrenz abzuhängen. ©Imago/foto2press

Die Rehm-Boys sind die Truppe des Monats! Fette fünf Dreier in Folge katapultierten den SVW hochverdient auf Platz Drei. Bemerkenswert dabei, dass gleich drei der vier Siege in 2019 auf fremdem Geläuf eingefahren wurden. Außerdem konnten so im Vergleich zu den ersten fünf Spielen der Hinrunde brutale 11 Punkte mehr (!) auf der Haben-Seite gebunkert werden. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Natürlich kommt der radikale Aufschwung der Wehener angesichts der enormen Qualität im Kader nicht von ungefähr.

Kein Schäffler? Kein Problem!

Viele zählten sie von Anfang an zu den Aufstiegs-Bewerbern. Doch spätestens in der Winterpause bestätigte Kaderplaner Christian Hock sein feines Händchen für Talent. Die Rückholaktion von Agy Diawusie (wie kann so ein famoser Spieler eigentlich in Ingolstadt keine Chance erhalten?) sowie die Leihe von Gökhan Gül waren Mega-Volltreffer. Es ist außerdem bezeichnend, dass selbst der Ausfall von Top-Scorer Manuel Schäffler mühelos kompensiert wird. Jetzt halten eben andere ihre Köpfe und Füße hin.

So zum Beispiel Jeremias Lorch. Der Bursche spielt seit Monaten überragend und steht deswegen nicht umsonst auf mehreren Zetteln umtriebiger Scouts. Generell sind die Auftritte des SVW geprägt von maximalem Selbstvertrauen und Überzeugung, Wir müssen gar nicht lange um den heißen Brei herumreden: In dieser Verfassung ist Wehen DER absolute Titel-Top-Favorit.

Dieses Prädikat hätte sich bestimmt auch der Hallesche FC gerne ans Revers geheftet. Nach dem Last-Minute-Burner von B.B. Bahn beim Sieg in Köln sprudelten die Glückshormone noch aus vollen Rohren. Vor laufenden Kameras erlaubte Coach Ziegner seinen Spielern und sich selbst die Formulierung des Zieles „Aufstieg!“.

Alles klar, kein Problem und angesichts des Tabellenstandes auch nicht vermessen. Nur 270 gespielte Minuten später empfängt man aus Kreisen des HFC allerdings eher negative Schwingungen. Die Medien sind voll mit Begriffen wie „Sturmflaute“ und „Tor-Knoten“. 3 Spiele ohne eigenes Tor. Negativer „Vereinsrekord“ in Liga 3. Ach Du meine Güte, das geht ja gar nicht!

Neue Wahrnehmung beim Halleschen FC

Leute, chillt mal! Was ist denn schon groß passiert? Klar, Heimspiele gegen Jena und Lotte würde jeder gerne gewinnen. Fakt ist aber auch, dass man sie nicht verloren hat und man mit drei Spielen hintereinander zu Null die aktuell beste Verteidigung der Liga besitzt. Da wird auf ziemlich hohem Niveau über eine Situation – zwei Punkte bis Platz Zwei – gejammert, in der 80% aller Teams gerne wären.

Wer sich selbst (berechtigterweise) als A-Kandidat bezeichnet, der muss auch damit rechnen, dass sich Wahrnehmung (vom Jäger zum Gejagten) und taktische Ausrichtung (tief stehen + kontern) der gegnerischen Teams anpassen. Das Fehlen von Allrounder-Kante Sebastian Mai, der in mehreren Spielen den Unterschied ausgemacht hat, wird ehrenwerterweise kaum als Alibi erwähnt. Also, lieber HFCer, bleibt geschmeidig und freut Euch über Eure gute Saison und auf die nächsten beiden Highlights in Osnabrück und gegen Uerdingen!

Oliver Zapel ist Kolumnist bei Liga-Drei.de

Oliver Zapel sieht den Halleschen FC noch immer in der Siegerspur. ©Imago/Hartenfelser

Womit wir auch schon beim Club mit der größten Ladehemmung angekommen sind. Mit nur einem Punkt aus den fünf Rückrundenspielen weist die Bilanz des KFC satte minus neun Zähler im Vergleich zur Hinrunde aus. Da kann man schon mal von einer relevanten Krise sprechen. Spätestens der Auftritt in Großaspach offenbarte eindrucksvoll, wo die Defizite des Star-Ensembles liegen. Trotz eines motivierten Beginns, einer verdienten frühen Führung sowie diversen sehr guten Möglichkeiten auf ein zweites oder drittes Tor, kippte die Begegnung nach dem ersten Return des Gegners.

Hoffen auf Grimaldi?

Die Struktur bröckelte, das Gleichgewicht schwand. Überharte Frust-Zweikämpfe führten zu gelben Karten, diese wiederum zur Angst vor einem Platzverweis und dadurch bedingter Handbremse im Defensivverhalten. Insbesondere in diesen Gegenwindmomenten fehlt es offensichtlich an Führung. „Nur Häuptlinge, keine Indianer“. „Viele Köche verderben den Brei!“. Alles Binsenweisheiten, die sich jedoch auf die Lage beim KFC projizieren lassen.

Spieler wie Kefkir und Dörfler, die in der Hinrunde durch Einzelaktionen noch für Zählbares auf dem Punktekonto gesorgt hatten, spielen aktuell nur die zweite oder dritte Geige. Auch taktisch hat man sich immer noch nicht mit den besonderen Gesetzmäßigkeiten der Liga angefreundet. In der Hochburg des Umschaltspiels geht es im Höchsttempo hin und her. Da benötigt man vor allem Akteure, die auch physisch in der Lage sind, viele lange Sprints zu ziehen.

Und dennoch ist der Zug für den KFC nicht aus dem Bahnhof! Neu-Coach Meier benötigt im Heimspiel gegen Münster allerdings zwingend einen Dreier, damit der Trainerwechseleffekt nicht frühzeitig verpufft. Danach hätten die Uerdinger es gegen Halle und Karlsruhe selbst wieder auf dem Fuß, den Rückstand auf das Treppchen zu verkürzen. Und wenn dann Adriano Grimaldi in ein paar Wochen noch dazu stößt, könnte es doch noch mit dem geplanten Durchmarsch klappen.

Aufgaben werde schwerer

Für den letzten Anwärter um die begehrten Plätze läuft es im Jahr 2019 auch noch unrund. Erst bremste die Winterpause die gerade auf Hochtouren laufende Unterhachinger Angriffsmaschine aus. Und dann machte auch noch der Wettergott den Schromm-Eleven einen Strich durch die Rechnung. Nach den Ausfällen der Spiele gegen Aalen und Cottbus ging es dann unglücklicherweise direkt nach Rostock, wo es für Neu-Trainer Härtel auch schon darum ging, die Kurve zu kriegen und einen kompletten Fehlstart zu verhindern.

In diesem Match gegen hochmotivierte Hanseaten merkte man deutlich den fehlenden Rhythmus der Hachinger. Auch daheim gegen Wehen gab es nichts Zählbares. Eine völlig neue Situation also für die Bayern. Da hatte man zuvor in 20 Spielen lediglich eine Niederlage erleiden müssen. Und nun setzte es direkt den Doppelpack. Dadurch hat sich die ursprünglich komfortable Ausgangssituation verändert. Denn um oben dranzubleiben, müssten die beiden nächsten Spiele in Braunschweig und Aalen gewonnen werden. Schwierige Aufgaben.

Aber was ist schon einfach, wenn man hoch will? Es passiert immer wieder, dass Mannschaften, die sich zu sehr mit der Zukunft und dem Erreichen von vorgegebenen oder auch unverhofft möglichen Zielen auseinandersetzen, verkrampfen und blockieren. Am Ende setzen sich dann zumeist die Clubs durch, die (offiziell) nicht müssen, aber können.

Die, die nicht experimentieren, Abläufe verändern und im Hier und Jetzt bleiben. Die, die jeden Gegner respektieren und nur an das nächste Spiel denken. Und die, die mit ihrem gesamten Umfeld eine bedingungslose Einheit bilden. Alle sechs Vereine, die sich aktuell im Rennen befinden, haben gute Chancen auf Ruhm, Ehre und DFL-TV-Gelder. Jetzt gilt es, die Energiereserven gut einzuteilen, bevor dann auf der Zielgeraden die Sporen gegeben werden. Horrido!

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