Oliver Zapel: Kein Spiel für zartbesaitete Mauerblümchen

"Ist überzogene Theatralik professionell oder unsportlich?"

Halles Braydon Manu fliegt gegen den KFC Uerdingen vom Platz.

DER Aufreger des 7. Spieltages: Halles Braydon Manu sieht die rote Karte gegen Uerdingen. ©Imago/Eibner

Eigentlich hätte es so ein schöner Nachmittag werden können. Es lief die 23. Minute im Spiel KFC Uerdingen gegen den Halleschen FC. Ein langer Flugball segelte in Richtung Braydon Manu. Was dann folgte, war der große Zirkus. Als wäre es das normalste der Welt, nahm Manu den Ball direkt mit der Hacke und überlupfte im Playstation-Style keinen geringeren als Weltmeister Kevin Großkreutz. Artistik pur im knallharten Drittliga-Programm. Hammer, weiter so!

Ein paar Zeigerumdrehungen später jedoch fiel der Vorhang für Braydon. Manuel Konrad, die Uerdinger Abwehr-Kante, stahl ihm die Show. „Dankend“, wie er später vor laufender Kamera von sich gab, habe er den Kontakt nach Manus linkem Schwinger angenommen. Konsequenz: Rote Karte, Niederlage für den HFC und vier Spiele Sperre für Manu!

Sportliche Themen rücken in den Hintergrund

Soweit, so nicht gut! Die Tatsache, dass im Nachgang nicht etwa vorrangig sportliche Themen diskutiert, sondern Showeinlagen, Schiedsrichterentscheidungen und Sportgerichtsurteile hochemotional kommentiert und kritisiert werden, stimmt nachdenklich.

Man liest beispielsweise wenig bis gar nichts über die auffällige Vielzahl an kapitalen, schicksalhaften Torwartfehlern auf diversen Drittligaplätzen. Stattdessen drehte sich zuletzt alles um die „Cornflakes-Affäre“. Und jetzt haben wir die „Wischer-Attacke“. Eine hitzig geführte Debatte über Fairness im Profifußball. Ist es clever, ja sogar professionell, die Wahrnehmung des Schiedsrichters durch überzogene Theatralik zu verzerren? Oder einfach nur unsportlich?

Foul. Gelb. Ruhe im Karton. (über den Platzverweis gegen Manu)

Braydon Manu gehört genau zu der Spezies, die uns im deutschen Fußball an allen Ecken und Kanten fehlt. Er ist quicky, tricky, torgefährlich, mutig. Ein junger Straßenkicker in seiner zweiten Drittligasaison, bei dem die Fans des HFC vor Entzücken aus dem Sattel steigen. Seine Gegenspieler müssen zu allen Mitteln greifen, um diese Wuchtbrumme zu bändigen. Dabei gehen dem jungen Heißsporn manchmal auch die Gäule durch.

So geschehen vor etwas über einem Jahr, als er sich vor keinem Geringeren als Timmy Thiele aufbaute und ihm eine zarte, angedeutete „Kopfnuss“ verpasste. Und nun eben leider wieder. Er hatte sein Temperament nicht im Griff. Aber: Er traf Konrad nicht im Gesicht. Eine leichte Berührung am Hals, nichts, das verletzt oder besonders schmerzt. Foul. Gelb. Ruhe im Karton.

Konrad weiß, wo im Profi-Fußball der Hammer hängt

Auf der anderen Seite finden wir mit Manuel Konrad den Counterpart, den Repräsentanten der älteren Spielerschicht. Ein mit allen Wassern gewaschener Routinier mit 200 Zweitligaspielen, Defensiv-Allrounder, Führungsspieler und Aggressive Leader bei den Uerdingern. Er weiß, wo im Profi-Fußball der Hammer hängt, will auf Biegen und Brechen Spiele gewinnen, Prämien verdienen, den Kühlschrank füllen und seine Existenz absichern.

In besagter Szene hat Konrad seinen Kameraden Großkreutz und Aigner helfend zur Seite gestanden und wurde dabei von Manu attackiert. Demnach war und ist Konrad immer noch Opfer und nicht Täter. Es war keine Vollschwalbe! Allerdings war seine Schauspielerei überzogen. An Stelle seiner wirklich überflüssigen Danksagung in Richtung Manu vor laufenden Kameras hätte er meiner Meinung nach die Situation aufklären und somit Manus Position verbessern können. Das Spiel war eh gewonnen!

Oliver Zapel ist Kolumnist für Liga-Drei.de

Hat keinen Bock auf Flugeinlagen: Oliver Zapel. ©Imago/Hartenfelser

Fußball ist Vollkontakt-Kampfsport

Grundsätzlich – und da sind wir uns sicherlich einig – verabscheuen wir die ekelhaften Neymar-Flugeinlagen. Absolute Abturner! Es nervt so extrem, dass sich sogar die Mannschaftskameraden für ihn schämen. Andererseits regen wir uns eigenartigerweise viel weniger auf, wenn die Spieler jeden noch so leichten Kontakt im Strafraum annehmen und schreiend zusammenbrechen. Das nehmen wir hin, denn es gab ja in der HD-Super-Slowmo deutlich erkennbar die Berührung…

Letztendlich sind die aktuellen Diskussionen eigentlich doch ganz cool! Ich halte sie sogar für extrem wichtig, denn davon lebt ja auch unser Geschäft. Schon die Väter unserer Väter haben sich über die vermeintlich spielentscheidenden Fehler der Unparteiischen sowie unfaires Verhalten des ungeliebten Gegners echauffiert. Das war so, das ist so und das wird hoffentlich auch trotz Video-Beweis so bleiben. Darüber hinaus ist Fußball immer noch ein Vollkontakt-Kampfsport. Hier rappelt es schon mal gewaltig in der Zweikampfkiste.

Auch verbal werden auf und abseits des Feldes Schlachten geschlagen. Spieler gegen Spieler, Trainer gegen Trainer, Fans gegen Fans. Es ist kein Spiel für zartbesaitete Mauerblümchen. Es geht um Ehre, um Anerkennung. Und um Geld.

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